"Der Garmisch-Krimi – Wolfsmord" : Lavinia Wilson in ungewohnter Rolle als bayerische Ermittlerin
Lavinia Wilson als bayerische, Dialekt sprechende Ermittlerin: Das dürften wenige auf dem Schirm gehabt haben. Im Auftaktfilm zur neuen ZDF-Krimireihe gerät die Wahlberlinerin als Kommissarin Ira Zach nach dem Mord an einem Tierschützer zwischen die Fronten von Wolfsgegnern, Aktivisten und Politik.
"Der Garmisch-Krimi": "Bei dem Titel erwartet man eher einen konventionellen Regionalkrimi. Davon gibt's aber schon genügend", findet Lavinia Wilson, Hauptdarstellerin der neuen ZDF-Reihe aus dem äußersten Süden der Republik, völlig zurecht. Als gebürtige Bayerin habe sie sich "immer gewünscht, dass es auch in der bayerischen Provinz eine Reihe gibt, die die Region ernst nimmt und trotzdem cool und spannend ist und Überraschungen bereithält", so die Wahlberlinerin, die früher oft ihre Großeltern in Garmisch besuchte, im ZDF-Interview. Ob die hohen Erwartungen, die sie hier schürt, erfüllt werden?
"Der Garmisch-Krimi – Wolfsmord" (Regie: Saralisa Volm, Buch: Leona Stahlmann, Niklas Hoffmann), nun erstmals am Samstagabend zur Primetime zu sehen, ist eine Koproduktion von ZDF und ServusTV. Die Wölfe sind zurück in den bayerischen Alpen – soll man sie schützen oder abschießen? Ein aufgeheiztes Thema zwischen Bauern und Tieraktivisten. Im "Garmisch-Krimi" wird deswegen sogar gemordet, wie es scheint. Das Opfer Fabian Pongratz (Ben Münchow) war Vorstand des Naturbundes und hatte mehrfach genehmigte Abschüsse verhindert. Hat sich einer der Bauern, deren Schafe gerissen wurden, gerächt? Ein Fall für Kommissarin Ira Zach (Lavinia Wilson)!
Eigentlich. Denn Ira hat sich "beruflich umorientiert", so Polizeichef Graner (Harald Windisch). Womöglich nicht ganz freiwillig, wenn man die grantige Ermittlerin a.D. bei der Arbeit im Baumarkt beobachtet. "Kois san die SUVs unter die Zierfisch'", erklärt sie einer Kundin. "Damit zeigst, dass d'meinst, dass'd was Besseres bist. Woin's des? Hochgezüchtet, überg'wichtig, a Mops mit Schuppen!" – Dass Lavinia Wilson den Dialekt ihrer Heimat derart gut beherrscht, das hat man nicht kommen sehen.
Nicht ganz so unkonventionell
Wer nun befürchtet, der "Garmisch-Krimi" bewege sich auf dem blauweiß-launigen Niveau der einstigen "Garmisch-Cops", sei beruhigt. Hier geht es deutlich düsterer zu. Statt Bergidylle versprüht die Alpenkulisse etwas Bedrohliches – ähnlich wie das Erzgebirge im "Erzgebirgskrimi" oder die trüb inszenierte Küstenlandschaft im "Ostfrieslandkrimi". Die Behauptung, die neue ZDF-Reihe sei kein konventioneller Regionalkrimi, wird allerdings nicht nur dadurch relativiert.
Dass die impulsive Alleingängerin Ira im Ermitteln mehr Talent besitzt als im Fischverkauf, liegt auf der Hand. Und so unterstützt sie schon bald, mit nicht immer legalen Methoden, ihre junge Nachfolgerin Daphne (Philine Schmölzer) bei der Arbeit. Gemeinsam stoßen sie auf eine weit größere Sache als zunächst vermutet. Dass sowohl Iras Tochter, die Tierschutzaktivistin Pippa (Sophie Borchhardt), als auch ihr Ex, der Bauer und Wolfsgegner Johann (Max von Thun), in den Fall verstrickt scheinen, sorgt für zusätzliche private Spannungen.
Wie es Pilotfilmen eigen ist, werden zunächst die zentralen Figuren und Konflikte etabliert. Warum hat Ira den Polizeidienst quittiert? Weshalb haben sie und Johann sich trotz noch spürbarer Schwingungen getrennt? Und welche dunklen Geheimnisse verbergen sich noch im beschaulichen Garmisch? Es könnte durchaus interessant werden, die wie immer charismatische Lavinia Wilson in dieser neuen Ermittlerinnenrolle weiter zu begleiten.
"Der Garmisch-Krimi – Wolfsmord" – Sa. 28.02. – ZDF: 20.15 Uhr