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ICE, Schüsse und Trumps "Krieg im Innern": Amerikas Widerstand wächst

Todesschüsse in Minneapolis, Proteste im ganzen Land und ein Präsident, der von "Krieg im Innern" spricht: Eine Frau aus New York ist Teil eines landesweiten Widerstands gegen Trumps paramilitärische Abschiebebehörde ICE. Bastian Brauns berichtet aus New York und Washington Als die Schüsse in Minneapolis fallen, ist Hae-Lin Choi schon viel zu spät dran. Eingemummelt in ihre Winterjacke sitzt sie in einem kleinen Café im New Yorker Stadtteil Brooklyn und starrt auf ihr Smartphone. Der eisige Wind des heraufziehenden Schneesturms dringt bis an ihren Tisch. Der Ingwertee in der dunkelgelben Kanne vor ihr ist längst kalt. "Scheiße. Sie haben schon wieder jemanden umgebracht", sagt sie. Die 49-jährige Amerikanerin weiß Bescheid, lange bevor die großen Fernsehsender über den gewaltsamen Tod von Alex Pretti berichten. Denn immer, wenn in einer größeren Stadt im Land etwas mit Bezug zur Abschiebebehörde ICE passiert, vibriert ihr Telefon. An diesem Samstagvormittag will das elektrische Summen gar nicht mehr aufhören. Hae-Lin wird überschüttet, mit Nachrichten und dem ersten Video vom Tatort. "Ich kann mir das nicht ansehen. Ich werde mir das nicht ansehen", sagt sie. Neuer tödlicher Vorfall: ICE-Agenten erschießen Mann in Minneapolis Hae-Lin Choi und das Netzwerk des Widerstands Die Mutter zweier Kinder stammt ursprünglich aus Bochum . Früh war sie in der deutschen Gewerkschaft Verdi aktiv. Vor rund zwei Jahrzehnten zog sie in die USA , heiratete und erwarb schließlich die Staatsbürgerschaft. Heute arbeitet sie für die US-Gewerkschaft "Communications Workers of America" (CWA). Und seit Monaten ist sie die Hauptorganisatorin der großen Anti-Trump-Demonstration "Hands off New York" (Hände weg von New York). Hae-Lin ist darum Mitglied in unzähligen Gruppen, die einander mit Informationen in Echtzeit versorgen. Sie ist Teil eines großen Protestnetzwerks, das sich nach einem Jahr Donald Trump inzwischen über alle größeren Städte in den Vereinigten Staaten erstreckt. Sie nennen sich "Hands off", "No Kings" oder "50501". Verbunden sind sie über verschiedene soziale Netzwerke. Ihr Hauptkommunikationskanal aber sind Chats über den Dienst Signal. Denn viele Mitstreiter des sich immer stärker formierenden Widerstands wollen anonym bleiben. "Dafür bin ich zu alt", sagt Hae-Lin Choi, wenn man sie fragt, warum sie nicht auch anonym bleiben will. Sie sei schon immer eine linke Aktivistin gewesen. "Sich jetzt plötzlich verstecken zu wollen, ergibt keinen Sinn mehr." Menschen wie Hae-Lin werden von Mitgliedern der Trump-Regierung als "Inlandsterroristen" bezeichnet. Denn sie stellen sich gegen das, was das Weiße Haus als "Durchsetzung des Rechtsstaates" bezeichnet. Die Gegner der vielfach gewaltsamen ICE-Razzien sehen in den Aktionen die Abschaffung des Rechtsstaates. Längst richten sich die martialischen Maßnahmen nicht mehr nur gegen Einwanderer ohne Dokumente, sondern auch gegen Amerikaner. Ihre bekanntesten Opfer stammen aus Minneapolis. Sie heißen Renée Good – und seit diesem Samstag Alex Pretti . Notwehr oder Hinrichtung? Auch der 37-Jährige lebte in der Stadt im Mittleren Westen. Wer die zahlreichen Videos vom Tathergang betrachtet, kann erkennen, wie der Mann sich offenbar schützend vor eine Frau stellen wollte, die von uniformierten und maskierten Grenzschutzbeamten mit Tränengas oder Pfefferspray traktiert wurde. In einer Stellungnahme behauptet Trumps Heimatschutzministerin, Kristi Noem, der Mann habe mit einer Schusswaffe ein "Massaker" an den Beamten anrichten wollen. Tatsächlich ist nur zu sehen, wie Alex Pretti mit seinem Smartphone die Aktionen der Beamten filmt. So machen es tausende Amerikaner seit Monaten. Dann wird er zu Boden gerungen. Seine Schusswaffe, die er laut Aussagen