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Im Interview zu "Makellos – Eine kurze Welle des Glücks": "Musste mich mit meiner Hässlichkeit aushalten": So trotzt Adele Neuhauser Schönheitsidealen

Stern 

Wann ist eine Affäre die Rettung aus einer tristen Ehe und wann ein Fehler? Adele Neuhauser begibt sich in "Makellos – Eine kurze Welle des Glücks" in die Rolle einer reifen Frau, die sich mit ihrer eigenen Lust auseinandersetzt. Ein Gespräch über Treue, Selbstliebe und intime Filmszenen.

Adele Neuhauser hat einen so nüchternen Blick auf die Welt, dass sie sich selbst als "hässlich" und "schräg" bezeichnet. Ist das eine Frau, die so schnell nichts mehr schockieren kann? Oder ist sie jemand, der seinem Gegenüber zuvorkommen will, um sich selbst zu schützen? Die 67-Jährige ist jedenfalls das, was die meisten als Charakterdarstellerin par excellence bezeichnen würden. Mit der österreichischen Landkrimiserie "Vier Frauen und ein Todesfall" wurde sie 2004 einem breiten Publikum bekannt, in ihrer Rolle als Wiener "Tatort"-Ermittlerin Bibi Fellner, von der sie sich noch in diesem Jahr verabschieden wird, erzielte sie auch hierzulande große Erfolge.

Nun widmet sich der in Athen geborene und seit dem vierten Lebensjahr in Wien aufgewachsene Publikumsliebling einem brisanten Thema: In "Makellos – Eine kurze Welle des Glücks" (Mittwoch, 11. März, um 20.15 Uhr, ARD) spielt Neuhauser Constanze, eine reifere Frau, die nach einem Ausweg aus ihrer leidenschaftslosen Ehe sucht, um sich selbst wieder zu spüren. Sie findet ihn, auf Anraten ihrer Freundin Karin (Caroline Frank), bei einem jüngeren Callboy (Manuel Rubey). Nach "Faltenfrei" (2021) und "Ungeschminkt" (2024) ist dies ein weiterer Neuhauser-Film (vorab in der ARD Mediathek abrufbar) von Autor Uli Brée und Regisseur Dirk Kummer, der auf eingerostete Denkmuster und veraltete gesellschaftliche Konventionen hämmert. Im Interview anlässlich der linearen Premiere reflektiert Adele Neuhauser über ihre eigene Untreue und die oft bizarren Faktoren, die den Selbstwert einer Frau zu bestimmen versuchen. Ein Gespräch über Selbstliebe und den schmalen Grat zwischen Moral und Selbstverwirklichung.

teleschau: Sie erzählten einst, dass Sie während Ihrer 25-jährigen Ehe nicht immer treu waren – ein Thema, das auch in Ihrem neuen Film "Makellos – Eine kurze Welle des Glücks" eine Rolle spielt.

Adele Neuhauser: Dass nicht alle Menschen Engel sind und nicht alle treu, ist nicht verwerflich. Gefährlich wird es jedoch, wenn man hofft, durch einen Seitensprung frischen Wind in die Beziehung zu bringen. Denn allein die Hoffnung darauf verursacht oft schon eine Verletzung, die schwerer zu heilen ist, als wenn man vor einem Abenteuer einfach ehrlich zueinander wäre. Und genau das zeigt der Film.

teleschau: Darin spielen sie eine Frau, die in einer Ehe feststeckt, die mehr praktisch als emotional funktioniert.

Neuhauser: Ja, das ist leider in vielen Ehen so. Mich packte an meiner Figur, dass sie versucht, auszubrechen und ihre aufkeimenden Sehnsüchte zu erfüllen. Es geht ihr nämlich nicht in erster Linie darum, eine Sexualität auszuleben, die sie seit einem Jahr mit ihrem Mann vermisst. Es geht ihr darum, sich selbst wieder zu spüren. Grundsätzlich finde ich es spannend, dass wir eine andere Sichtweise bekommen. Seit Jahrhunderten sind wir es gewohnt, Männer in Beziehungen zu sehen, auch ältere Männer mit jüngeren Frauen. Das ist allgegenwärtig. Aber wir sehen viel zu selten ältere Frauen mit einem jüngeren Mann an ihrer Seite.

