Ministerium für Glück und Wohlbefinden: Passanten an sich gedrückt - Aktion in Heidelberg
Von Julian Weber
Heidelberg. Etwas mehr als acht Sekunden. Länger dauert es nicht, um einen Menschen mit einer Umarmung glücklich zu machen. Das liegt daran, dass das Glückshormon Oxytocin ausgeschüttet wird. Deshalb waren am Donnerstag Vertreter der Körperwelten-Ausstellung in der Altstadt unterwegs, um die Heidelberger zu umarmen - und so glücklich zu machen. Wer Lust hatte, konnte sich auf der Alten Brücke und dem Marktplatz von der selbst ernannten "Glücksministerin" Gina Schöler drücken lassen. Die Kommunikationswissenschaftlerin gründete vor fünf Jahren das "Ministerium für Glück und Wohlbefinden" in Mannheim. Von dem ehemaligen Studentenprojekt kann die 31-Jährige heute leben.
Aber was hat es damit auf sich? "Das Ministerium ist eine bundesweite Initiative, die auf ganz unterschiedliche Art und Weise mit kreativen Aktionen die Menschen dazu animiert, sich Gedanken zu machen, was ihnen im Leben wichtig ist, welche Werte zählen und was einen persönlich glücklich macht", sagt Schöler. Ziel sei, den Fokus wieder auf das gesellschaftliche und das persönliche Wohl zu richten.
Inspiriert sei das ehemalige Studentenprojekt vom Land Bhutan. "Wir haben damals gemerkt, dass in Bhutan etwas sehr gut läuft, was bei uns noch Entwicklungsbedarf hat. Und zwar, dass jeder aus seinem Hamsterrad mal rauskommt", sagt Schöler. In Bhutan werden regelmäßig Glücksumfragen durchgeführt, um das "Bruttonationalglück" zu messen. So sei es auch zu der provokativen Metapher des Ministeriums gekommen. Für die Passanten bringt die Aktion auch eine materielle Form von Glück mit sich. Wer sich umarmen lässt, bekommt eine Freikarte für die Körperwelten-Ausstellung "Anatomie des Glücks". Seit September ist die Dauerausstellung im Alten Hallenbad zu sehen.
"In der Ausstellung wird gezeigt, was Glück für den Köper bedeutet und wie es gebildet wird. Glück ist eigentlich nur eine Kombination von verschiedenen Hormonen, die im Kopf wirken", sagt Jeanette Luley vom Heidelberger Institut für Plastination. Zum Beispiel seien Sport, gesundes Essen und Lachen wichtige Aspekte für das eigene Glücksempfinden.
"Das alles sind bunte Facetten, die in der Ausstellung gezeigt werden", sagt Luley. Aber auch das Unglück komme in der Ausstellung vor, wie etwa das "Broken-Heart-Syndrom". Bei einer solchen Krankheit habe man Anzeichen eines Herzinfarkts, obwohl es "nur" ein gebrochenes Herz sei. "Dieser Kummer ist nicht zu unterschätzen. Lange Zeit wurde das von den Ärzten aber nicht wirklich ernst genommen", sagt Luley.
Wer nicht in der Altstadt war, um sich umarmen zu lassen, kann übrigens immer noch Glück haben: Einige Freikarten wurden an einem mit Helium gefüllten Ballon befestigt und auf die Reise geschickt. So sollen sie für glückliche Finder sorgen.