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Tarifkonflikt mit Folgen: Nahverkehr in vielen Städten lahmgelegt

Stern 

Zum zweiten Mal in dieser Woche bleiben Busse und Stadtbahnen vielerorts in den Depots. Die jüngste Warnstreikwelle erreicht einen Höhepunkt. Sie ist aber noch nicht zu Ende.

Keine Stadtbahnen und nur wenige Busse: In diversen Städten von Nordrhein-Westfalen ist der Nahverkehr weitgehend lahmgelegt. Die Gewerkschaft Verdi hat in allen Regionen von Nordrhein-Westfalen Beschäftigte in zahlreichen Nahverkehrsbetrieben zum Warnstreik aufgerufen.

Busse und Stadtbahnen stünden in den bestreikten Betrieben von der frühesten Frühschicht bis zur spätesten Spätschicht weitgehend still, erklärte die Gewerkschaft. Nur die Stadtwerke Münster würden nicht bestreikt. Bereits am Dienstag (17. März) hatten Arbeitsniederlegungen des Fahrpersonals in vielen Städten zu umfangreichen Ausfällen im kommunalen Nahverkehr geführt. 

Teilausfälle am Freitag möglich

Warnstreiks im kommunalen Nahverkehr können auch an diesem Freitag (20. März) in vielen Städten zu Einschränkungen bei Bus und Bahnen führen. Verdi ruft in ausgewählten Betriebshöfen von etlichen Nahverkehrsbetrieben Mitarbeiter zu Arbeitsniederlegungen auf, wie eine Sprecherin sagte. 

Je nach betroffenem Standort kann es nach Einschätzung der Gewerkschaft zu Einschränkungen auf einzelnen Linien und Strecken kommen. In kleineren Unternehmen sei teilweise auch das gesamte Streckennetz betroffen. 

Wo werden Betriebshöfe bestreikt? 

Die Liste der Nahverkehrsbetriebe, deren Streckennetz durch den geplanten Warnstreik in bestimmten Betriebshöfen am Freitag betroffen sein könnte, umfasst rund 20 Unternehmen. Darunter befinden sich unter anderem die Stadtwerke Bonn, die KVB (Köln), die Rheinbahn (Düsseldorf), die Dortmunder Stadtwerke, die Bogestra im mittleren Ruhrgebiet und die Stadtwerke Hamm. 

Welche Verkehrsalternativen gibt es? 

Erfahrungsgemäß fahren zumindest einige Busse privater Subunternehmer, wenn Busse und Stadtbahnen in den Depots bleiben. S-Bahnen und Regionalzüge sind nicht vom Tarifkonflikt im Nahverkehr betroffen und können etwa in Großstädten genutzt werden, um ein großes Stück voranzukommen. Der ADAC rät zu Fahrgemeinschaften und für Kurzstrecken zum eigenen Fahrrad oder zu Sharing-Angeboten wie etwa Leihräder oder auch Elektroscooter. 

Müssen Schulkinder trotzdem zur Schule? 

Das NRW-Schulministerium hatte bei vorangegangenen Warnstreiks im Nahverkehr darauf hingewiesen, dass Schulpflicht besteht: "Bei im Vorfeld angekündigten Ereignissen wie einem Streik des öffentlichen Nahverkehrs besteht die Verpflichtung zur Teilnahme am Unterricht auch weiterhin." 

Warum werden Verkehrsbetriebe bestreikt? 

Im Tarifkonflikt im kommunalen Nahverkehr geht es um die Arbeitsbedingungen der etwa 30.000 Beschäftigten in rund 30 Nahverkehrsbetrieben in NRW. In zwei Verhandlungsrunden ist bislang keine Einigung erzielt worden. Die dritte Tarifrunde beginnt am 24. März. Durch Warnstreiks ist in den vergangenen Wochen und Tagen mehrfach der Nahverkehr vielerorts lahmgelegt worden. 

Arbeitszeit im Fokus 

Verdi NRW will die wöchentliche Arbeitszeit von 39 auf 37 Stunden bei vollem Lohnausgleich verkürzen. Die Ruhezeit zwischen zwei Schichten soll außerdem von 10 auf 11 Stunden erhöht werden. Der Zuschlag für Sonntagsarbeit soll von 25 Prozent des Stundenentgelts auf mindestens 40 Prozent steigen. 

Arbeitgeber halten Forderungen für überzogen 

Der Kommunale Arbeitgeberverband Nordrhein-Westfalen wirft Verdi seit Wochen vor, die Augen vor der desolaten Finanzlage der Verkehrsbetriebe zu verschließen. Die Tarif- und Entgeltbedingungen hätten sich schon deutlich verbessert, der Nahverkehr biete bereits attraktive Arbeitsplätze. 

Viele Betroffene 

Die kommunalen Nahverkehrsbetriebe in NRW befördern nach einer früheren Einschätzung des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen pro Tag im Durchschnitt etwa fünf Millionen Fahrgäste. Da es oft Hin- und Rückfahrten sind, könnten es etwa 2,5 Millionen tägliche Nutzer im Nahverkehr sein.

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