Die gute Nachricht zuerst: 2026 kann ein weiteres gutes Börsenjahr werden. Allerdings ist nach drei Jahren Überfluss ein wenig mehr Bodenhaftung wahrscheinlich. 21 Prozent Plus im Dax: 2025 geht trotz aller Stolpersteine mit einem regelrechten Überfluss zu Ende. Es ist das dritte überdurchschnittliche Börsenjahr in Folge. Und 2026 ist angetan, eine positive Fortsetzung zu schreiben. Allerdings weniger aus eigener Kraft. Und mit etwas stärkeren Bremsspuren. Das Aktienjahr 2026 wird gut, sagen die meisten Experten. Sie haben dafür Gründe. Aber machen wir uns nichts vor: Der Schub kommt einmal mehr aus dem Ausland: Die Weltwirtschaft wird dem deutschen Aktienmarkt Wind unter die Flügel bringen – wie so oft. Die OECD, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, erwartet ein Weltwirtschaftswachstum von rund drei Prozent für 2026. Da die meisten Dax-Unternehmen ihre Gewinne im Ausland einfahren, ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Einen hohen Anteil werden die USA daran haben. Ohne die USA geht wenig Und damit sind wir bei Punkt 1 der Positiv-Faktoren: Die US-Wirtschaft wird aller Unkenrufe und Zölle zum Trotz weiter wachsen. Gut zwei Prozent sollten 2026 drin sein. Vor allem, weil sich Steuersenkungen ab 2026 positiv auswirken dürften (selbst wenn die US-Verschuldung weiter steigt). Aber auch, weil viele Zolldeals "eingetütet" sind und die Unsicherheit aus dieser Richtung nachlassen dürfte. Auch die hohen Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) sollten anhalten und die Branche weiteres Wirtschaftswachstum liefern (wenngleich die Frage nach Rentabilität und praktischem Nutzen lauter werden dürfte). Schließlich wird wohl die US-Notenbank Fed die Zinsen weiter senken. Das alte Börsenelixier ist das neue Das führt uns direkt zu Punkt 2: Zinssenkungen in den USA. Das Lebenselixier der Börsen von 2025 dürfte auch 2026 wirken – wenn auch nicht mehr ganz so stark. Manche Ökonomen rechnen mit fünf Zinssenkungen in den USA für 2026. Das ist ein bisschen viel. Derzeit liegt der Leitzins zwischen 3,5 bis 3,75 Prozent. Die US-Notenbank gibt immer ein Zielband an und keinen festen Satz wie die Europäische Zentralbank (EZB). Aber geht man von fünf Senkungen à 25 Basispunkten aus, würde man bei Leitzinsen von 2,25 bis 2,5 Prozent landen. Die Inflation von rund 3 Prozent dürfte dem entgegenstehen. Doch es wird Leitzinssenkungen in den USA geben – schon allein, weil im Mai turnusmäßig ein neuer Fed-Vorsitzender gewählt wird. Nun wird kein Fed-Chef eine Politik fahren, die dem Vertrauen in die USA, in ihre Wirtschaft und ihre unabhängige Notenbank diametral entgegensteht. Aber dass auf Jerome Powell ein Verfechter einer lockeren Geldpolitik folgen wird, gilt als ausgemachte Sache. Wie wäre es mit Wachstum aus eigener Kraft? Daher wäre Punkt 3 – ein Wirtschaftswachstum in Deutschland und Europa aus eigener Kraft – wichtig. Seit drei Jahren wächst Deutschlands Wirtschaft nicht. 2026 sollen es rund 1,2 Prozent werden, so die Schätzungen. Immerhin. Wie gesagt: Die Dax-Unternehmen machen rund 75 Prozent ihrer Umsätze im Ausland, aber Schub vom Heimatmarkt wäre ebenfalls willkommen. Dazu gehört, dass die Politik abliefert und das Sondervermögen schnell investiert. Dazu ist es nötig, bürokratische Hürden zu senken und digitale Prozesse schnell hochzufahren. Möge es klappen. Vor einem Jahr schon war die Hoffnung groß, hatte sich dann aber nicht erfüllt. Prognosen: höhere Gewinne Mit dem Schub aus dem Sondervermögen verdienen Dax-Konzerne wieder mehr Geld – Punkt 4: Im Jahr 2025 mussten viele Branchen (Auto, Chemie, Maschinenbau) ihre Gewinnprognosen revidieren. Zölle, ein immer stärkerer Euro, die schwache Konjunktur und die Konkurrenz aus China hatten sich als hartnäckige Belastungen erwiesen. 2026, so sagen Experten, dürften die Unternehmensgewinne im Schnitt zulegen. 