Mathilde-Vogt-Haus: Hundesuch-Aktion auf Seniorenfährte
Von Maria Stumpf
Heidelberg. Jetzt wird’s spannend: Hund "Happy" ist am Start und nimmt sofort die Spur auf. Fremde Menschen um ihn herum, unbekannte Gerüche. Seine Aufgabe: Der junge Schäferhund-Mischling soll Inge Rätsch finden. Bis vor kurzem saß die alte Dame mit vielen anderen Bewohnern des Mathilde-Vogt-Hauses im Aufenthaltsraum. Jetzt ist sie verschwunden. Wohin? An der Schleppleine von Karin Rossmanith vom Hundezentrum Steinachtal zieht Happy los. Die Arbeit der Spürnase beginnt.
Das Mathilde-Vogt-Haus ist an diesem Tag auf den Hund gekommen: "Trailen" im Altersheim nennt sich die Aktion - und "Mantrailing" heißt die Suche nach einem ganz bestimmten Menschen anhand seines Geruchs. Die gemeinsame Beschäftigung von Hund und Mensch findet immer mehr Freunde. Die rund zweijährige Ausbildung in der Personenspurensuche gibt es nicht nur für Tiere in professionellen Polizei- und DRK-Rettungshundestaffeln. "Das wären dann noch einmal besondere Prüfungen", erklärt Trail-Trainerin Karin Rossmanith.
Sie betreut die Heidelberger Gruppe der Hundeschule aus dem Odenwald. "Wir trainieren privat an wechselnden Orten, in Heidelberger Stadtteilen, in Industriegebieten, auf der Thingstätte, im Alt-Klinikum, auf dem Ehrenfriedhof oder eben in Altenheimen. Das macht einfach viel Spaß." Und es fordert und fördert die geistige Auslastung der Tiere. Das gilt auch bei einem besonderen Service der Hobby-Schnüffelnasen: Zusätzlich zur Personensuche ist die Hundeschule unter dem Motto "Tiersuchstaffel 24/7" ehrenamtlich im Einsatz, wenn Tiere entlaufen sind und gefunden werden sollen. "Dafür bieten wir unsere Hilfe an. Und auch dafür muss immer wieder geübt werden", heißt es.
So ziehen also alle Beteiligten dieses Tages ihren Gewinn aus der Aktion. Gisela Griesheimer und Regina Noschka vom Team der Beschäftigungstherapeuten im Mathilde-Vogt-Haus überlegen sich immer mal wieder Abwechslungen für den Alltag im Altenheim, und die Bewohner freuen sich sichtlich über den tierischen Besuch. "Happy" hat im zweiten Stock längst Frau Rätsch gefunden und wird mit Leckerlis belohnt. "Ach, ist das lieb", seufzt die 88-Jährige und streichelt den Hund. "Danke, dass du da warst", sagt sie - und Happy wedelt mit dem Schwanz.
Unterdessen warten andere Altenheim-Bewohner im Erdgeschoss noch auf ihren Einsatz als "Such-Opfer". Sie haben heute gleich doppelte Unterhaltung: Bis sie dran sind, spielen sie mit Schülern des Bildungszentrums des Internationalen Bundes Gesellschaftsspiele, die diese in Eigenarbeit hergestellt haben. "Das ergänzt sich doch irgendwie heute", meint Griesheimer.
Und schon geht es in die nächste Runde mit der herausfordernden Arbeit der Vierbeiner. Für die Bayrische Gebirgsschweißhündin Ida scheint es nichts Schöneres zu geben. Sie schnuppert sich sofort in das richtige Versteck, der Australien Shepherd Gipsy muss für Heimbewohnerin Erna-Mina Jaegers hinter ihrer Zimmertür ein bisschen länger schnüffeln. Aber auch da ist die Freude groß auf beiden Seiten, als sich Mensch und Tier gefunden haben.
Als man sie vorab fragte, ob sie bei der Suchaktion mitmachen wolle, habe sie ein kleines bisschen Angst gehabt, gibt die alte Dame zu. Nun hat sie sich für diesen Tag sogar extra fein gemacht und herzt Gipsy mit einer Freundlichkeit, die sich auf das Tier sofort überträgt. Die Spuren fremder Menschen verfolgen Hunde in der Regel nur dann, wenn sie gelernt haben, dass sich dieses Verhalten für sie lohnt.
"Wir werden diese Aktion auf jeden Fall wiederholen", zieht Beschäftigungstherapeutin Gisela Griesheimer nach rund drei Stunden Bilanz. "Das hat allen gut gefallen."
Infos zur Tiersuchstaffel "24/7" gibt es im Internet unter der Adresse: www.hundezentrum-steinachtal.de