Sergej Sobjanin: 15 Jahre in Moskau
Als Sergej Sobjanin Ende Oktober 2010 den bei den Einwohnern der Hauptstadt beliebten Juri Luschkow als Bürgermeister von Moskau ablöste, hätte wohl kaum jemand gedacht, dass er so lange in diesem Amt bleiben würde. Aber Sobjanin leitet immer noch die Hauptstadt, und in puncto Popularität hat er seinen Vorgänger wohl überholt. Dazu trägt natürlich die intensive PR-Arbeit der Moskauer Stadtverwaltung bei, aber Sobjanin hat auch wirklich etwas vorzuweisen. Dabei hat der Bürgermeister genügend Kritiker. So betont die Opposition, dass Sobjanin ein Bestandteil des modernen politischen Systems Russlands ist. Er sei für das Verbot von Demonstrationen und deren Auflösung mitverantwortlich. Mit ihm veränderten sich die Wahlen zu einem Verfahren, dem kaum noch jemand Vertrauen schenkt. Andererseits müssen selbst Kritiker anerkennen, dass Sobjanin im Gegensatz zu anderen Vertretern der höchsten Beamtenebene versucht, sich offen obskurantistischer Äußerungen zu enthalten. Er spricht gerne über die Entwicklungen in der Stadt. Aber nicht nur politisch aktive Moskauer kritisieren Sobjanin und sein Team. Einige Methoden, mit denen die Hauptstadt zur „besten Stadt der Welt“ gemacht werden soll, werfen bei den Einwohnern Fragen auf. Warum müssen zum Beispiel die Pflastersteine auf ein und derselben Straße jedes Jahr ausgetauscht werden? Und warum sind diese Steine trotzdem immer noch so holprig? Die 15 Moskauer Jahre Sobjanins werden sehr unterschiedlich bewertet. Die MDZ hat einige Zahlen zu diesem Thema zusammengestellt.
2,4-mal
Die Fläche der Stadt hat sich unter Sobjanin um etwa das 2,4-Fache vergrößert. Dies geschah durch die Eingemeindung des sogenannten „neuen Moskaus“ in die Hauptstadt. Infolgedessen stieg Moskau im Ranking der flächenmäßig größten Städte der Welt vom 11. auf den 6. Platz auf. Der Bevölkerungszuwachs war vergleichsweise geringer, da im „neuen Moskau“ weniger als 250.000 Menschen lebten. Allerdings verstehen bis heute nicht alle, warum diese Eingemeindung notwendig war. Obwohl beispielsweise die Einwohner von Troizk davon eindeutig profitieren: Die Moskauer Metro wird bis dorthin verlängert.
91
So viele U-Bahn-Stationen und Stationen der damit verbundenen Oberflächenlinien wurden seit 2011 gebaut. 2023 hat die Moskauer U-Bahn den Flughafen Wnukowo erreicht. Dabei ging Quantität nicht zu Lasten der Qualität: Die neuen Bahnhöfe sind wirklich schön, alle Züge fahren pünktlich.
343
Im September 2025 verkündete Sergej Sobjanin den Abschluss des Modernisierungsprogramms für Moskauer Polikliniken. Insgesamt wurden 343 medizinische Einrichtungen gemäß dem neuen Standard renoviert. Die Renovierung an sich ist hervorragend, die Ausstattung neu. Das Problem sind die Behandlungsvorschriften: Die Ärzte haben nur 15 Minuten Zeit für die Untersuchung eines Patienten. Oft reicht diese Zeit nicht aus.
351
Die 2009 gegründete Bürgerbewegung Archnadsor führt ein „Schwarzbuch” über den Verlust des architektonischen Erbes der Hauptstadt. Seit Beginn der Arbeit der neuen Stadtverwaltung 2010 wurden bereits 351 Einträge in dieses Buch aufgenommen. Das schlimmste Jahr war 2023, in dem Moskau laut Angaben von Archnadsor 37 architektonische Denkmäler verloren hat. Im Jahr 2021 war die historische Deutsche Siedlung von Abrissarbeiten stark betroffen.
33.000
Allein von Januar bis September 2025 sind 33.000 Moskauer aus 480 alten Häusern in neue Wohnungen umgezogen. Das Moskauer Sanierungsprogramm, in dessen Rahmen fünfstöckige Betonhäuser abgerissen werden, wurde 2017 verabschiedet. Es sieht die Umsiedlung von etwa einer Million Moskauer aus 5176 Häusern vor. Die Bauqualität der neuen Häuser wird nitunter kritisiert, aber die meisten Umsiedler sind vollkommen zufrieden.
Igor Beresin
Запись Sergej Sobjanin: 15 Jahre in Moskau впервые появилась Moskauer Deutsche Zeitung.