Vor nicht einmal zwei Jahren diskutierten deutsche Anleger, ob die Gewichtung von SAP im Dax zu gering sei. 2026 geht die Angst vor KI um. Im Kraichgau haben sie dieser Tage wenig zu lachen. Der ortsansässige Fußballklub TSG Hoffenheim punktet zwar beständig, spielt allerdings vor gewohnt halb leeren Rängen und erstickt in internen Querelen. Im Mittelpunkt stehen dabei SAP-Mitgründer Dietmar Hopp und seine über die Jahre angehäuften persönlichen Spielerberaterfreunde. Fährt Hopp ein vom pittoresken Stadion an der A6 paar Kilometer weiter zur SAP-Konzernzentrale, so wartet das nächste Ungemach. Denn der vor zwei Jahren noch so gefeierte SAP-Konzern sieht sich von Investorenseite ernsten Bedenken aufgrund von KI ausgesetzt. Der Kurs ist unter 200 Euro gesunken und richtig Spaß hatte man mit der Aktie zuletzt nicht. Software gegen KI "Während Chiphersteller als Schaufelverkäufer des KI-Goldrauschs gefeiert werden, senden Software-as-a-Service-Aktien (SaaS) seit Monaten ein deutliches SOS", so Lars Reichel von der Börse München . Seine Daten zeigen, dass Microsoft , SAP , Oracle , Salesforce und Adobe seit Jahresbeginn durchweg im Minus notieren, teils zweistellig. Im Schnitt liegen sie rund 15 Prozent unter ihrer sogenannten 200-Tage-Linie, dem Schnitt der vergangenen 200 Handelstage. "Die Software-Titel haben vom Zwei-Jahres-Hoch im Mittel fast 40 Prozent eingebüßt", rechnet Franz-Georg Wenner von IndexRadar vor. Die Botschaft der Börse scheint klar: KI frisst Enterprise-Software zum Frühstück. Der Kern der Verunsicherung ist schnell erklärt. Neue KI-Agenten wie Claude ermöglichen es kleinen Teams, komplexe Anwendungen selbst zu bauen oder Standardsoftware durch maßgeschneiderte Workflows zu ersetzen. Die alte SaaS-Gleichung – mehr Mitarbeiter gleich mehr Lizenzen gleich mehr Umsatz – gerät ins Wanken. Wenn KI Aufgaben übernimmt, für die früher mehrere Angestellte nötig waren, schrumpft dann nicht automatisch der Lizenzbedarf? Mit jedem neuen KI-Release wächst diese Sorge. Die Kurse reagieren prompt, denn die vermeintlich sicheren, planbaren Abo-Erlöse waren lange der Hauptgrund für hohe Bewertungen. Doch genau hier lohnt sich der zweite Blick: Die aktuellen Bewertungsniveaus wirken weniger wie ein Urteil über die Zukunft als eine Überreaktion. "Salesforce kommt auf ein KGV von rund 17, Microsoft und Oracle liegen bei knapp 25, SAP in einem ähnlichen Bereich", ordnet Thomas Soltau vom Smartbroker ein. Das sind keine euphorischen Wachstumsprämien mehr, sondern Bewertungen, wie man sie von soliden Bluechips kennt. Microsoft, Oracle und SAP müssen keine Sorgen haben Analystenhäuser wie Evercore nennen Microsoft, Salesforce und Oracle sogar explizit als Software-Favoriten für 2026 . Angst ist also reichlich eingepreist. Hinzu kommt ein oft unterschätzter Faktor: Unternehmenssoftware ist kein Plug-and-Play-Schnickschnack. Sie steckt tief in Prozessen, Schnittstellen und Compliance-Regeln. Ein Wechsel bedeutet nicht nur neue Lizenzkosten, sondern Datenmigration, Prozessneudesign, Schulungen und Governance-Aufwand. Kurz: echte Kosten, echte Risiken. Was in einer KI-Demo leicht aussieht, entpuppt sich im Alltag schnell als Mammutprojekt. Ein weiterer Burggraben heißt Datenhoheit. Die Vorstellung, kleine Teams könnten mit generischen KI-Tools mühelos vollwertige Enterprise-Lösungen bauen, unterschätzt die Komplexität unternehmensweiter Datenlandschaften. Datenlokalität, Zugriffssteuerung und regulatorische Vorgaben sind für Konzerne und öffentliche Auftraggeber keine Nebensache. Plattformen, die Sicherheit, Integration und Kontrolle bieten, bleiben gefragt – besonders in Europa und in regulierten Branchen. Die tiefe Verflechtung von Microsoft 365 oder Oracle Datenbanken macht einen schnellen Wechsel technisch wie wirtschaftlich riskant. So könnten nahe der A6 wieder bessere Zeiten anbrechen. Weniger beim Fußball als vielmehr beim Aktionärsklub.