Am Dienstag führten die Vereinigten Staaten und der Iran diplomatische Gespräche in Genf. Parallel dazu bauen die USA eine gigantische Drohkulisse auf. Planen die Vereinigten Staaten eine große Serie von Luftangriffen auf den Iran ? Neue Truppenverlegungen am Montag und am Dienstag geben zumindest erste Hinweise darauf, dass Angriffe bevorstehen könnten. Es könnte allerdings auch eine große Drohkulisse sein, mit der die USA den Iran während der Verhandlungen über das iranische Atomprogramm einschüchtern wollen. Die Gespräche in Genf sind laut Darstellung des US-Vizepräsidenten JD Vance offenbar teilweise gut gelaufen. Positiv sei gewesen, dass sich beide Staaten auf weitere Treffen geeinigt hätten, erklärte Vance am Dienstagabend dem Fernsehsender Fox News. In Genf hatten sich Vertreter der Islamischen Republik unter anderem mit den Trump-Vertrauten Steve Witkoff und Jared Kushner getroffen, um über das Atomprogramm des Iran zu verhandeln. Laut Vance sei der Iran derzeit nicht bereit, die von US-Präsident Donald Trump gestellten Bedingungen zu akzeptieren. "In anderer Hinsicht war es aber sehr deutlich, dass der Präsident einige rote Linien gezogen hat, die die Iraner noch nicht wirklich anerkennen und abarbeiten wollen", sagte Vance. Lage im Iran: "Der Weg zu einer Einigung hat begonnen" Gespräche in Genf: Skepsis nach Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran bleibt groß Meldungen über größere Truppenverlegungen in den Nahen Osten gibt es seit etwa zwei Wochen. Erst seit Montag nehmen diese allerdings ein größeres Ausmaß an: "Das ist die größte Verlagerung von US-Truppen in den Nahen Osten seit dem Golfkrieg", schreibt das Fachportal "The War Zone". F-22-Jets fliegen von den USA nach Europa Öffentlich einsehbare Flugdaten auf dem Portal "Flightradar24" zeigen, dass auch in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch weitere Flugzeuge von US-Basen in Richtung Europa verlegt wurden, von wo sie wahrscheinlich weiter in den Nahen Osten fliegen. Darunter sind mindestens ein Dutzend F-22-Kampfjets vom Luftwaffenstützpunkt Langley in Virginia. Das Fachmagazin "The War Zone" vermutet, dass sie einen Zwischenstopp auf der britischen Basis Lakenheath einlegen werden, einem zentralen Umschlagplatz für US-Militärflugzeuge auf dem Weg in den Nahen Osten. Offiziell bestätigt ist das Ziel nicht. Die F-22 "Raptor" ist das modernste Luftüberlegenheitsflugzeug der US-Luftwaffe. Sie wurde in erster Linie für den Luftkampf gegen feindliche Jets entwickelt, kann jedoch auch Luftverteidigungssysteme am Boden ausschalten und präzise Angriffe gegen andere Ziele führen. Aufgrund ihrer Tarnkappentechnik ist die F-22 schwer ortbar. Im vergangenen Juni schützten F-22-Flugzeuge die B-2A-Bomber, die während der Operation "Midnight Hammer" Angriffe auf die Atomanlagen des Iran flogen. Wie "The War Zone" schreibt, flogen F-22 bereits vier Tage vor dem Angriff im Juni 2025 eine ähnliche Route. F-16-Flugzeuge starten aus Europa Zusätzlich sind laut öffentlich einsehbaren Flugdaten mindestens 36 F-16-Jets auf dem Weg in den Nahen Osten. Ihre Heimatbasen sind die US-Stützpunkte Aviano (Italien), Spangdahlem (Deutschland) und McEntire (South Carolina). Die F-16 "Fighting Falcon" ist ein vielseitiges Mehrzweckkampfflugzeug. Sie kann sowohl zur Abwehr von Drohnen und Marschflugkörpern eingesetzt werden als auch für Angriffe auf Bodenziele. Im Nahen Osten sind bereits einige F-16 stationiert, ihre Zahl scheint mit der neuen Verlegung deutlich erhöht zu werden. Eine Verstärkung in dieser Größenordnung würde die Fähigkeit der US-Luftwaffe erhöhen, längere Luftoperationen auszuführen oder mehrere Einsatzarten parallel abzudecken. Fotograf bestätigt Landungen in England Doch die USA scheinen nicht nur ihre Angriffskapazitäten zu erhöhen. Wie der Flugzeugfotograf Stewart Jack in einem Facebook-Post bestätigt, landeten zwei E-3-"Sentry"-Flugzeuge mit luftgestützten Frühwarn- und Kontrollsystemen am Dienstag auf dem britischen Luftwaffenstützpunkt Mildenhall. Diese Maschinen verfügen über großflächige Radarsysteme, sogenannte AWACS, mit denen sie Flugbewegungen über Hunderte Kilometer verfolgen können. Sie koordinieren Luftoperationen und überwachen Bedrohungen wie Drohnen oder Marschflugkörper. Einem Bericht der auf dem Kurznachrichtendienst X schreibenden Konfliktanalysten von "Faytuks Network" zufolge verlegten die USA außerdem ein U-2-Aufklärungsflugzeug mit dem Spitznamen "Dragon Lady" im Anflug auf den Nahen Osten. Die U-2 operiert in großer Höhe und dient der strategischen Aufklärung. Sie gilt ebenso als wichtige Kommunikationsplattform zwischen