Kristin Cabot wird bei einem Coldplay-Konzert innig mit ihrem Chef auf der Stadionleinwand gezeigt. Jetzt hat sie erstmals öffentlich über den Vorfall gesprochen – und was danach passierte. Eine Personalchefin und ihr Boss beim Turteln auf der großen Leinwand: Die Szene machte Kristin Cabot, damals angestellt beim Softwareunternehmen Astronomer, im Juli 2025 weltweit bekannt. Bei einem Coldplay-Konzert in Massachusetts war sie von der sogenannten Kiss Cam gefilmt worden – eng umschlungen mit ihrem damaligen verheirateten Chef Andy Byron. Coldplay-Sänger Chris Martin kommentierte den Moment vor Tausenden Fans: "Entweder haben die beiden eine Affäre oder sie sind einfach nur sehr schüchtern." Das Video der Szene ging in den sozialen Medien viral. Der Vorfall wurde für die 53-Jährige zum Albtraum. In den sozialen Medien wurde sie zur Zielscheibe für Spott, Hass und Sexismus. Jetzt hat sie zum ersten Mal öffentlich über die Konsequenzen des Debakels gesprochen. "Die Belästigungen haben nie aufgehört," sagte sie der "New York Times" im Interview. Nach "Kiss-Cam"-Eklat: Auch Personalchefin verlässt Firma "Kiss Cam": Gwyneth Paltrow taucht plötzlich in Video von Astronomer auf Karriere weg, Ruf ruiniert Cabot betont, dass sie und ihr Chef Byron vor dem Abend beim Konzert nie intim gewesen seien, gesteht aber auch, in ihn "verknallt" gewesen zu sein. Der Moment beim Konzert sei spontan entstanden. "Ich habe eine Fehlentscheidung getroffen, ein paar High Noons (Cocktails mit Tequila; Anm. d. Red.) getrunken und mit meinem Chef getanzt und mich unangemessen verhalten", erklärt sie und fügt hinzu: "Ich habe die Verantwortung übernommen und dafür meine Karriere aufgegeben. Das ist der Preis, den ich zu zahlen bereit war." Cabot war zu dem Zeitpunkt zwei Jahre mit ihrem Ehemann verheiratet gewesen, die beiden lebten allerdings schon damals getrennt und wollten sich offenbar scheiden lassen. Er sei ebenfalls mit einer Verabredung im Stadion gewesen, sagt sie nun, sie habe ihn nicht demütigen wollen. Als Folge des Videoclips habe sie wochenlang bis zu 600 Anrufe am Tag erhalten, wie sie erzählt. Ihre privaten Details seien geleakt worden, Paparazzi hätten sie belagert. "Es war wie eine Parade". Die Polizei habe ihr Haus überwacht, Kameras seien installiert worden. Sie berichtet von 50 bis 60 Morddrohungen wie: "Ich weiß, du kaufst bei Market Basket ein – ich komme dich holen." Auch ihre beiden Kinder seien traumatisiert gewesen. "Sie hatten Angst, dass ich sterbe. Und dass sie sterben." Die Familie habe monatelang öffentliche Orte gemieden. Heute sei Besserung in Sicht: Die Kinder gingen wieder zur Schule, bekämen therapeutische Hilfe. Cabot spiele wieder Tennis. "Ich möchte, dass meine Kinder wissen, dass man Fehler machen und wirklich Mist bauen kann. Aber man muss nicht dafür mit dem Tod bedroht werden", so Cabot. Sie fragt sich auch, ob ihr damaliger Chef Byron nach dem Skandal in gleichem Maße beschimpft worden sei. "Ich glaube, als Frau, wie Frauen es immer tun, habe ich den Großteil der Beschimpfungen ertragen müssen. Die Leute sagten Dinge wie, ich sei eine 'Goldgräberin' oder hätte mich 'nach oben geschlafen', was der Realität einfach nicht ferner liegen könnte." Sie habe ihr Leben lang daran gearbeitet, dieses Stigma zu widerlegen. Cabot: "Die grausamsten Kritiker waren Frauen" Besonders verletzend sei für sie gewesen, dass der Hass vorwiegend von Frauen kam. "Die grausamsten Kritiker waren Frauen", erinnert sie sich. "Sowohl das persönliche Mobbing als auch die meisten Anrufe und Nachrichten kamen von Frauen." Schauspielerinnen wie Whoopi Goldberg machten sich öffentlich lustig. Schauspielerin Gwyneth Paltrow , Ex-Frau von Chris Martin, trat in einem Werbevideo von Astronomer auf, das die Szene parodierte. Ihr Aussehen, ihre Kleidung, ihre Figur – alles sei kommentiert worden. Cabot macht sich heute Sorgen um ihre berufliche Zukunft. In Vorstellungsgesprächen bekomme sie aber noch immer zu hören, dass sie nicht "einstellbar" sei. Geschäftsführer Byron hatte nach dem Skandal sein Amt niedergelegt. Astronomer bestätigte: "Unsere Führung steht für Integrität und Verantwortung. Andy Byron hat seinen Rücktritt eingereicht." Cabot wurde zunächst beurlaubt, dann folgte ihr eigener Rücktritt. Heute hofft sie auf einen Neuanfang. Den Kontakt zu Byron habe sie mittlerweile abgebrochen. Zwar hätten sie sich anfangs noch ausgetauscht, aber: "Wir haben gemerkt, dass das alles nur schwerer macht."