morgenstern: Jecken, zieht Euch warm an! An Rosenmontag regnet es nicht nur Kamelle
Schnee und Regen zum Rosenmontag. Das prominente Netzwerk von Jeffrey Epstein. Und: vier Lehren aus der Sicherheitskonferenz. Die Lage am Morgen.
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
ich hatte es vergangene Woche an dieser Stelle bereits erwähnt: Ich bin in einer Karnevalsregion aufgewachsen. Nicht am Rhein, wo das Herz des deutschen Karnevals schlägt, sondern nebenan im Münsterland. Auch dort gibt es viele kleine Karnevalshochburgen. Diese taufen sich in der närrischen Zeit gern zum Beispiel in „Klein-Kölle" um, alle haben eigene Karnevalsgrüße. „Festo“ und „DeUnDa“ sind zwei besonders individuelle Beispiele. Und natürlich gibt es Büttenabende und Rosenmontagsumzüge, das ganze Programm eben.
Schnee und Regen zum Rosenmontag
Ehrlich gesagt hatte ich den Trubel irgendwann dann auch über. Nach einer vom Kamellefangen geprägten Kindheit war ich karnevalsmüde. Aber wie das eben manchmal so ist: Nun wohne ich seit 20 Jahren in Norddeutschland und vermisse das närrische Treiben hier oben manchmal dann doch ganz schön. Dann zieht es mich wieder Richtung alte Heimat. In diesem Jahr bin ich über die tollen Tage auf Dienstreise und muss passen. Ansonsten hätte ich mir wohl ein warmes und bestenfalls auch wasserdichtes Kostüm anlegen müssen. Denn das Rosenmontagswetter wird – wie Sie hier sehen können – wohl eher grauer Mix aus Schnee und Regen. Aus Erfahrung weiß ich: Der guten Stimmung wird's keinen Abbruch tun.
Wenn Sie sich heute in Düsseldorf unter die Jecken am Straßenrand mischen, werden auch die Wagen von Jacques Tilly an Ihnen vorbeiziehen. Tilly ist Deutschlands wohl bissgster und frechster Wagenbauer, wie mein Kollege Oliver vom Hofe schreibt – so respektlos, dass Putin ihn gerade vor Gericht stellt. Eine Auswahl seiner bisherigen Werke finden Sie hier.
Und sollten Sie mit Karneval so gar nichts anfangen können, möchte ich Ihnen diesen Text meines Kölner Kollegen Jannik Schüller ans Herz legen. Er ist zwar schon aus dem vergangenen Jahr, aber es ist eine zeitlose Liebeserklärung. Vielleicht kommen Sie ja doch auf den Geschmack.
Das prominente Netzwerk von Jeffrey Epstein
In diesen Wochen bin ich etwas abseits meiner eigentlichen Aufgaben unterwegs. Normalerweise beschäftige ich mich vor allem mit Infografiken, Visualisierungen und digitalen Erzählformen,. Glücklicherweise gibt es außer mir noch mehr Menschen beim stern, die sich gekonnt mit diesen Dingen befassen. Meine Kollegen Nikolas Janitzki, Ralf Sander und Philipp Sipos sind drei von ihnen.
Sie haben die bislang prominentesten Verbindungen im dunklen Netzwerk des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein anschaulich für Sie aufbereitet. Klar: Nicht alle Personen, die in den Epstein-Files auftauchen, waren Mittäter, aber zumindest mutmaßliche Mitwisser. Sie verkehrten weiterhin in Epsteins Kreisen und genossen die damit verbundenen Annehmlichkeiten ohne zu viele Fragen zu stellen. Es sind viele bekannte Namen darunter.
Meine Kolleginnen Dagmar Seeland und Iris Spiegelberger haben die Recherche und redaktionelle Betreuung des Projekts übernommen. Das Ergebnis ist gleichermaßen lesens- wie sehenswert.
5-Minuten-Talk: Vier Lehren aus der Sicherheitskonferenz
Die internationale Presse attestierte Friedrich Merz nach seiner Rede bei der Münchner Sicherheitskonferenz ein gutes Maß an Forschheit und Selbstbewusstsein. Die zentrale Botschaft des Kanzlers lautete: Im transatlantischen Verhältnis ist nichts, wie es einmal war. Er ging auf Abstand zu Amerika und forderte Europa auf, den Zustand „der selbstverschuldeten Unmündigkeit“ hinter sich zu lassen. Zum europäischen Mark Carney ist er trotzdem nicht geworden. Denn so stark Merz in der Problembeschreibung war, so schwach war er in der Ausformulierung dessen, was daraus politisch für Europa jetzt eigentlich folgt.
Welche Lehren lassen sich neben dem Kursschwenk des Kanzlers noch aus der Sicherheitskonferenz ziehen? Meine Kollegen Veit Medick und Jan Rosenkranz analysieren es für Sie an dieser Stelle.
Und sonst? Weitere Schlagzeilen
- Iran: Berichte über Anti-Regierungs-Sprechchöre in Teheran
- Studie: Intervallfasten ist wohl nicht so effektiv wie gedacht
- Mutmaßlicher Attentäter vom Bondi-Beach erstmals vor Gericht angehört
Das passiert am Montag, dem 16. Februar 2026
- US-Außenminister Marco Rubio bei Victor Orban in Ungarn
- Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beginnt Besuch im Libanon
- Olympische Winterspiele: Diverse Entscheidungen (Hier geht es zum Ticker)
Unsere stern+-Empfehlung des Tages
Mir ist gerade ein Satz aus meiner Jugendzeit eingefallen: „Mit Sex ist es wie mit Geld: Man redet nicht drüber, man hat ihn“. Zugegeben: blöder Spruch, auch damals in den Neunzigern schon. Warum ich drauf komme? Ich habe gerade gelesen, dass er für die Generation Z offenbar nicht mehr gilt. Die junge Generation hat demnach seltener und später Sex als ihre Vorgänger.
Woran liegt das? Keine Lust mehr? Performance-Druck? Meine Kollegin Lisa Frieda Cossham setzt sich in ihrem lesenswerten Artikel behutsam mit dieser Frage auseinander.
Wie hat Ihnen dieser morgenstern gefallen? Schreiben Sie es mir gerne: patrick.roesing@stern.de. Sie können dieses Morgen-Briefing auch als Newsletter in Ihr Postfach erhalten. Melden Sie sich einfach unter folgendem Link an.
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag und die Woche!
Und wenn Sie heute Karneval feiern: Viel Vergnügen!
Patrick Rösing