Die Kosten für den Führerscheinerwerb sind stark gestiegen. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder will gegensteuern. Aber warum ist die Fahrausbildung so teuer? Wer heute einen Führerschein machen will, muss dafür viel Geld ausgeben: Bis zu 4.000 Euro kostet der Erwerb der Fahrerlaubnis mittlerweile, im Schnitt sollen es rund 3.400 Euro sein. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder hat einen Reformvorschlag seines Ministeriums vorgelegt, der unter anderem den Theorieunterricht stark verändern und es auch nahestehenden Personen ermöglichen soll, einige praktische Fahrstunden mit den Schülern zu absolvieren . Damit sollen die Kosten sinken. Schon im vergangenen Jahr hieß es von der Verkehrsministerkonferenz: "Die Verkehrsministerkonferenz sieht die stetig steigenden Kosten für den Erwerb eines Führerscheins als Hemmnis für die individuelle Mobilität, dies gilt insbesondere in ländlichen Gebieten mit einem eingeschränkten Angebot an Leistungen des öffentlichen Personennahverkehrs." Die Pläne stießen bei Experten auf ein geteiltes Echo . Warum ist der Führerschein so teuer geworden? Laut Kurt Bartels, dem stellvertretenden Geschäftsführer der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände, gibt es drei wesentliche Gründe für die derzeitigen Preise: allgemeine Preissteigerungen, die Verkehrsentwicklung und die Entwicklung des Autos. "Autofahren ist komplexer geworden", sagte Bartels der "Tagesschau". E-Scooter, geschützte Radstreifen, mehr Assistenzsysteme – all das müsse den Fahrschülern beigebracht werden, und dieses Wissen müssten sie in der Prüfung nachweisen. Die praktische Prüfung dauert seit 2021 statt 45 inzwischen 55 Minuten. Hinzu kommt die hohe Durchfallquote, die ihre Gründe unter anderem in der steigenden Komplexität hat: Viele Fahrschüler bestehen beim ersten Mal nicht und werden dann erneut zur Kasse gebeten. Bei der praktischen Prüfung betrug die Durchfallquote im Jahr 2025 nach Angaben des TÜV-Verbands mehr als ein Drittel (37 Prozent), bei der theoretischen sogar fast die Hälfte (44 Prozent). Ein weiterer Grund für die hohen Preise ist laut Deutschlandfunk der Mangel an Fahrlehrern. Unternehmen würden einander die Mitarbeiter mit höheren Gehältern abwerben, was sich auf die Preise auswirke. Hinzu kommen Faktoren wie die Spritpreise sowie gestiegene Kosten für die Instandhaltung der Fahrzeuge und die Versicherungen. Wie setzen sich die Kosten für den Führerschein zusammen? Pauschale Preise gibt es zwar wegen des unterschiedlich hohen Schulungsaufwands nicht, und die Fahrschulen können die Preise für Fahrstunden oder Unterricht selbst festlegen. Dem ADAC zufolge kostete ein Autoführerschein zuletzt aber zwischen 2.500 und 4.400 Euro. Die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände ging im Jahr 2024 von durchschnittlichen Ausgaben zwischen 2.800 und 3.500 Euro aus. Die folgenden Faktoren spielen mit hinein: Die Fahrschulen erheben einen Grundbetrag zwischen 350 und 565 Euro. Damit ist der theoretische Unterricht in zwölf Doppelstunden à 90 Minuten für den Grundstoff plus zwei für den Zusatzstoff bezahlt. Lehrmaterial wie Bücher, Onlinemedien und Zugänge zu Führerschein-Apps kostet 88 bis 119 Euro. Die Gebühr für die Vorstellung zur theoretischen Prüfung (die Anmeldung durch die Fahrschule) kostet 60 bis 137 Euro, die zur praktischen Prüfung 160 bis 289 Euro. Die Prüfungsgebühr der theoretischen Prüfung liegt im Schnitt laut Verivox bei circa 22,50 Euro. Dann geht es in die Praxis: Fahrstunden à 45 Minuten kosten 55 bis 77 Euro. Je nach individuellem Aufwand sind zwischen 10 und 20 Übungsfahrten nötig, hinzu kommen zwölf Sonderfahrten (Autobahn, Nachtfahrten etc.), die meist zwischen 60 und 95 Euro kosten. Bei der praktischen Prüfung zählt, welche Führerscheinklasse Sie anstreben. Für den normalen Pkw-Führerschein fallen laut Verivox beispielsweise circa 120 Euro Prüfungsgebühren beim TÜV an. Hinzu kommen noch kleinere Posten: Erste-Hilfe-Kurs und Sehtest kosten zusammen zwischen 50 und 60 Euro, dazu kommen ein biometrisches Passfoto (rund 10 Euro) und die Gebühren der Straßenverkehrsbehörde für den Führerscheinantrag (je nach Bundesland zwischen rund 38 und 70 Euro). Wie stark sind die Kosten gestiegen? Zwischen 2017 und 2023 sind die durchschnittlichen Kosten für den Erwerb eines Führerscheins