Die Proteste im Iran gegen die prekäre Wirtschaftslage fordern weitere Menschenleben. Regierung und Aktivisten liefern widersprüchliche Darstellungen zu den Todesopfern. Bei den seit Tagen andauernden Protesten im Iran wegen der angespannten Wirtschaftslage sind übereinstimmenden Berichten iranischer Medien und von Menschenrechtsgruppen zufolge mehrere Menschen getötet worden. Die halbamtliche Nachrichtenagentur Fars und die Menschenrechtsgruppe Hengaw meldeten Todesfälle in der westiranischen Stadt Lordegan. Hengaw berichtete zudem von einem weiteren Todesfall in der zentralen Provinz Isfahan. Wie das staatliche Fernsehen am Donnerstag meldete, wurde in der Stadt Kuhdascht in der westiranischen Provinz Lorestan ein Mitglied der paramilitärischen Basidsch-Miliz getötet. Die Revolutionsgarden beschuldigten Demonstranten, für dessen Tod verantwortlich zu sein, während die Menschenrechtsgruppe Hengaw erklärte, der Mann sei ein Demonstrant gewesen und von Sicherheitskräften getötet worden. Neue Protestwelle im Iran: Hintergründe und Ursachen US-Präsident über seine Gesundheit: "Möchte nicht, dass dickes Blut durch mein Herz fließt" Inflationsrate von 40 Prozent Die Unruhen hatten am Sonntag mit Protesten von Ladenbesitzern gegen die hohe Inflation und den Verfall der Währung begonnen und sich seitdem im ganzen Land ausgebreitet. Aktivisten zufolge zogen auch am Donnerstag wieder Demonstranten auf die Straßen. Schauplatz war demnach Marwdascht in der südlichen Provinz Fars. Die Aktivisten-Nachrichtenagentur HRANA meldete am späten Mittwochabend, dass es in mehreren Städten ein starkes Aufgebot an Sicherheitskräften gebe. Zum Teil sei es zu Festnahmen, Schießereien und Zusammenstößen gekommen. Die iranische Regierung kündigte als Reaktion einen Dialog mit Vertretern von Gewerkschaften und Händlern an. Die Unruhen treffen die Führung in Teheran in einer kritischen Phase, da die Wirtschaft unter westlichen Sanktionen, einer Inflationsrate von über 40 Prozent und den Folgen von Luftangriffen Israels und der USA im Juni leidet.