Die Spannungen im Nahen Osten treiben die Energiepreise in die Höhe. In den USA übersprang der Benzinpreis erstmals seit Monaten eine wichtige Schwelle. Experten rechnen mit weiterem Anstieg. Der Iran-Krieg macht Sprit und Heizöl teurer. Der durchschnittliche Benzinpreis in den USA ist erstmals seit November wieder über die psychologisch wichtige Marke von drei Dollar pro Gallone (etwa 0,68 Euro pro Liter) gestiegen. Experten erwarten wegen der Spannungen im Nahen Osten in dieser Woche einen weiteren Anstieg auf bis zu 3,25 Dollar. Für US-Präsident Donald Trump birgt die Entwicklung politischen Sprengstoff: Steigende Spritpreise drücken in den USA auf die Stimmung und könnten die Chancen der Republikaner bei den Kongresswahlen im November schmälern. "Benzinpreise haben eine enorme psychologische Wirkung", sagte Mark Malek, Chefanlagestratege bei Siebert Financial gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. "Das ist der Preis, an dem die Verbraucher die Inflation jeden Tag ablesen." Fast die Hälfte der Befragten einer Reuters-Umfrage gab an, dass sie Trumps Iran-Kampagne weniger unterstützen würden, wenn die Öl- und Benzinpreise in den USA steigen. ADAC: Kraftstoffe in Deutschland deutlich teurer Am Montag stiegen die Preise auch an deutschen Tankstellen kräftig, nachdem sie bereits übers Wochenende leicht zugelegt hatten, wie der ADAC mitteilte. Am Nachmittag war Superbenzin der Sorte E10 um 7,3 Cent teurer als zum gleichen Zeitpunkt am Freitag, dem letzten Tag vor der Eskalation. Bei Diesel waren es sogar 8,1 Cent. Schon am Sonntag hatten die Kraftstoffe im bundesweiten Tagesdurchschnitt die höchsten Werte seit dem Frühjahr 2024 erreicht. Übers Wochenende war der Anstieg aber mit 1,6 Cent bei E10 und 1,3 Cent bei Diesel noch zurückhaltend ausgefallen. Am Montag nahm er dann allerdings immer mehr Fahrt auf. Bei Diesel könnte dadurch der höchste Tagesdurchschnittspreis seit 2023 erreicht werden. Es könnte weiter nach oben gehen Und es könnte noch weiter nach oben gehen: "Sollte der Ölpreis nicht bald wieder nachgeben, kann der Aufwärtstrend auch über die nächsten Tage anhalten", sagt ADAC-Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer. Mittelfristig gebe es aber - sofern sich die Lage am Golf wieder beruhigen sollte – Hoffnung auf gemäßigtere Preise, da die Opec+ angekündigt hat, die Fördermengen zu erhöhen. Schnelle Besserung ist aber nicht in Sicht: "Während steigende Ölpreise meist sehr schnell an den Zapfsäulen ankommen, dauert es bei sinkenden Preisen oft länger", sagt der Experte. Experten sprechen hier auch vom Rakete-und-Feder-Effekt. Kritik am schnellen Anstieg kam auch aus der SPD : "Was wir an vielen Tanksäulen in unserem Land erleben, ist schlicht und ergreifend Abzocke!", sagte der Sprecher der realpolitisch orientierten SPD-Seeheimer, Esra Limbacher. Benzin und Diesel, die jetzt verkauft würden, seien überwiegend zu deutlich niedrigeren Rohölpreisen eingekauft worden." Es sei "inakzeptabel, wenn geopolitische Unsicherheiten als Vorwand für überzogene Margen genutzt werden." Wer steigende Weltmarktpreise sofort weitergebe, müsse das auch mit sinkenden Preisen tun. Der für die Raffinerien und Markentankstellen zuständige Wirtschaftsverband Fuels und Energie betonte, "auch in der aktuellen Situation herrscht harter Preiswettbewerb an den deutschen Tankstellen". Die weitere Preisentwicklung hänge vor allem vom Fortgang der geopolitischen Ereignisse ab. Die Märkte in Deutschland für Benzin, Diesel und weitere Produkte wie Heizöl und Flugkraftstoff seien weiter intakt: "Die Versorgung Deutschlands ist gesichert, da wir Rohöl aus rund 30 Ländern beziehen. Hauptlieferländer sind Norwegen , die USA, Libyen , Kasachstan und Großbritannien ." Heizölpreis steigt schneller Beim Heizöl ist der aktuelle Ausschlag deutlich stärker. Das Internetportal Heizoel24 gab den Preis am Montagvormittag zwischenzeitlich mit mehr 120 Euro pro 100 Litern an, später sank dieser Wert auf rund 118 Euro. Noch am Freitag hatten die Preise aber deutlich unter 100 Euro gelegen. Parallel zum Anstieg verzeichnete die Seite eine hohe Nachfrage. Dass der Anstieg beim Sprit im Verhältnis geringer ausfiel, könnte laut Laberer auch daran gelegen habe, dass insbesondere Diesel in den letzten Wochen seiner Ansicht nach im Vergleich zum Ölpreis zu teuer war. "Dadurch fiel die aktuelle Erhöhung vielleicht etwas geringer aus." Wer aktuell beim Tanken sparen will, dem rät Laberer weiterhin zu den Abendstunden - dann ist Sprit in der Regel günstiger als am Morgen. Zudem lohne es sich jetzt erst recht, zu vergleichen, betont er. "Gerade in volatilen Zeiten können die Preisunterschiede zwischen einzelnen Tankstellen besonders hoch ausfallen." Es kommt aufs Rohöl an Der Ölpreis ist – in Kombination mit dem Dollarkurs – typischerweise der wichtigste Treiber für Veränderungen beim Sprit und Heizöl. Die Eskalation des Konflikts treibt den Ölpreis unter anderem auch deswegen, weil der Iran den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus eingeschränkt hat. Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert täglich die Meerenge in der ölreichen Region am Persischen Golf. Jede Störung kann die Energiepreise steigen lassen und die internationalen Märkte verunsichern.