Harald zur Hausen wird Ehrenbürger: "Ich bin ein Heidelberger"
Von Birgit Sommer
"Nach 35 Jahren in Heidelberg fühlen wir uns mit dieser Stadt verwachsen", bekannte Prof. Harald zur Hausen auch gleich für seine Ehefrau, Prof. Ethel-Michèle de Villiers, mit, als ihm im Großen Rathaussaal von Oberbürgermeister Eckart Würzner das Ehrenbürgerrecht verliehen wurde. Sein Eintrag in das Goldene Buch der Stadt sprach von seiner Wertschätzung: "Es ist ein Glück, in dieser schönen Stadt mit ihrer langen akademischen Tradition arbeiten und wirken zu dürfen."
Der Medizin-Nobelpreisträger Harald zur Hausen (81) ist neben Alt-OB Beate Weber-Schuerholz - sie schickte Grüße vom kanadischen Vancouver Island nach Heidelberg - der einzige lebende Ehrenbürger der Stadt, der 71. seit dem Jahr 1819. Der gebürtige Gelsenkirchener kam 1983 als Stiftungsvorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) nach Heidelberg und machte die Einrichtung zu einer der fünf weltweit führenden Krebsforschungsinstitutionen, wie OB Eckart Würzner in seinem Grußwort unterstrich. Er sprach natürlich auch von der beeindruckenden Karriere des Wissenschaftlers, der 1976 in Erlangen erstmals publiziert hatte, dass Humane Papillomaviren (HPV) Gebärmutterhalskrebs verursachen. "Mit Ihrer Theorie haben Sie ein Stück Medizingeschichte geschrieben", sagte Würzner. Dass sich Harald zur Hausen hier gegen die herrschende Lehrmeinung durchsetzte, war auch für das Stockholmer Nobelpreiskomitee 2008 ein Grund, ihn mit dem Nobelpreis für Medizin auszuzeichnen - und sicherlich die Tatsache, dass es seit 2006 Impfstoffe gegen die wichtigsten HP-Virentypen gibt. Unendliches Leid kann so weltweit verhindert werden; schon mehr als 200 Millionen Frauen haben diesen Impfschutz erworben.
"Wir sind stolz und glücklich, dass Ihr Name mit unserer Stadt verbunden ist", bekannte Eckart Würzner. "Wir möchten nicht nur Ihre Verdienste in der Krebsforschung und zur Stärkung des Forschungsstandortes würdigen, sondern auch Ihre Funktion als glänzendes Vorbild für die junge Generation."
Die Laudatio zur Verleihung des Ehrenbürgerrechtes hielt ein früher Weggefährte, Prof. Bernhard Fleckenstein von der Universität Erlangen-Nürnberg. Er hatte in den 1970er Jahren eine Assistenten-Stelle an dem für Harald zur Hausen eingerichteten Lehrstuhl für Klinische Virologie ergattert. "Wir erlebten die Geburtsstunde der humanen Papillomvirus-Onkologie ganz unprätentiös auf elf Quadratmetern im winzigen Cheflabor", berichtete er. Damals habe die Fachwelt noch den Herpes-simplex-Virus als Ursache von Gebärmutterhalskrebs angesehen. "Der erfolgreiche Weg bis zum weltweit angewandten Tumor-Impfstoff sucht seinesgleichen in der Virologie." Fleckenstein erinnerte daran, dass zur Hausen für seine Entdeckungen keine wirtschaftlichen Vorteile beanspruchte und dass das Milliarden-Geschäft mit der Impfung durch Lizenzen in den USA gemacht werde. Die Umstrukturierung des DKFZ, der Einsatz für die Forschungsförderung in Deutschland - all das brachte der Erlanger Virologe zur Sprache.
Der neue Heidelberger Ehrenbürger gab sich dann ganz bescheiden ob der Lobeshymnen: "Ich habe mich nicht richtig wiedererkannt." Er schätze die hohe Ehre, sagte Harald zur Hausen und bekannte in Anlehnung an die Rede des US-Präsidenten John F. Kennedy in Berlin: "Ich bin ein Heidelberger." Sein Dank galt seiner Ehefrau, die viele Jahre lang mit ihm zusammen forschte, und seine Freude war groß, dass seine drei Söhne die Auszeichnung in Heidelberg mit ihm feierten.