Neckar-Odenwald-Kreis: Konjunkturmotor läuft auf vollen Touren
Von Burkard Gassenbauer
Neckar-Odenwald-Kreis. Der Konjunkturmotor in Deutschland brummt, und auch für die heimische Wirtschaft läuft es derzeit allenthalben rund: Wie im alljährlichen Pressegespräch des Unternehmenskreises Buchen am Donnerstag herausgestellt wurde, bewerten rund 95 Prozent der Betriebe im IHK-Bezirk Rhein-Neckar ihre Geschäftslage als gut oder zumindest befriedigend, das war zuletzt vor zehn Jahren - vor der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise - so. Beim Blick auf die aktuelle Situation in den Unternehmen im Neckar-Odenwald-Kreis und auf die Zukunftsaussichten zeigt sich ein ähnliches Bild: Die Stimmung ist durchweg gut, die Geschäftserwartungen für die nächsten zwölf Monate sind hoch, die Beschäftigungspläne positiv.
Beim Treffen der Repräsentanten von Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen im Neckar-Odenwald-Kreis - darunter Global Player - und der Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar wird alljährlich zum Jahresende ein aktuelles Bild der heimischen Wirtschaft gezeichnet und Ausblick gehalten. Nachdem im Vorjahr an gleicher Stelle trotz Brexit, unwägbarer Folgen der US-Wahl und Krisen in etlichen Teilen der Welt durchweg zuversichtlich nach vorne geblickt worden war, zeigte sich bei der Zusammenkunft des Unternehmenskreises am Donnerstag im "Prinz Carl" in Buchen, dass der Optimismus berechtigt war: "Es sieht gut aus in der heimischen Wirtschaft", stellte der Sprecher des Unternehmenskreises, Christoph Schneider (Odenwälder Kunststoffwerke Buchen), eingangs mit Zufriedenheit fest.
Dies bekräftigte der Geschäftsführer der IHK Mosbach, Bernhard Kraft, der zusammen mit IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Axel Nitschke am Treffen teilnahm, bei der Vorlage der Daten aus der jüngsten Konjunkturbefragung, die die Kammer in über 500 in der Region Rhein-Neckar, also von Hardheim bis Mannheim, ansässigen Unternehmen in allen Wirtschaftszweigen durchgeführt hat.
Die Umfrage bestätige: "Der Konjunkturmotor läuft auf vollen Touren", die Konjunkturdaten in Deutschland seien gut, "aber bei uns sind sie noch besser", betonte Kraft mit Blick auf die Ergebnisse der Erhebung.
Demnach bewerten insgesamt 94 Prozent der befragten Unternehmen ihre Geschäftslage als gut (57 Prozent) oder zumindest befriedigend. Der Anteil derer, die ihre Lage als schlecht einschätzen, hat sich seit September 2016 von neun auf sechs Prozent reduziert.
In der Industrie sehen gar 61 Prozent die Geschäftslage als gut (September 2017: 47 Prozent) und nur vier Prozent (Vorjahr: neun) als schlecht, bei den Dienstleistern sprechen 57 Prozent von "gut" (Vorjahr: 46 Prozent) und fünf Prozent (Vorjahr: neun) von "schlecht". Im Handel hat sich der Anteil der Betriebe, die ihre Lage als gut bezeichnen, gegenüber dem Vorjahr um vier auf 43 Prozent erhöht; freilich heißt es im Handel bei 15 Prozent (Vorjahr: 14), dass die Lage schlecht sei.
Insgesamt allerdings sei, so Kraft, die Stimmung in der heimischen Wirtschaft ausgezeichnet, der Optimismus bleibe ungebrochen. Dies zeigt sich auch daran, dass sich die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate auf dem Niveau der Vorjahresumfrage bewegen und weiterhin überdurchschnittlich hoch sind. So geben 32 Prozent der befragten Unternehmen ihre Erwartungen als "besser als im Vorjahr" an, 58 Prozent rechnen mit einer gleichbleibenden Konjunktur.
In den Industrieunternehmen, die maßgeblich das positive aktuelle Gesamtbild prägen, sind die Erwartungen für die nächste Zukunft bei insgesamt 90 Prozent gleichbleibend oder gar besser (32 Prozent) als im Vorjahr, bei sieben Prozent (Vorjahr: zehn) sehen die Erwartungen schlechter aus.
Der Konjunkturklimaindex habe um nochmals drei Punkte zugelegt. Wie Kraft in diesem Zusammenhang und mit Hinweis auf die im Vorjahr genannten Unwägbarkeiten feststellte, blickt der Großteil der Unternehmen "gelassen" nach vorn, wenngleich beispielsweise der Brexit-Prozess nach wie vor für Unsicherheiten sorge.
Wie Kraft weiter unterstrich, ist die Investitionsbereitschaft hoch, jedes vierte Unternehmen wolle - zum Teil kräftig - investieren, die Beschäftigungspläne bleiben, wenngleich etwas abgeschwächt, positiv, in 23 Prozent der Unternehmen im IHK-Bezirk werde eine Personalaufstockung angestrebt.
Wie insgesamt in der Region gebe auch die Wirtschaft im Neckar-Odenwald-Kreis ein robustes Bild ab; es laufe hier durchweg gut und auf hohem Niveau. Der leichte Umsatzrückgang in der Industrie im Kreis, wo ein Minus von 1,3 Prozent verzeichnet wurde, während es im Bezirk ein Plus von 4,7 und im Landesschnitt einen Zuwachs von 0,6 Prozent gab, trübe das Gesamtbild ebenso wenig wie das Minus von 1,1 Prozent beim Exportumsatz (Landesschnitt: minus 1,2 Prozent; Bezirk: plus 3,0 Prozent). Produkte "Made in Neckar-Odenwald-Kreis" seien weltweit gefragt und wettbewerbsfähig.
Als ein Hemmschuh für die weitere wirtschaftliche Entwicklung beschreiben, wie Kraft weiter herausstellte, nicht wenige Betriebe den Facharbeitermangel, der zusehends auch im ländlichen Raum spürbar werde. Immer mehr Firmen haben demnach Schwierigkeiten, freie Stellen zu besetzen. Die Ausbildungsbereitschaft der heimischen Wirtschaft sei groß; bei den Lehrstellen im Kreis habe es im kaufmännischen Bereich ein Plus von 8,8 und im gewerblich-technischen Bereich ein Plus von 3,1 Prozent gegeben. Allerdings werde es immer schwieriger, geeignete Bewerber zu gewinnen. Aus den Reihen der Flüchtlinge könne der Bedarf vor allem mangels ausreichender Sprachkenntnisse mittelfristig kaum gedeckt werden.
Neben dem Fachkräftemangel, der beim Blick in die Zukunft erstmals als größter Risikofaktor genannt wird, sehen die Unternehmen in steigenden Arbeits-, Energie- und Rohstoffkosten Unwägbarkeiten für die Zukunft.