"Wir Menschen brauchen Bestätigung, wir wollen gesehen werden"

teleschau: Warum hat das Begehren reifer Frauen im Kino und im Fernsehen noch nicht die gleiche Daseinsberechtigung wie das von älteren Männern?

Neuhauser: Viele denken: Es war schon immer so, und so soll es auch bleiben. Ich finde: nein. Zum Glück sieht das auch der Bayerische Rundfunk so und hat den Mut, dieses Thema anzupacken. Denn es ist nicht nur eine sexuelle Geschichte, sondern der Versuch eines Menschen, einer festgefahrenen Beziehung wieder Leben einzuhauchen. Genau das macht die Geschichte so wahr: Oft wissen wir gar nicht mehr, wann und warum eine Beziehung festgefahren ist.

teleschau: Was ist schlimmer: Fremdgehen oder in einer Beziehung auszuharren?

Neuhauser: Das kann ich nicht pauschal sagen. Aber ich würde nicht sofort die Keule schwingen und eine Beziehung beenden. Für mich ist es entscheidend, im Gespräch zu bleiben – ohne vorgefasste Meinungen. Nur weil man schon lange zusammen ist und glaubt, den anderen zu kennen, dürfen Paare nicht aufhören, sich zu bemühen. Wir verändern uns alle stetig. Wenn wir offen bleiben, aufmerksam zuhören und Signale wahrnehmen, können wir verhindern, dass Sehnsüchte nach anderen Abenteuern überhaupt erst so stark werden.

teleschau: Es scheint, als könnten Sie sich mit dem Thema identifizieren ...

Neuhauser: Beim Anschauen des Films habe ich mich selbst beobachtet und es hat eine Weile gedauert, bis ich mich von meinen eigenen Fehlern und gewohnten Denkmustern lösen konnte. Wir sind es gewohnt, dass Männer nebenher eine andere Beziehung führen, auch wenn wir das selbst nicht tun. Constanze wiederum hofft, dass es kein Betrug ist, da sie den Callboy bezahlt hat: Es war ein geschäftlicher Akt ohne große Emotionalität. Aber das stimmt nicht. Es ist eher ein Schlupfloch, eine Rechtfertigung. Der Knackpunkt ist, dass sie sich nicht mehr gesehen fühlt – und wir Menschen brauchen Bestätigung, wir wollen gesehen werden.

"Wir dürfen diese Verantwortung nicht komplett auf unser Gegenüber abladen"

teleschau: Was können Frauen tun, um sich wieder gesehen zu fühlen?

Neuhauser: Mein einziger Tipp ist, das Gespräch zu suchen und Dinge einzufordern. Wenn sich eine Beziehung oder das Selbstwertgefühl ausschließlich über den Partner definiert, ist das zu wenig. Wir brauchen etwas, das uns selbst erfüllt, denn daraus wächst Selbstwertgefühl. Wer sich beispielsweise nur über die Rolle als Mutter definiert, wird irgendwann das eigene Leben und die eigene Wertigkeit vermissen. Wir dürfen diese Verantwortung nicht komplett auf unser Gegenüber abladen. Constanze hat durch den übernommenen Betrieb zwar einen Platz in der Welt und wird für ihre Arbeit wertgeschätzt, aber auch das reicht nicht aus. Sie weiß eigentlich nicht mehr, wer sie ist.

teleschau: ... und was nährt Ihr Selbstwertgefühl, Frau Neuhauser?

Neuhauser: Dank meines wunderbaren Berufs habe ich immer wieder das Glück, mich auszuprobieren – in den unterschiedlichsten Lebenskonzepten, mit verschiedenen Ansprüchen und Wertigkeiten. Dafür muss ich regelmäßig über meine Komfortzone hinausgehen und mich herausfordern, um den Kern der Wahrheit einer Figur zu erfassen. Das lehrt mich viel, auch für mein persönliches Leben. Und weil mein Beruf mit Sichtbarkeit zu tun hat, muss ich lernen, damit umzugehen. Die Wertschätzung meines Umfelds hilft mir wiederum, mich selbst wertzuschätzen.

"Ich bin keine herkömmliche Schönheit"

teleschau: Werden Sie als Frau in der Filmbranche auf Äußerlichkeiten oder das Alter reduziert?

