Den Bock umgestoßen: Adler brechen mit 7:3-Sieg in Wolfsburg den Auswärts-Bann
Von Rainer Kundel
Wolfsburg. Bill Stewart, der viele Jahre im deutschsprachigen Raum in Lohn und Brot stand, freundet sich nach wie vor nur begrenzt mit der deutschen Sprache an. Vor dem gestrigen Spiel der Adler Mannheim bei den Grizzlys Wolfsburg fügte der Trainer seinem Sprachschatz ein weiteres Wort hinzu: "Den Bock umstoßen" - gemeint war, dass die unheilvolle Auswärtsserie seiner Mannschaft mit elf Niederlagen in Folge ein Ende haben sollte. Dass es endlich so weit war, hatten die Adler vor allem ihrem jungen Torjäger Phil Hungerecker zu verdanken, der beim 7:3 (3:3, 3:0, 1:0) - Erfolg im Allerpark seine Saisontreffer 15 bis 17 erzielte.
Gift und Galle, ständige Scharmützel, neun Strafzeiten und ein Spiel fern jeder taktischen Ordnung, 45 Minuten Bruttospielzeit im ersten Drittel und sechs Tore obendrauf nach 20 Minuten - das ist eine Kurzbeschreibung des ersten Drittels im Wolfsburger Allerpark, wo die Adler beim Zwischenstand von 3:3 dreimal eine Führung hergaben. Während der Mannheimer Treffer durch Andrew Desjardins (3./ Überzahl), Phil Hungerecker (8./ Direktabnahme auf Festerling-Pass) und nochmals Desjardins (14./ nach Solo Plachta) schön herausgespielt etwas fürs Auge waren, vereinigten die VW-Städter nach fünf Niederlagen in Folge die typischen Tugenden einer Pavel Gross-Mannschaft und arbeiteten ihre "dreckigen" Tore aus dem Slot hinein, wo es Prinzip war, dass sich ein Wolfsburger Akteur vor Dennis Endras aufbaute und ihm die Sicht nahm.
Ärgerlich beim Tag des offenen Scheunentors vor allem der zweite Gegentreffer, als der Pass von Dehner vom Schlittschuh von Sinan Akdag den Weg über die Linie fand. "Das war Eishockey wie mit Freunden auf dem zugefrorenen See", befand TV-Experte Herbert Vasiljevs, der frühere Topscorer aus Krefeld, "es hätte auch 6:6 stehen können".
Nach der ersten Pause verordneten sich die Kontrahenten doch etwas mehr Ordnung bei ihrer Abwehrarbeit. Die Blau-Weiß-Roten störten früher, vermieden Strafen und trafen durch den im Abschluss coolen Hungerecker (33./36.) sowie Chad Kolarik binnen fünf Minuten gleich dreimal. Hungerecker profitierte zunächst von einem geschickten Sparre-Zuspiel, wenig später verlud der 23-Jährige ganz im Stil eines Torjägers Keeper Kuhn nach einem Solo. Genervt ließ der Goalie schließlich trotz freier Sicht einen Distanzschuss Kolarik-Schuss über den Arm rutschen.
Pavel Gross reagierte und nahm Brückmann zum Schlussabschnitt zwischen die Pfosten. Auf dem Eis wurde nun merklich sachlicher zu Werke gegangen. Nach einem kurzen Aufbäumen der Niedersachsen, während dessen Endras Höhenleitner den Zahn zog, beseitigte Luke Adam (52.) die Restzweifel am ersten Auswärtssieg seiner Mannschaft seit dem dritten November.
Wenn die Konkurrenz mitspielt, können die Adler - ein Heimsieg gegen die Iserlohn Roosters vorausgesetzt - am Sonntag schon Sechster werden. Verrückte Deutsche Eishockey-Liga!
Grizzlys Wolfsburg - Adler Mannheim 3:7 (3:3, 0:3, 0:1); Tore: 0:1 Desjardins (3.), 1:1 Aubin (6.), 1:2 Hungerecker (8.), 2:2 Dehner (12.), 2:3 Desjardins (14.), 3:3 Pfohl (14.), 3:4 Hungerecker (33.), 3:5 Hungerecker (36.), 3:6 Kolarik (38.), 3:7 Adam (52.); Schiedsrichter: Bauer (Höchstadt), Kopitz (Iserlohn); Strafminuten: 12/14; Zuschauer: 3117.