Von Anfang an stand fest, dass Corinna Harfouch nur für fünf bis sechs Folgen zum "Tatort" stoßen wird. Jetzt lief ihr letzter Fall. Sie wird eine große Lücke hinterlassen. Am Sonntagabend ermittelten Kommissarin Susanne Bonard und Kommissar Robert Karow im Berliner "Tatort: Gefahrengebiet". Damit war Corinna Harfouch das letzte Mal in ihrer Rolle als Hauptstadtermittlerin zu sehen. Ihr letzter Fall wird in Erinnerung bleiben. Und auch wenn sich die Schauspielerin mit keinem großen Knall verabschiedete, ist eines klar: Sie wird fehlen. Aus mehreren Gründen. Susanne Bonard deckte seit 2023 Fälle an der Seite von Robert Karow (gespielt von Mark Waschke) auf. Sie kam ins Team, nachdem Kommissarin Nina Rubin (Meret Becker) 2022 erschossen worden war. Die Harmonie zwischen Bonard und Karow war angenehm zu beobachten, auch wenn die beiden durch das Siezen eine berufliche Distanz aufrechterhielten. Private Gespräche waren quasi tabu. Was die von Harfouch gespielte Figur noch ausmachte: Sie fungierte wieder und wieder als moralischer Kompass. "Tatort"-Star: Das ist der berühmte Ex von Corinna Harfouch Viel nackte Haut: Solche Szenen sieht man im "Tatort" selten Schon in ihrem ersten Fall, dem Zweiteiler "Nichts als die Wahrheit" deutete sich an, welche Art Mensch Bonard ist. Sie machte sich stark gegen Rassismus an der Polizeiakademie. Dass aber auch sie selbst nicht immer klischeebefreit durch die Welt geht, zeigte ein knapper Dialog aus dem "Tatort: Erika Mustermann", der im November 2025 lief. "Can you help me?", sagte sie zu einem Lieferdienstfahrer, der einen Turban trug. Dieser antwortete: "Ich kann Deutsch". Auch das ließ aufmerken, rief zu mehr Bewusstsein auf. Bonard regte das Publikum zum Nachdenken an – über im Kopf verankerte Stereotype jeglicher Art. Etwa, als sie mit einem Kommentar darauf hinwies, wie sehr der Mensch häufig in Schubladen denkt: Als im Fall der Name einer Frau auftauchte, die "um einiges älter" als der Tote war, sagte Karow: "Bisschen Amore gegen Staatsbürgerschaft." Bonard entgegnete da ironisch: "Klar, echte Liebe kann es ja nicht sein bei einer so viel älteren Frau. Die hält ihn sicher nur aus." Im Film "Gefahrengebiet" zeigte sich Bonard von ihrer verletzlichen Seite. Diesmal ergriff sie keine Partei für andere, sondern kümmerte sich um sich. Sie zeigte Schwächen, Ängste, Bedenken – und durchlebte einen inneren Wandel. Die "Tatort"-Figur war am Ende positiv gestimmt, offen für Neues. Sie verabschiedete ihren Kollegen Karow per Du und genoss einen Sekt im Plastikglas. Obwohl sie vorher klargemacht hatte: "Sekt und Schnittchen, das ist nichts für mich." "Hätte mir hier und da ein bisschen mehr Freiheit gewünscht" Corinna Harfouchs Ausstieg nach nur sechs Fällen war von Anfang an so kommuniziert worden, deshalb sei sie auch nicht traurig darüber, sagte die Schauspielerin dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". Denn: Es "wäre widersinnig, in meinem Alter als 'Tatort'-Kommissarin weiterzumachen", so die 71-Jährige weiter. Auch übte sie Kritik an den Machern der ARD-Krimis. Sie erklärte: "Ich hätte mir hier und da ein bisschen mehr Freiheit gewünscht." Doch: "Die Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen, sind sehr begrenzt." Nach dem "Tatort"-Aus sei für sie an ein gänzliches Karriereende bislang nicht zu denken. Der "Berliner Morgenpost" sagte Harfouch: "Ich habe das ganze letzte Jahr durchgearbeitet und bin auch gerade mitten in Proben am Deutschen Theater. Ich sage zwar meiner Familie immer wieder, dass ich demnächst kürzertreten werde, aber da glaubt mir sowieso keiner mehr. Und warum auch, arbeiten macht doch Spaß." Wer Harfouchs Nachfolge beim Berliner "Tatort" antritt, ist derzeit nicht bekannt. Klar ist hingegen: Bevor es mit einem neuen Partner oder Partnerin weitergeht, wird Mark Waschke alias Robert Karow laut dem federführenden RBB einmal solo ermitteln. Teilen Sie Ihre Meinung mit Wie gefiel Ihnen dieser "Tatort"? Schreiben Sie eine E-Mail an Lesermeinung@stroeer.de . Bitte nutzen Sie den Betreff "Tatort" und begründen Sie.