"So haben wir dich nicht erzogen": Schwiegermütter wider Willen
Balbina (Brigitte Hobmeier) und Inka Schaller (Gerti Drassl) sind stolz auf ihre gemeinsame Tochter Hedwig (Alina Schaller). Lange war sie ebenso politisch korrekt wie sie. Doch dann bringt die junge Frau unerwartet einen Mann (Julian Pichler) nach Hause, und das Chaos nimmt seinen Lauf ...
Das erste Treffen mit den zukünftigen Schwiegereltern ist an sich schon nervenaufreibend. Für Andreas Hofer (Julian Pichler) kommt in der neuen von BR und ORF koproduzierten Komödie "So haben wir dich nicht erzogen" (Regie: Michael Kreihsl, Buch: Uli Brée) jedoch noch ein weiteres erschwerendes Detail dazu: Seine zukünftige Braut Hedwig Schaller (Alina Schaller) ist die Tochter zweier Mütter, entstanden durch künstliche Befruchtung. Das allein ist kein Problem für den jungen Mann, doch scheinen sowohl Balbina (Brigitte Hobmeier) als auch Inka (Gerti Drassl) dem anderen Geschlecht mit einer ausgesprochenen Grundskepsis zu begegnen.
Insbesondere Balbina macht aus ihrem Misstrauen keinen Hehl, sondern kämpft vielmehr lautstark gegen jede noch so kleine Form der Frauenunterdrückung lautstark an: "Bei der Sprache beginnt die institutionalisierte Machtausübung und Bevormundung im Geschlechterverhältnis der patriarchalen Herrschaft", erklärt sie ihrer Partnerin. Nach einer eher erfolglosen "genderfizierten Version der Zauberflöte" arbeitet sie derzeit an einer Neuauflage der Bibel, und die klingt dann so: "Und Gott schuf den Mensch nach seinem Bild und Gleichnis, als androgyn, bigender, queer, nicht binär ..." Bedenken ihrer Partnerin, ob das vielleicht ein bisschen zu kompliziert sei, lässt sie nicht gelten: "Entschuldige bitte, wie soll ich die Bibel gendern ohne zu gendern? Ich kann doch nicht einfach 'Mann und Frau' schreiben. Genau darum geht's ja."
Die Emotionen kochen hoch
Der unterhaltsame, leicht überdrehte Ton der Komödie wird in dieser Eingangsszene schon recht früh gesetzt. Was darauf folgt ist so erwartbar wie lustig: Die beiden Mütter sind von der Partnerwahl der Tochter alles andere als begeistert. Dem von Hedwig zur mentalen Unterstützung herbeigerufenen "Zusatz-Papa" Edgar (Thomas Mraz) fällt es mehr als schwer, die Wogen zu glätten. Zumal Andreas zu allem Übel auch noch einen traditionellen Heiratsantrag plant: "Wir müssen ihn loswerden", fordert Balbina. Edgar ist besorgt: "Was heißt das? Willst du ihn umbringen?" – "Nur als letzten Ausweg!"
Während die Emotionen weiter hochkochen und die Schiebetür zwischen Balbinas Arbeitszimmer und dem allgemeinen Esszimmer im Streit zunehmend energischer geschlossen und wieder geöffnet wird, lädt Hedwig eigenmächtig auch noch Andreas' Eltern (Carmen Gratl, Roland Silbernagl) aus einem eher traditionellen Teil Tirols zu sich nach Hause ein ...
Gegen alle Klischees
"So haben wir dich nicht erzogen" ist eine kluge, turbulente und auf eine fiese Art sehr unterhaltsame Komödie, in der unterschiedliche Weltbilder und Wertvorstellungen krachend aufeinanderprallen. Als Orientierung diente, laut Hauptdarstellerin Gerti Drassl, die US-amerikanische Rom-Com "Guess Who's Coming to Dinner". Katharine Hepburn spielte damals eine Tochter aus gutbürgerlichem Haus, die ihre angeblich weltoffenen Eltern mit ihrem nicht-weißen Zukünftigen (Sidney Poitier) schockte. Im neuen Ansatz von Drehbuchautor Uli Brée ("Faltenfrei") ist es nun die betont weltoffene und tolerante Wienerin Balbina, die die größten Vorurteile gegenüber Männern hegt, während die auf den ersten Blick traditionsbewusst erscheinenden Provinzler mit den zukünftigen Schwiegermüttern ihres Sohnes eher weniger Probleme zu haben scheinen.
Auch wenn die erzählte Geschichte am Ende dann doch von ein wenig zu vielen Zufällen ausgeht, um glaubhaft zu bleiben, so inspiriert der Film letztlich vielleicht doch den ein oder anderen, mal ein Stück weit über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und die eigenen Vorurteile zu überdenken.
So haben wir dich nicht erzogen – Mi. 18.03. – ARD: 20.15 Uhr