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Bahnhofsgebäude: Zwischen Zukunftsbahnhof und Sanierungsfall

Stern 

Ob Toiletten, Snack-Möglichkeiten oder der allgemeine Zustand der Anlagen: Bei den Rahmenbedingungen an den Thüringer Bahnhöfen gibt es noch viel zu tun.

Noch etwas zum Snacken für die Fahrt besorgen, schnell die Toilette nutzen oder sich überhaupt in einem Gebäude aufwärmen: An Thüringer Bahnhöfen zeigen sich deutliche Unterschiede bei den Rahmenbedingungen für Reisende. 

"Die Hauptbahnhöfe in Erfurt, Weimar, Gera und Eisenach sind grundsätzlich gut aufgestellt", fasst der Vorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn Thüringen, Olaf Behr, zusammen. Allgemein seien diese in einem überwiegend intakten und sauberen Zustand und mit Personal besetzt. Fahrgäste könnten Tickets kaufen, es gebe Warte- und Versorgungsmöglichkeiten, Gepäckschließfächer und Toiletten.

Schon in Jena ein ganz anderes Bild

Anders hingegen in Jena, der zweitgrößten Stadt im Freistaat: "Die Innenstadtbahnhöfe Paradies und West bieten kein der Bedeutung der Stadt angemessenes Bild", so Behr. So gebe es keine Toiletten in den Bahnhofsgebäuden, am Westbahnhof fehlten Schließfächer und in beiden seien die Versorgungsmöglichkeiten eingeschränkt. 

Noch größer seien die Unterschiede in den mittelgroßen Städten. So gebe es in Saalfeld, Meiningen und Nordhausen zwar Defizite – unter anderem bei der Sauberkeit oder den Versorgungsmöglichkeiten, prinzipiell seien diese aber auf dem Stand der Zeit. Die Bahnhöfe in Suhl, Gotha, Bad Köstritz und Rudolstadt seien aufgrund leerstehender oder heruntergekommener Empfangsgebäude hingegen "echte Problemfälle" mit dringendem Handlungsbedarf. 

Grundsätzlich sei der Zustand der Toiletten nur an den meisten großen Bahnhöfen befriedigend, Snack-Möglichkeiten gebe es oft nur an den großen und mittleren Bahnhöfen.

Gebäude gehören längst nicht immer der Bahn

Die bestehenden Probleme sind zwar bekannt, eine einfache Lösung ist jedoch nicht in Sicht. Einer der Gründe: Viele Bahnhofsgebäude sind gar nicht mehr in Besitz der Bahn. So betreibt die gemeinwohlorientierte Bahn-Tochter DB InfraGO in ganz Thüringen nur elf Bahnhofsgebäude mit Empfangsgebäuden, erklärt Bahn-Sprecher Jörg Bönisch. Was die Ausstattung etwa mit WC-Anlagen angehe, gebe es vom Bund zwar Fördermöglichkeiten für deren Bau. So würden etwa am Nordhäuser Bahnhof aktuell die WC-Anlagen saniert. 

Für den laufenden Betrieb gebe es jedoch keine öffentlichen Finanzierungsmöglichkeiten. Gerade an weniger frequentierten Bahnhöfen sei ein wirtschaftlicher Betrieb daher oft nicht möglich. Hier werde gemeinsam mit Kommunen und Ländern nach tragfähigen Konzepten gesucht, so Bönisch.

Was machen die Käufer aus der Immobilie?

"Es war unter anderem ein schwerer Fehler, dass in der Mehdorn-Ära sehr viele Empfangsgebäude verkauft wurden", so Behr über seine Sicht auf die Konsequenzen aus der Zeit, als Hartmut Mehdorn Chef der Deutschen Bahn war. Dass der Unterhalt und das Weiterbestehen der Gebäude auf diesem Weg an Dritte gefallen sei, wirke sich in einigen wenigen Fällen zwar durchaus positiv aus. 

So seien etwa die Bahnhofsgebäude in Ilmenau, Bad Salzungen und Rottenbach nach der Übernahme durch die jeweiligen Gemeinden heute wieder in einem guten Zustand. Und in Jena-Göschwitz habe eine Privatperson das Bahnhofsgebäude erfolgreich in ein Hotel mit Imbiss, Fahrkartenverkauf, Warteraum und Toilette umgebaut.

In der Regel habe der Verkauf aber negative Folgen, so Behr: Das Bahnhofsgebäude in Kahla etwa habe nach langem Leerstand mittlerweile abgerissen werden müssen. Zahlreiche andere Empfangsgebäude seien damals an Spekulanten gefallen, die nichts investiert hätten. Das stelle heute eine kaum überwindbare Hürde bei der Revitalisierung dar.

"Zukunftsbahnhöfe" gemeinsam mit Kommunen gestalten

Um dem Problem Herr zu werden, müsse es daher eine grundsätzliche Lösung auf Bundesebene geben, so Behr. Sowohl die Bahn als auch der Fahrgastverband sehen das bundesweite Konzept "Zukunftsbahnhöfe" als guten Ansatz. Der Bund als Eigentümer der DB InfraGO müsse nun klar und einheitlich definieren, welche Standards an welchen Bahnhöfen vorgehalten werden sollten, so Behr.

Ziel des Konzepts "Zukunftsbahnhöfe" ist der Bahn zufolge eine umfassende Modernisierung und Entwicklung aller deutschen Bahnhöfe, das neben den Zusatzangeboten an den Bahnhöfen unter anderem auch die Gestaltung der Vorplätze und Kooperationen mit den Kommunen umfassen kann. Laut der Bahn wurde dieses Konzept in Thüringen unter anderem an den Bahnhöfen in Bad Salzungen, Zella-Mehlis, Geraberg und Apolda angewendet.

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