verschiedenen Flugzeugtypen wie F-22 und F-35. Einige Kampfflugzeuge sind schon am Ziel Bereits am Montag verließen 18 F-35-Jets die britische Basis Lakenheath und flogen nach Jordanien , wo sie auf der Basis Muwaffaq Salti landeten, die ein zentrales Drehkreuz für taktische US-Kampfflugzeuge ist. Dort sind derzeit auch weitere US-Kampfflugzeuge der Typen F-35A, F-15E und A-10 Thunderbolt stationiert. Die Stationierung erfolgt trotz einer Ankündigung Jordaniens im Februar, dass der Luftraum des Königreichs nicht für Angriffe auf den Iran genutzt werden dürfe. Das Magazin "The War Zone" vermutet zwei Szenarien hinsichtlich der Stationierung in Jordanien: Einerseits bestehe die Möglichkeit, dass Jordaniens Regierung das Statement vor allem für die einheimische Bevölkerung veröffentlicht hat, die in einem möglichen Krieg nicht auf einer Seite mit den USA und Israel stehen wollen würde. Andererseits könnte Jordanien die Mitteilung mit Blick auf den Iran veröffentlicht haben, wodurch es Vergeltungsangriffe nach einem US-Angriff auf den Iran vermeiden möchte. Die Experten halten es für denkbar, dass Jordanien den Vereinigten Staaten trotz der nach außen kommunizierten Strategie einen begrenzten Zugang zu Basen und Luftraum gewährt. Sie bezeichnen die Truppenverlegung der Vereinigten Staaten als "beispiellose Mobilisierung". Ausweitung der Seestreitkräfte Auch zur See haben die USA ihre Präsenz verstärkt. Mit der Entsendung des Zerstörers "USS Pinckney" sind nach Angaben eines US-Marinevertreters nun insgesamt zwölf größere Überwasserkampfschiffe im Verantwortungsbereich des zuständigen US-Regionalkommandos Centcom im Einsatz. Dazu zählt die Flugzeugträgerkampfgruppe um die "USS Abraham Lincoln" mit ihren Begleitschiffen. Zudem befindet sich die Trägergruppe um die "USS Gerald R. Ford" im Einsatzgebiet der 6. US-Flotte im Mittelmeer . Flugzeugträger transportieren Dutzende Kampfjets vom Typ F/A-18E/F "Super Hornet" sowie elektronische Kampfflugzeuge vom Typ EA-18G. Sie ermöglichen langfristige Luftoperationen unabhängig von landgestützten Basen. Hinzu kommen atomgetriebene U-Boote, deren genaue Zahl und Position von der Marine nicht öffentlich gemacht werden. Die Kombination aus F-22, F-35, F-16, AWACS, elektronischer Kampfführung, Trägerflugzeugen und raketenbestückten Zerstörern entspricht der typischen Zusammensetzung für eine größere Luftoperation. Tarnkappenjets können gegnerische Luftverteidigung ausschalten, Mehrzweckjets sichern den Luftraum oder greifen weitere Ziele an, während AWACS die Koordination übernehmen. Zerstörer und U-Boote erweitern die Optionen um seegestützte Marschflugkörper. Die gleichzeitige militärische Verstärkung und Fortsetzung der Gespräche verdeutlicht die derzeitige Doppelstrategie der USA. Einerseits erhöhen die USA ihre militärische Handlungsfähigkeit in der Region. Andererseits laufen diplomatische Kontakte weiter. Der Iran startet Manöver in der Straße von Hormus Die militärischen Bewegungen fallen in eine Phase erhöhter Spannungen. Die iranischen Revolutionsgarden haben nach Angaben staatlicher Medien Teile der Straße von Hormus für ein Manöver gesperrt. Bei der Übung sollen unter anderem Seezielflugkörper getestet worden sein. Verpokert sich Trump? So könnte der Iran auf einen Angriff der USA reagieren Die Straße von Hormus gilt als einer der wichtigsten maritimen Engpässe weltweit. Schätzungen zufolge passieren rund 20 Prozent des global gehandelten Rohöls die Meerenge zwischen dem Iran und Oman. Eine längerfristige Blockade könnte erhebliche Auswirkungen auf die internationalen Energiemärkte haben. Der oberste Führer des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, äußerte sich am Dienstag zu der verstärkten US-Präsenz. Er sagte, ein Kriegsschiff sei eine "gefährliche Waffe", verwies jedoch zugleich auf Waffen, die ein solches Schiff versenken könnten. Details nannte er nicht. Die USA fahren eine Doppelstrategie Ob die jüngsten Truppenverlegungen der Abschreckung dienen oder eine konkrete Operation vorbereiten, ist öffentlich nicht bestätigt. Militärische Planungen werden in der Regel nicht offengelegt. Auch das US-Regionalkommando verweigerte nähere Angaben zu Details der Bewegungen. Klar ist: Die Präsenz zusätzlicher Luft- und Seestreitkräfte erweitert die militärischen Optionen Washingtons. Gleichzeitig bleibt offen, ob es zu einer weiteren Eskalation kommt. Denn ein entscheidendes Element fehlt noch, das nach Ansicht von Militärexperten für einen erfolgreichen erzwungenen Machtwechsel im Iran unerlässlich wäre: Größere Bewegungen von Bodentruppen sind im Nahen Osten derzeit nicht zu beobachten.