Der Hinterteil wird zur Problemzone
Das neue Wörterbuch der Staatssprache der Russischen Föderation wurde von Mitarbeitern der Staatlichen Universität St. Petersburg (SPbU) herausgegeben. Die Behörden müssen sich nun in ihrer Arbeit darauf beziehen. Das aktuelle Wörterbuch ist noch viel kleiner als sein Vorgänger: Das Große Wörterbuch aus dem Jahr 2000 umfasst etwa 130 000 Wörter. Die Arbeit an der neuen Ausgabe geht jedoch weiter, sodass es noch dicker werden könnte.
Zwei Dinge haben die Aufmerksamkeit der Medien besonders auf sich gezogen: der obszöne Teil des Lexikons und der ideologische Gehalt der Erklärungen. Es gibt nicht so viele neue Interpretationen im Wörterbuch. Wie die Autoren im Vorwort erklären, enthält die Ausgabe „spezielle Definitionen von Schlüsselbegriffen, die (…) die Grundlage der traditionellen Werte der Völker Russlands bilden“. Die Verfasser berichten, dass einige Definitionen „mit der Rechtsabteilung der Russisch-Orthodoxen Kirche abgestimmt und unter der Aufsicht des Justizministeriums erstellt wurden“.
Aufregung um ein Wort
Besonders aufgeregt war die Öffentlichkeit über die Zunahme der Anzahl von Wortstämmen, die zu obszöner Sprache gehören. Waren es früher vier, so sind es nun 14. Darunter befand sich auch das Wort „schopa“ („Arsch“). Nach einiger Zeit erklärte Roskomnadzor, dass dieses Wort zwar vulgär und umgangssprachlich sei, aber weder obszön noch tabu.
Auch Wissenschaftler äußerten sich zu dieser Geschichte. „Es handelt sich dennoch nicht um ein obszönes Wort und es ist nicht verboten. Es ist ein Schimpfwort, aber kein unanständiges“, erklärte Wladimir Pachomow, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für russische Sprache der Russischen Akademie der Wissenschaften.
Dieses Wort komme in der Belletristik vor, sogar in Kinderliedern, erzählte die Philologin Alla Rudenko gegenüber der MDZ. Ihren Worten zufolge ist „schopa“ eines der paradoxesten und energiegeladensten Wörter der russischen Sprache. „Im Laufe seiner langen Geschichte hat es sich von einem neutralen physiologischen Begriff zu einem tabuisierten Vulgarismus und dann zu einem mächtigen kulturellen und sogar philosophischen Konzept entwickelt. Seine Transformation spiegelt die Veränderungen in der öffentlichen Moral, der sprachlichen Befreiung und der nationalen Selbstwahrnehmung wider“, meint die Expertin.
Xenija Melnikowa
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