Neuhauser: Nein, bei mir ist das nicht so, denn ich bin keine herkömmliche Schönheit. Man hat mich immer als kantige Charakterdarstellerin besetzt. Diese typischen weiblichen Attribute wurden bei mir selten angewandt. Dadurch musste ich mich mit meiner Hässlichkeit, Schrägheit, Wucht und Energie auseinandersetzen – und auch aushalten.

teleschau: Gelingt Ihnen das, sich "in dieser Energie auszuhalten"?

Neuhauser: Ich brauche zwar vier Anläufe, um mich auszuhalten (lacht) – aber ja, es gelingt.

teleschau: Wie haben Sie es geschafft, die intimen Szenen so authentisch zu spielen?

Neuhauser: Für mich war es keine leichte Aufgabe, mich da einfach hineinfallen zu lassen, denn ich hatte auch Bedenken. Umso wichtiger waren die intensiven Gespräche mit dem wunderbaren Regisseur Dirk Kummer, meinem großartigen Partner Manuel Rubey und dem Kameramann Axel Püringer. Wir legten genau fest, was wir zeigen und erzählen wollen. Das Ergebnis ist sehr poetisch und sinnlich geworden. Natürlich muss man ein bisschen Haut sehen, aber wir müssen nicht den gesamten Akt explizit zeigen, damit die Zuschauenden verstehen, was passiert. Trotzdem hatten wir großen Respekt vor diesen Szenen und ich auch ein bisschen Bammel.

teleschau: Warum?

Neuhauser: Da ich in solchen Szenen nicht geübt bin und als Schauspielerin nur selten welche gespielt habe, war ich sehr froh über die Intimitätscoachings. Viele Gespräche beruhigten mich schließlich. Die Coachin war auch am Set anwesend und achtete darauf, dass alles korrekt abläuft. Das Team war ebenfalls sehr respektvoll. Wenn es dann so weit ist, muss ich meine Scham ablegen, denn sonst hätten wir diese Szene gleich aussparen können. Mit Manuel fiel mir die Nähe nicht schwer, denn er ist ein sehr liebenswerter und charmanter Mensch. Es hätte mir nichts Besseres passieren können, als es mit ihm zu machen (schmunzelt).

"Ich möchte diese Komödie nicht auf sexuelle Begierde reduzieren"

teleschau: Warum macht eine lustvolle, reife Frau die meisten so nervös?

Neuhauser: Wahrscheinlich, weil wir es schlicht nicht gewohnt sind. Oft denken wir es nicht einmal, es taucht gar nicht richtig auf – so wie Constanze ohne Karin wohl nie auf die Idee gekommen wäre, sich einen Callboy zu angeln. Gerade deshalb ist der Film gut: Er eröffnet eine andere Sicht auf die Welt, mehr Leichtigkeit und Wertschätzung für Frauen. Warum sollte eine Frau kein Verhältnis haben? Der Film attackiert ziemlich eingefahrene Ideale.

teleschau: ... und reiht sich damit hinter Ihren Filmen "Faltenfrei" und "Ungeschminkt" ein. Erheben Sie den moralischen Zeigefinger, offener und toleranter zu sein?

Neuhauser: Nein, ich mag den moralischen Zeigefinger gar nicht. Kunst und Film können vielmehr eine Tür öffnen, durch die wir die Welt mit anderen Augen sehen. Und ich möchte diese Komödie nicht auf sexuelle Begierde reduzieren. Im Grunde geht es darum, sich selbst zu finden und zu erkennen, ob das, was man ist, zu den eigenen Sehnsüchten passt. Das sind wir uns – und der Welt – schuldig. Und wir haben dieses Recht, wir Frauen genauso wie alle Männer.

teleschau: Was planen Sie so für Ihre Zukunft, jetzt wo Sie sich vom "Tatort" verabschiedet haben?

Neuhauser: Das Einzige, was ich überhaupt zu planen versuche, ist mehr Freizeit und mehr Ruhe, um die Dinge zu ordnen. Ich habe sehr viel gearbeitet – vor der Premiere eines Films verlangt alles nach Aufmerksamkeit und Öffentlichkeitsarbeit.

teleschau: Wenn Sie die Möglichkeit hätten, Ihrem 20-jährigen Ich eine Nachricht zu senden, was würden Sie ihm sagen?

Neuhauser: Ich würde mir mehr Selbstvertrauen wünschen. Das kann ich aus meiner jetzigen Perspektive als 67-Jährige sagen. Alles hat seine gute Seite – selbst das Schlechte, das dir widerfährt.

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