um 43,7 Prozent gestiegen – zuletzt deutlich schneller als die allgemeine Inflation . Die größte Differenz gab es im Corona-Jahr 2021, als der Führerschein um 9,6 Prozent kostspieliger wurde – bei einer allgemeinen Preisentwicklung von 3,1 Prozent, wie aus Daten des Statistischen Bundesamts hervorgeht. Im darauffolgenden Jahr (2022) lag die Inflation zwar bei 6,9 Prozent, die Preise für den Führerschein legten mit 10,8 Prozent aber noch deutlicher zu. So ist es auch 2023 geblieben: Führerscheine wurden um 7,6 Prozent teurer bei einer Inflation von 5,9 Prozent. Wie viel günstiger könnte der Führerschein werden? Ob alle Vorschläge des Bundesverkehrsministeriums tatsächlich umgesetzt werden und wie viel günstiger es wirklich wird, ist offen. Durch eine mögliche Reduktion der Sonderfahrten, reinen Online-Theorieunterricht und den Wegfall einiger Fahrstunden, falls nahestehende Personen diese übernehmen, könnten rein rechnerisch Beträge von 300 bis 500 Euro eingespart werden. Vorausgesetzt allerdings, dass die Durchfallquoten bei theoretischer und praktischer Prüfung nicht steigen und Wiederholungsprüfungen erforderlich sind. Wo ist der Führerschein besonders günstig – und wo besonders teuer? Stadt oder Land? Dem ADAC zufolge ist der Erwerb der Fahrerlaubnis auf dem Land meist günstiger, weil dort die Infrastruktur und der Verkehr weniger komplex seien als in der Stadt. Weil die Preise von Fahrschule zu Fahrschule sehr unterschiedlich sind, ist eine genaue Aussage schwierig. Das Campingportal paulcamper.de hat 2024 einen Vergleich zwischen 20 Städten gezogen und dafür alle Landeshauptstädte sowie die Metropolen Leipzig , Frankfurt , Köln und Dortmund untersucht. Fünf Fahrschulen wurden zur Ermittlung der Kosten zufällig ausgewählt und die Preise erfragt oder aus Preislisten entnommen. Dazu gehören Grundbetrag, Fahrstunden, Sonderfahrten und Anmeldegebühren. Basis waren 25 reguläre Fahrstunden plus zwölf verpflichtende Sonderfahrten. Das Ergebnis: München ist für Führerscheinkandidaten das teuerste Pflaster. Mehr als 4.200 Euro sind hier fällig, um am Ende die Fahrerlaubnis in der Tasche zu haben. Zweitplatzierter: Leipzig. In der sächsischen Metropole müssen fast 3.950 Euro von der Anmeldung bis zum Führerschein gezahlt werden. Unterhalb des deutschen Durchschnitts liegen Städte wie Schwerin , Magdeburg , Saarbrücken, Kiel, Dortmund und Hannover . Am günstigsten ist der Führerschein laut den Ergebnissen der Studie in Berlin : In der Bundeshauptstadt ist der durchschnittliche Führerschein für 2.718 Euro zu haben. Laut dem Portal scheinen der Fuhrpark einerseits und andererseits der Wettbewerb vor Ort die Preise maßgeblich zu bestimmen: In Berlin konkurrieren mehr als 350 Fahrschulen um Kunden. In München hingegen seien viele Fahrzeuge von BMW und Mercedes im Bestand, was die höheren Kosten erklären könnte. Ist das Ausland eine Alternative? Tatsächlich sind die Kosten für den Führerschein im europäischen Ausland teils deutlich niedriger. In den Niederlanden oder Österreich kostet er rund 2.500 Euro, in Dänemark rund 2.000 Euro. In Malta betragen die Kosten rund 1.500 Euro, in Tschechien rund 1.200 Euro und in Irland rund 1.000 Euro. Es gibt jedoch einen Haken: Deutsche dürfen den Führerschein in diesen Ländern eigentlich nur erwerben, wenn sie mindestens 185 Tage im Jahr dort wohnen. Zudem sei es laut ADAC schwierig, nachzuvollziehen, ob Fahrschüler dort ausreichend für den Straßenverkehr fit gemacht werden. In Tschechien gebe es Angebote, bei denen Deutsche die 185-Tage-Regelung umgehen können und ihren Führerschein in nur acht Tagen erhalten. Dazu wird ein Gewerbe angemeldet und eine Wohnung gemietet. Wie kann ich beim Führerschein Geld sparen? Besonders bei jüngeren Menschen ohne festes Einkommen machen sich die Führerscheinkosten schnell auf dem Konto bemerkbar. Mit ein paar Tipps lässt sich immerhin etwas Geld sparen. Sie könnten etwa Freunde nach Lernmaterialien fragen. Auch vorgesehene Verkehrsübungsplätze können helfen, sicherer zu fahren und ein paar Fahrstunden zu sparen – vorausgesetzt, jemand bietet sich mit seinem Auto zum Üben an. Wer nicht nur eine Lizenz der Führerscheinklasse B erwerben möchte, kann außerdem die Prüfung für eine weitere Lizenz gleichzeitig ablegen. Die Gebühr für die Anmeldung und den Theorieunterricht wird dann nur einmal berechnet.