der Polizei legal tragen durfte, wird ihm im Gerangel offenbar abgenommen. Erst dann fallen die todbringenden Schüsse. Wie vor rund zwei Wochen bei Renée Good spricht die Trump-Regierung von einer klaren Notwehrsituation, die Gegenseite von einer Hinrichtung. Trump, Miller, Hegseth – und eine politische Vorverurteilung "Er war bereit, loszulegen", schreibt der US-Präsident kurz nach der Tat und lange bevor eine offizielle Untersuchung des Vorfalls überhaupt zu einem Ergebnis kommen kann. Trumps stellvertretender Stabschef Stephen Miller nennt das Todesopfer öffentlich einen "Inlandsterroristen", der Bundesbeamte habe erschießen wollen. Der Verteidigungsminister Pete Hegseth dankt den ICE-Agenten in einem Beitrag auf X. Sie seien "Patrioten", die "das Land retten" würden. "Schande über die politische Führung von Minnesota – und über die Verrückten auf der Straße", so Hegseth. ICE sei größer als Minnesota. Hegseth wurde selbst einst in Minneapolis geboren. Jetzt wendet er sich gegen diese Stadt und den vom Weißen Haus verhassten Gouverneur Tim Walz . Schon mit seiner Rede in der Marine Corps Base in Quantico im September schwört Hegseth als neuer "Kriegsminister", gemeinsam mit Donald Trump, die amerikanischen Generäle und Admirale ein auf einen ideologischen Kampf gegen linken, "woken Müll". Der US-Präsident kündigt dort gar einen "Krieg im Innern" an, vornehmlich gegen demokratisch regierte Städte. Trump nennt San Francisco , Chicago , New York, Los Angeles . Neue Rolle für das US-Militär: Trumps gefährlichste Rede "Das war der Moment, in dem wir wussten, dass wir uns vorbereiten müssen", erinnert sich Hae-Lin Choi in Brooklyn. "Spätestens bei dieser Rede war klar. Sie werden die Städte als Testgelände nutzen", sagt sie. Die Trump-Regierung würde diese Anleitung für ihren Autoritarismus ja sogar öffentlich verkünden. "Wenn man wartet, bis das Militär in den Straßen steht, ist es zu spät", so Hae-Lin. ICE als paramilitärische Macht Obwohl die Abschiebebehörde ICE weder Polizei noch Militär ist, agieren die Beamten nach Ansicht vieler inzwischen wie Trumps paramilitärische Truppe, ausgestattet mit einem Milliardenbudget. Weil sie fast immer maskiert, bewaffnet und ohne Rücksicht vorgehen, fühlen sich ganze Nachbarschaften im Land inzwischen terrorisiert und eingeschüchtert. Tausende gefilmte Szenen zeugen inzwischen von Vorfällen, die sich in den sozialen Netzwerken verbreiten. Hinzu kommt eine Art von der US-Regierung propagierte Allmacht. Nachdem die Amerikanerin Renée Good in Minneapolis erschossen worden war, verkündet Trumps Vizepräsident JD Vance keine Untersuchung an. Stattdessen würden die Beamten "totale Immunität" genießen. Für die Aktivisten klingt das wie ein Freibrief zum Morden. Die Sorge: Wer sich den Beamten in den Weg stellt, sie filmt oder konfrontiert, muss damit rechnen, schwer verletzt oder getötet zu werden. Folgenlos. Für andere Städte gilt New York als Vorbild für den Widerstand. "Was wir hier machen, hat Auswirkungen auf das ganze Land", sagt Hae-Lin Choi. Dabei würden inzwischen alle von allen lernen. Was etwa in Los Angeles im vergangenen Sommer funktioniert hat, wird von anderen Städten adaptiert und umgekehrt, um Fehler und Chaos zu vermeiden. Es gehe darum, "vom Baby bis zur Oma" zu mobilisieren, sagt sie. Angst, Erschöpfung und eine neue Entschlossenheit Das sei heute gar nicht so leicht. "Es gibt eine neue Generation, für die ist Aktivismus eher Klicktivismus." Hae-Lin spricht davon, dass viele junge Menschen dem Glauben erliegen, Online-Unterstützung wäre genauso wertvoll wie auf die Straße zu gehen. "Das ist in dieser zweiten Trump-Präsidentschaft eine viel größere Herausforderung als in der ersten", sagt sie. Hinzu kämen die Erschöpfung der älteren Aktivisten und die lähmende Dauerbeschallung aus dem Weißen Haus. Und dennoch – es bewegt sich was. Einen Tag vor den