Trumps Zolldrohungen versetzen Europa in Aufruhr. Doch der Kontinent ist ihnen nicht schutzlos ausgeliefert. Das haben die EU-Staaten den USA entgegenzusetzen. Donald Trump will Grönland, das steht fest. Militärisch hat die EU, deren Mitgliedstaaten zu einem großen Teil auch Nato-Verbündete der USA sind, Trump kaum etwas entgegenzusetzen. Nun bedroht Trump EU-Länder, die sich klar zu Grönland und Dänemark positionieren, mit weiteren Zöllen, darunter auch Deutschland. Überblick: Die aktuellen Entwicklungen im US-Newsblog Trump wütet: Supreme Court steht vor brisantem Zoll-Urteil EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte am Dienstag in ihrer Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos : "Unsere Antwort wird unerschrocken, geschlossen und angemessen sein". Die von Trump angedrohten zusätzlichen Zölle seien "ein Fehler, insbesondere zwischen Verbündeten", fügte sie hinzu. Die Folgen von Trumps Zollpolitik sind schon jetzt spürbar: So sind etwa die deutschen Exporte in die USA im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Doch im Ringen mit den Vereinigten Staaten hat auch die EU wirtschaftliche Macht. Sie ist einer der wichtigsten Handelspartner der Vereinigten Staaten und kann Trumps System in hohem Maße bedrohen. Wen treffen die Zölle? Beim Weltwirtschaftsforum, das zurzeit im schweizerischen Davos stattfindet, steht vor allem die Politik im Fokus. Am Rande des Treffens beraten europäische Staats- und Regierungschefs über mögliche Maßnahmen gegen Trump. Dazu zählt unter anderem die Verhängung von Zöllen auf US-Waren im Wert von mehr als 100 Milliarden US-Dollar . Zwar würden Strafzölle wahrscheinlich keine Rezession in den USA auslösen, das Wachstum jedoch könnten sie deutlich bremsen. Sie würden den ohnehin schwächelnden Industriesektor weiter belasten und die Preise für amerikanische Verbraucher und Unternehmen erhöhen. Das alles zu einem Zeitpunkt, an dem die USA bereits Schwierigkeiten haben, die Inflation wieder zu senken. Europa auf der Suche nach neuen Partnern Langfristig könnten die sich verschlechternden Beziehungen dazu führen, dass Europa seine Abhängigkeit von den USA weiter löst. Bereits jetzt macht es sich auf die Suche nach Handelsbeziehungen mit anderen Regionen, etwa den Mercosur-Staaten. Hinzu kommt, dass US-Unternehmen mit dem Verkauf von Software, Finanzprodukten und Öl in Europa hohe Gewinne erzielen. Das könnte langfristig weniger werden, sagte Mary Lovely, Senior Fellow der Denkfabrik Peterson Institute for International Economics dem "Wall Street Journal". Konkurrenten wie China könnten übernehmen. "Sobald diese neuen Beziehungen einmal etabliert sind, ist es sehr schwer, sie wieder zu verändern", sagte sie. Welche Güter aus den USA wären von EU-Zöllen betroffen? Schon länger im Gespräch ist es, von europäischer Seite auch US-Exporte ins Visier zu nehmen. Brad W. Setser, Ökonom beim Council on Foreign Relations, tippt im Gespräch mit dem "Wall Street Journal" dabei auf solche Güter, die "symbolisch bedeutsam für republikanisch geprägte Bundesstaaten" seien. In früheren Handelskonflikten belegte die EU unter anderem Bourbon, Harley-Davidson-Motorräder, aber auch landwirtschaftliche Produkte mit Zöllen. "Man sollte an hochwertige Konsumgüter denken, die Europa zwar schätzt, auf die es aber verzichten kann", sagte Setser. Welche Macht hat die deutsche Automobilbranche? Gleichzeitig weist die US-Wirtschaft strukturelle Schwächen auf. Der verarbeitende Sektor, der bereits unter Handelskonflikten leidet, schrumpft ohnehin. Er ist besonders anfällig, da seine Lieferketten eng mit Europa verflochten sind, sagte Mary Lovely. Viele US-Fabriken beziehen Maschinen, Turbinen und Bauteile aus Europa, und Zölle verteuern diese Importe. Sollten europäische Vergeltungszölle auf US-Waren folgen, könnten Hersteller, die über den Atlantik exportieren, zusätzlich unter Druck geraten. "Das ist einfach ein weiterer Schlag", sagte die Ökonomin. Allein im Bundesstaat South Carolina hängen Zehntausende Arbeitsplätze von einem BMW-Werk ab, das Motoren und Teile aus Europa bezieht und viele Fahrzeuge in die EU exportiert. Vergeltungszölle könnten BMW dazu veranlassen, die Produktion in den USA zu drosseln. Was wird aus Aktien und Anleihen? Europäische Investoren halten US-Aktien und Anleihen im Wert von rund acht Billionen US-Dollar – "fast doppelt so viel wie der Rest der Welt zusammen", schrieb George Saravelos, globaler Leiter der Devisenforschung bei der Deutschen Bank, in einem Bericht, der mehreren US-Medien vorliegt. "In einem Umfeld, in dem die geoökonomische Stabilität des westlichen Bündnisses existenziell erschüttert wird, ist nicht klar, warum Europäer weiterhin bereit sein sollten, diese Rolle zu spielen", fügte er hinzu. Was bedeutet der Standort Europa? Ein weiterer schwerer Schlag für Trumps Wirtschaft wäre es, wenn Europa sein sogenanntes Anti-Zwangs-Instrument einsetzen würde, das den Beinamen "die Bazooka" trägt. Dieses Instrument würde es der EU ermöglichen, gezielt amerikanische Dienstleistungen und Investitionen ins Visier zu nehmen. So könnte die EU Steuern erhöhen oder die regulatorische Kontrolle verschärfen. Das würde unter anderem die Pharmaindustrie treffen. Amerikanische Unternehmen bündeln ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten häufig in Ländern wie Irland . Dort stellen sie Wirkstoffe her, sodass Gewinne in Niedrigsteuerländern verbucht werden können. Technologieunternehmen wären ähnlich betroffen. Apple etwa hält einen erheblichen Teil seines geistigen Eigentums in Irland und verbucht dort einen großen Anteil seiner weltweiten Gewinne, obwohl viele seiner Geräte in China und anderen Ländern hergestellt werden. Welche Rolle spielen Medikamente? Ferner ist die Versorgung mit Medikamenten ein wichtiger Faktor. Denn ausgerechnet Dänemark ist ein zentraler Lieferant von Medikamenten für die Vereinigten Staaten. Ein schneller Ersatz dieser Arzneimittel ist für die USA nahezu unmöglich. Das könnte wiederum verheerende Folgen haben. Beispielsweise beim für Diabetiker essenziellen Insulin. Den gemeldeten Handelszahlen zufolge stammen etwa 74 Prozent der US-Insulinimporte aus Dänemark. Trump würde also, setzt er Dänemark in der Grönland-Frage weiter unter Druck, die Gesundheit von Millionen US-Bürgern gefährden. Zumindest, falls Dänemark seinen Medikamenten-Export als defensives Druckmittel einsetzte.