Seit Jahren präsentiert sie Nachrichten auf verschiedenen Sendern. In einem Interview spricht Jule Gölsdorf nun über die Ungleichbehandlung im TV-Geschäft. "Männer arbeiten im Fernsehen entspannt bis zur Rente . Frauen bis zu dem Punkt, wo sie zu alt aussehen." Mit diesen deutlichen Worten beschreibt Jule Gölsdorf die Realität für Moderatorinnen in der TV-Branche. Die 50-jährige Nachrichtenfrau hat im Gespräch mit der "Bild" über Altersdiskriminierung gesprochen, die vorwiegend weibliche TV-Gesichter trifft. Gerade erst hat Gölsdorf ihren runden Geburtstag gefeiert und blickt auf eine lange Karriere zurück. Nach zwölf Jahren bei den "logo!"-Kindernachrichten und verschiedenen ARD-Formaten präsentiert sie heute die "Newstime" bei Sat.1 , ProSieben und Kabel Eins. Doch während sie selbst gut beschäftigt ist, sieht sie für viele Kolleginnen ein strukturelles Problem. "Spätestens mit 50 wirst du aussortiert" "Spätestens mit 50 wirst du als Frau im Fernsehen eher aussortiert als irgendwo neu positioniert", erklärt Gölsdorf im Interview. Sie verweist auf die Berufung von Julia-Niharika Sen ins Team der ARD-"Tagesschau" im Jahr 2021 als positive Ausnahme: "Das fand ich cool und ein starkes Signal von der ARD ." Doch solche Entscheidungen seien leider nicht die Regel. Die Moderatorin spricht von einem tief verwurzelten Problem: "An dieser Stelle stecken wir leider noch tief im Patriarchat fest." Besonders deutlich werde dies, wenn Sender eine Verjüngungskur ankündigen. "Im Umkehrschluss bedeutet es: Wir tauschen ein paar ältere Frauen aus – und die Männer machen einfach weiter wie bisher", kritisiert Gölsdorf. Für Frauen im Fernsehen gelte eine ungeschriebene Regel: "Frauen dürfen im Fernsehen älter sein – nur ansehen soll man es ihnen bitte nicht!" Diese Doppelmoral empfindet die Nachrichtenfrau als ungerecht, da bei männlichen Kollegen das Altern akzeptiert werde. "Ein bisschen Botox gehört auch dazu" Zu ihrem eigenen Umgang mit dem Älterwerden steht Gölsdorf offen: "Die Zahl weckt in mir schon ein wenig dieses 'Die Hälfte ist jetzt rum'-Gefühl. Die Endlichkeit macht mir Angst!" Sie gibt unumwunden zu: "Klar nerven mich die kleinen Falten um die Augen." Sie wäre gerne "50 mit der Optik von 29", scherzt Gölsdorf. Dass die Moderatorin auch schon nachgeholfen hat, verrät sie offenherzig: "Ich hab mir zweimal die Schlupflider operieren lassen und ein bisschen Botox in der Stirn gehört auch dazu." Als optisches Vorbild nennt Gölsdorf die britische Schauspielerin Elizabeth Hurley: "Ich liebe sie! Sie ist 60 und wirklich super schön. Genau so möchte ich bitte in zehn Jahren aussehen."