erneuten Todesschüssen aus Minneapolis rufen die Bewohner der Stadt zu einem Generalstreik auf. Zehntausende ziehen durch die Straßen gegen die Abschiebebehörde ICE. Im ganzen Land hat das amerikanische Widerstands-Netzwerk in den größeren Städten Partnerproteste angekündigt. In Solidarität organisiert auch Hae-Lin Choi am Freitag in New York eine Großdemo. Trotz eisiger Temperaturen versammeln sich weit über zehntausend Menschen am Union Square in Manhattan und blockieren für mehrere Stunden die Straßen. Dabei haben viele Teilnehmer Sorge, in mit Fotos gefütterten Datenbanken von ICE zu landen. Die Abschiebebehörde nutzt dafür Programme der Softwarefirma Palantir. Wer ebenso bei der Demo von Hae-Lin Choi mitmarschiert, ist Scott. Er ist Ende fünfzig und hat eine Schwester in Minnesota. "Wir müssen unser Gesicht zeigen. Sie ermorden Menschen in den Straßen. Wir müssen dem ganzen Land zeigen, dass wir zur Stelle sind", sagt er. "Was hier geschieht, ist einfach nur noch widerlich." Immer mehr Menschen würden aufwachen, ist sein Eindruck. "Wenn die Leute all diese Videos sehen, dann sehen sie sich gezwungen, eine Entscheidung zu treffen", sagt Scott. "Wir müssen und wir werden diesem Treiben ein Ende bereiten." Krankenpersonal im Streik Eine Gewerkschaftsgruppe, die an dieser Demonstration besonders prominent beteiligt ist, sind Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger. Auch sie möchten sich mit einem Streik solidarisch mit Kolleginnen und Kollegen aus Minneapolis zeigen. Bei Reden der Kundgebung am Union Square berichten sie davon, wie viele Verletzte sie inzwischen im ganzen Land infolge der Zusammenstöße mit ICE-Beamten behandeln müssten. Mitarbeiter und Patienten seien verängstigt und verstört, weil sich maskierte Männer einfach Zutritt zu Krankenhäusern verschaffen und Menschen ohne Vorwarnung mitnehmen würden. Während die Trump-Regierung außerdem die Gesundheitsversorgung radikal zusammenkürzen würde, bekäme die Abschiebebehörde Riesensummen an Steuergeldern zugeschustert. Als Alex Pretti als neues Todesopfer aus Minnesota am Wochenende identifiziert wird, ist klar, dass auch er ein Krankenpfleger war. In Minneapolis arbeitete er auf der Intensivstation eines Krankenhauses, das sich schwerpunktmäßig um Veteranen des US-Militärs kümmert. Der von der Trump-Regierung prophezeite "Krieg im Innern" scheint immer mehr zur Realität zu werden. ICE-Opfer war Krankenpfleger: Seine Familie riet noch: "Mach' nichts Dummes" Die Lage wird unübersichtlich Der Gouverneur von Minnesota hat nun seinerseits die Nationalgarde des Bundesstaates einberufen, um die Lage zu deeskalieren. Wenn ICE-Beamte gegen das Gesetz verstoßen, dürfen diese Soldaten im Zweifel einschreiten. Beobachter rechnen damit, dass Donald Trump seinerseits die Nationalgardisten unter seine Befehlsgewalt stellen will. In Amerika wird die Lage unübersichtlich. Einzelpersonen rufen bereits zum bewaffneten Widerstand gegen ICE auf. Die Befürchtung von Organisatoren des friedlichen Protests wie Hae-Lin Choi: Die Regierung könnte das Chaos nutzen, um Notstandsgesetze zu erlassen. Dann wäre auch ihre größte Hoffnung in Gefahr – die Zwischenwahlen im November dieses Jahres. "Das ist der Grund, warum sie so nervös werden", sagt Hae-Lin. In Wahrheit gebe es kein Szenario, bei dem die Republikaner im Kongress gewinnen könnten. "Trump weiß das ganz genau", sagt sie. Dann muss Hae-Lin aber wirklich los und zieht eine pinkfarbene Mütze auf. Um ihren Hals trägt sie eine gelbe Trillerpfeife. Die Temperaturen sind inzwischen weit unter null gefallen. Am Telefon entschuldigt sie sich bei jemandem für die entstandene Verspätung und eilt davon. Die Videos von den Schüssen aus Minneapolis kursieren inzwischen überall. Hae-Lin Choi muss den nächsten Protest gegen den Präsidenten organisieren.

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