Heidelberger Druckmaschinen an der Börse: Das "neue Heidelberg" wird langsam sichtbar
Von Thomas Veigel
Wiesloch. Druckmaschinen-Chef Rainer Hundsdörfer lässt sich von den Irritationen an der Börse wegen der aktuellen Geschäftszahlen nicht aus der Ruhe bringen. Dieses Jahr und auch das nächste seien Übergangsjahre, da könne es auch mal zu Pilgerschritten kommen: ein Schritt vor, zwei Schritte zurück. Der Umbau des Unternehmens hin zu einem digitalen Unternehmen geschehe nicht über Nacht, das brauche Geduld und Zeit. "Aber unsere mittelfristige Prognose halte ich für ganz sicher, die könnte sogar übertroffen werden, vor allem in Bezug auf die Profitabilität."
Die Aktie war in diesem Jahr stark gestiegen, konnte das im Oktober erreichte Hoch von 3,60 Euro nicht halten und war in der vergangenen Woche unter drei Euro gefallen. In dieser Woche pendelte die Aktie um 2,90 Euro.
Einige Analysten hatten die Zahlen zum zweiten Quartal etwas kritischer kommentiert. Befürchtungen, dass es zu einer Umsatzwarnung kommen könnte, wurden laut. "Ich habe nicht gesagt, dass wir unsere Prognose eines stabilen Umsatzes nicht erfüllen können, ich habe nur auf Risiken hingewiesen", sagte Hundsdörfer. "Wir müssen uns anstrengen, dass wir die Prognose erfüllen." Langfristig werde es bei den konventionellen Druckmaschinen kein Wachstum geben, kurzfristig sei das Geschäft aber sogar leicht positiv. Die Aktionäre forderte Hundsdörfer auf, Geduld aufzubringen: "Es wird sich lohnen".
Im Unternehmen werde derzeit an hunderten Stellschrauben gedreht. "Es dauert, bis das Wirkung zeigt." Das klassische Maschinengeschäft sei volatil, deshalb investiere man in nicht konjunkturabhängige Geschäfte. Das Betreiber- oder Subskriptionsmodell ist ein Beispiel. Heidelberger Druck wird dabei nicht mehr die Maschine und die Farben verkaufen, sondern stellt das Equipment und das Material zur Verfügung und wird pro gedrucktem Bogen bezahlt. Es werde allerdings einige Jahre dauern, bis sich dieses Modell etabliert habe.
Rainer Hundsdörfer gab gestern einigen Gästen Einblick in das "neue Heidelberg". Größte Baustelle auf dem riesigen Werksgelände in Wiesloch und Walldorf ist das Innovationszentrum, das gerade in der Halle 10 entsteht. Auf 36.000 Quadratmetern werden in Zukunft rund 900 Mitarbeiter neue Produkte und Technologien erforschen und entwickeln.
In der hell gewordenen Halle - in die nach einem Vorstandsbeschluss gerade dachhohe Glasflächen eingebaut werden - entstehen auf zwei Dritteln der Fläche 13 sogenannte Quartiere für jeweils 80 Mitarbeiter mit Büros, Besprechungszimmer, Cafeteria und sanitären Einrichtungen. Ein Drittel der Fläche sind für Labore und Maschinentests vorgesehen. In der Mitte der Halle wird es eine "Grünfläche" als Kommunikationszentrum geben - ähnlich wie heute das Atrium in Forschungs- und Entwicklungszentrum in Heidelberg. Der Umzug von Heidelberg nach Wiesloch in das Innovationszentrum ist für Weihnachten 2018 geplant.
In Halle neun hat das Unternehmen die neuen Geschäfte angesiedelt. Hier wird die Wallbox, die Stromtankstelle für Elektroautos, im nächsten Jahr in Serie gehen, hier wird der Bigrep, eine 3D-Druckmaschine für ein Berliner Start-Up gebaut - und es ist noch genug Platz für neue Produkte, für die Josef Schell und seine Mannschaft der "Digital Platforms" Aufträge und Partner suchen.
In Halle 11 werden nicht mehr nur die Druckmaschinen für die "ganz großen Formate" gebaut, hier hat auch die Serienfertigung der Gallus Labelfire, einer digitalen Etikettendruckmaschine, begonnen.
Im Gang daneben steht eine "Primefire", das neue Flaggschiff des Unternehmens, die erste digitale Druckmaschine im industriellen Format. Im kommenden Jahr beginnt die Serienproduktion, die Kapazität von derzeit jährlich etwa 12 Maschinen ist bereits für zwei Jahre ausgelastet.