Der amerikanische Präsident will niedrige Ölpreise und reiche Ölbarone. Das ist der innere Widerspruch der Militäroperation in Venezuela. Die Festnahme des venezolanischen Diktators Nicolás Maduro und die Beschlagnahme russischer Öltanker durch die USA führten merkwürdigerweise zu sinkenden Ölpreisen und zu neuen Rekorden an den Aktienmärkten. Mehr Krieg, mehr Militär und weniger Sicherheit sind also neuerdings ein Anlass für Optimismus in der Weltwirtschaft? Das kann man nur verstehen, wenn man die Logik der Ölbarone des vergangenen Jahrhunderts auch heute noch für gültig hält. Das scheint beim amerikanischen Präsidenten der Fall zu sein, und an den Börsen auch. Sie könnten sich irren. Öl war und ist wichtig. Doch seine Bedeutung nimmt ab, die Welt profitiert außerdem seit einiger Zeit von einem Überangebot aus verschiedensten Quellen. Der Preis ist deutlich gesunken. Ökonomisch ergibt es keinen Sinn, jetzt auf Reserven zu setzen, die auch künftig nur unter hohen Kosten ausgebeutet werden können, und die außerdem noch schwer zu verarbeiten sind. Neues venezolanisches Öl ist erst ab einem Preis von rund 80 US-Dollar pro Barrel wirtschaftlich, rechnen Experten vor. Der Ölpreis aber liegt zurzeit bei etwa 60 Dollar, die Tendenz ist eher weiter fallend. Die Abhängigkeit der Weltwirtschaft vom Öl geht zurück. Deutschland zum Beispiel verbraucht jährlich knapp 100 Millionen Tonnen – ein Drittel weniger als noch zu Anfang des Jahrtausends. Das hat natürlich auch mit den politischen Entscheidungen zum Ausstieg aus fossilen Energien zu tun. Vor allem aber ist es eine Reaktion auf die Ölpreisschocks der Siebzigerjahre. "Donroe-Doktrin": Putin bot Trump brisantes Tauschgeschäft an Venezuelas Ölwirtschaft: Sie machen Trump einen Strich durch die Rechnung Heute geht man viel effizienter mit dem Öl um als früher: Brauchte man 1980 noch 855 Barrel Öl, um eine Million Dollar zu erwirtschaften, sind es heute nur noch 396 (jeweils zu Preisen von 2015). Jetzt auf mehr billiges Öl zu setzen, heißt, sich von diesem Fortschritt und seinen technischen Innovationen abzukoppeln. Nur kurzfristig attraktiv, auf sinkende Preise zu drängen Die USA selbst sind in den vergangenen zehn Jahren zum Nettoexporteur von Öl und Gas geworden. Seit die Schiefergas- und -ölvorkommen in den USA gehoben werden, ist das Land unabhängig von Importen. Es verkauft sein Öl selbst. Manchmal, wie im Handelsdeal mit der Europäischen Union, drückt es seine Ressourcen mit hoher Energie in Überseemärkte. Doch solange der Ölverbrauch nicht deutlich steigt, ist das ein schlechtes Geschäft: Denn die amerikanische Ölförderung lohnt sich erst ab einem Preis von etwa 60 Dollar pro Barrel. Schon heute geht die Zahl der genutzten Fördertürme zurück. Amerikanische Unternehmen und Verbraucher haben kein Interesse, sich aus geopolitischen Gründen mit höheren Preisen zu arrangieren. Deshalb ist es allenfalls kurzfristig für den amerikanischen Präsidenten attraktiv, mit allen Mitteln auf sinkende Preise zu drängen. Verbraucherpreise sind politisch und die Zwischenwahlen sind nahe. Im Spätherbst wird die Hälfte der Mitglieder des US-Kongresses neu gewählt. Nach US-Militärintervention: "Es könnte ein heilloses Chaos ausbrechen" Venezuelas neue Staatschefin: Sie ist "in tausend Schlachten erprobt" Kann der amerikanische Präsident dann den Eindruck erwecken, er habe die Inflation im Alleingang gezähmt, verbessern sich womöglich seine Chancen, die Mehrheit im Repräsentantenhaus zu verteidigen. Doch den fundamentalen Widerspruch, die Gewinne und das Wachstum der eigenen Ressourcen zu schmälern, löst er nicht auf. Ausgerechnet Donald Trump , der Protektionismus eigentlich für eine gute Sache hält? Die USA würden ohnehin einen hohen Preis für diesen Effekt zahlen. Der US-Präsident will die großen amerikanischen Ölkonzerne – an diesem Freitag trifft er deren Bosse im Weißen Haus – dazu bringen, jetzt in Venezuela zu investieren. Die Bereitschaft dazu ist denkbar gering. Denn die Ölmultis haben sich dort bereits ein blaues Auge geholt, als das sozialistische Regime sie vor knapp 20 Jahren Jahren enteignete und aus dem Land warf. Jetzt verlangen sie umfangreiche Garantien, bevor sie investieren wollen. Zudem fehlen in Venezuela heute die früher exzellenten einheimischen Öl-Facharbeiter. Fast acht Millionen Menschen haben das Land in den vergangenen Jahren laut UN-Flüchtlingshilfe verlassen. Viele der Ölarbeiter leben und arbeiten heute in Kanada . Sie haben wenig Lust auf eine ungewisse Zukunft im Heimatland. Es ist nicht einmal sicher, ob es genügend Leute geben würde, um der zuletzt darniederliegenden venezolanischen Ölförderung aufzuhelfen. Kolumne von Ursula Weidenfeld: Diese Steuer zeigt, was in diesem Land schiefläuft Trump wird wohl nur in einem Punkt Recht behalten Am Ende wird Donald Trump wahrscheinlich nur in einem Punkt Recht behalten. Um Kuba müsse man sich nicht mehr kümmern, "es wird von selbst fallen", soll er in dieser Woche gesagt haben. Seit 1999 bekommen die Kubaner Öl aus Venezuela geschenkt oder zu günstigsten Preisen verkauft, aus sozialistischer Nächstenliebe sozusagen. Das Öl wird von Havanna dringend zur Stromerzeugung gebraucht. Die Kubaner revanchieren sich mit Lehrern, Ärztinnen und Krankenpflegern, die zum Arbeitseinsatz nach Venezuela geschickt werden. Wenn dieser Vertrag nun zu Ende geht, ist das wirtschaftliche Schicksal Kubas besiegelt.