5 bis 8 Prozent Gewinnwachstum erwarten Ökonomen für die Dax-Unternehmen. Allerdings sind einige Prognosen, die prozentual zweistellig sind, wohl deutlich zu hoch gegriffen. Die Bäume wachsen nicht in den Himmel – aber immerhin werden sie wachsen. Dax noch nicht zu teuer Nun könnte man argumentieren, das sei in den Kursen längst eingepreist. Das ist richtig. Allerdings ist der Dax mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 18 immer noch günstiger als viele andere Märkte. Zum Beispiel wird der S&P 500 derzeit mit einem KGV von rund 30 bewertet und der Dow Jones mit knapp 24. Vermerken wir als Positiv-Faktor 5: Es ist also noch Luft nach oben am deutschen Aktienmarkt im internationalen Vergleich. Und last but not least gibt es reichlich Dividenden, die in die Dax-Entwicklung einfließen, anders als zum Beispiel beim S&P 500. Die Autobranche zählt wohl nicht dazu, aber Versicherer wie die Allianz und die Münchener Rück, die traditionell hohe Summen ausschütten. Mehr als die Hälfte aller Dax-Konzerne wird ihre Dividenden im kommenden Jahr erhöhen, schätzen Analysten. Der Dax ist europäisches Mittelmaß Bei allem Jubel sei doch gesagt: Wenn wir uns in Europa umschauen, spielt der Dax bestenfalls im Mittelfeld. In Spanien legte die Börse um 48 Prozent zu, in Athen um 44 Prozent, in Prag um 51 Prozent und in Warschau um 43 Prozent. Vor allem viele osteuropäische Märkte sind Newcomer. Sie profitieren von Wirtschaftswachstum, von wenig Bürokratie, von viel Digitalisierung, vom Machen statt Reden, vom Probieren statt Diskutieren. Das kommt bei Investoren an. In Spanien treibt der Tourismus das Wachstum, Direktinvestitionen legen zu, Milliarden aus dem EU-Wiederaufbaufonds werden investiert. Die Energiekosten sind niedrig, die Lohnkosten auch. Nun sind EU-Milliarden und Tourismus-Gewinne (siehe Proteste der Bevölkerung auf Mallorca , Ibiza und in Barcelona gegen zu viel Tourismus und dadurch steigende Lebenshaltungskosten) keine Dauerläufer, aber derzeit sind Investoren von Spanien angetan. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass Märkte wie der französische oder der Schweizer Aktienmarkt deutlich schlechter gelaufen sind. In Frankreich ist es der politische Stillstand, der verunsichert. Die Wirtschaft wächst zwar, aber die Schulden tun es auch. Die Schweiz leidet und litt unter den US-Zöllen. Lesen Sie auch: Diese Autobauer könnten die Krise überwinden (Börsenkolumne) Gute Vorsätze: So wird 2026 finanziell erfolgreich (Kolumne "Die Anleger") Risiken bleiben Hier nun ein abschließender Blick auf die Risiken: Handelskonflikte sind zwar gerade ein wenig zur Ruhe gekommen, sie können aber jederzeit wieder aufflammen – zwischen den USA und China, zwischen den USA und Europa, zwischen China und Europa. Der Kampf um Rohstoffe und Weltherrschaft endet nicht mit dem Kalenderblatt des 31. Dezember. Geopolitische Krisen sind nicht beendet: Chinas Anspruch auf Taiwan , der US-Anspruch auf Grönland , der Konflikt mit Venezuela . Vor allem in Nahost liegt weiter viel Konfliktpotenzial. Übergangslösungen in Gaza bringen nur vermeintlich Ruhe in die Region. Die Frage ist auch, wie es im KI-Sektor weitergeht. Viele KI-Aktien von Meta, Alphabet, Microsoft oder Nvidia sind stark gelaufen im Jahr 2025. Sie allein ziehen ganze Aktienindizes nach oben, bilden aber auch ein Klumpenrisiko. Solange Investoren hier Vertrauen haben und die Gewinne steigen, mögen Investoren am Ball bleiben. Aber was, wenn nicht? Achtung Schulden … Dazu dürfte das Thema Staatsverschuldung wieder neu in den Fokus rücken. Wir sehen hohe Risiken in den USA – das ist traditionell so. Aber wir haben auch im Frühjahr 2025 gesehen, wie schnell Investoren-Vertrauen kippen kann. Wenn dann die Wirtschaft nicht entsprechend läuft, Einnahmen nicht wie geplant kommen, wenn Misstrauen steigt, wenn Zinsen nicht wie erwartet sinken, werden sowohl am Aktien- als auch am Renten- und Devisenmarkt Karten neu gemischt. Und auch in Europa sind Schulden – siehe Frankreich – nur für den Moment unter den Teppich gekehrt … Alles in allem, so die Experten, sollte es am deutschen Aktienmarkt weiter aufwärtsgehen. In normalerer Gangart. Nach drei Jahren Rausch ist kein Kater, aber mehr Normalität zu erwarten. Ich wünsche Ihnen allezeit kluge Investments und ein gutes 2026.