Nach Wutausbruch: Agrarminister Hauk rudert im Pestizid-Streit zurück
Von Jens Schmitz, RNZ Stuttgart
Stuttgart. Am Freitag bedauerte Landwirtschaftsminister Peter Hauk seinen Wutausbruch vom Vortag dann doch. "Ich habe in der gestrigen Situation zu emotional reagiert", räumte der Christdemokrat ein. Vorausgegangen war ein Streit um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln durch Landwirte und Winzer. "Das geht die Bevölkerung ehrlich gesagt zunächst einmal nichts an", hatte Hauk am Donnerstag vor der Presse erklärt. Von der Idee, einem "Pestizidbericht für Baden-Württemberg" des Naturschutzbundes (Nabu) zu folgen, halte er "gar nichts", so die kantige Ansage des Ministers.
Nabu-Landeschef Johannes Enssle hatte ein 42-seitiges Papier vorgestellt, das anhand von bundesweit 1300 Testbetrieben den Pestizideinsatz in Baden-Württemberg zu erschließen versucht. Die Zahlen stammen vom Quedlinburger Julius-Kühn-Institut, einer Einrichtung des Bundes-Landwirtschaftsministeriums.
Demnach werden für acht Kulturpflanzen auf 80 Prozent der Anbaufläche im Land jedes Jahr rund 2300 Tonnen Pestizide eingesetzt. Davon entfallen 56 Prozent auf Mittel gegen Pilze, 35 Prozent auf solche gegen unerwünschte Pflanzen, zwei Prozent auf Insektizide und sieben Prozent auf Wachstumsregulatoren. "Durchschnittlich ist in Baden-Württemberg der Pestizideinsatz höher als im Bundesdurchschnitt", erklärte Enssle. Das hänge wahrscheinlich mit dem Wein- und Obstbau zusammen.
Der Verband fordert, den Pestizid-Einsatz bis 2025 um 50 Prozent zu reduzieren, und hat dazu einen Zehn-Punkte-Plan vorgelegt. Allerdings gab es bislang keine Ausgangsdaten - obwohl Landwirte über die von ihnen verwendeten Pestizide Buch führen müssen. Der Nabu forderte, diese Daten anonymisiert zusammenzuführen.
Der Landwirtschaftsminister hielt davon nichts. Für eine solche Erfassung müsse der Bund die Gesetze ändern, erklärte Hauk, der mehr Bürokratie befürchtet. Außerdem kritisierte er den Begriff Pestizid. "Es gibt, wenn überhaupt, Pflanzenschutzmittel. Es geht um Kulturpflanzen, und die müssen geschützt werden."
Nach einer Nacht der Besinnung war am Freitag dann Diplomatie angesagt. Hauk betonte jetzt: "Selbstverständlich müssen wir die Verbraucher durch Transparenz und Aufklärung mitnehmen, um das Vertrauen in unsere Landwirtschaft und für die Arbeit unserer Bauern zu stärken." Es sei nicht seine Absicht gewesen, dass in der Öffentlichkeit durch seine Äußerung ein falscher Eindruck entstanden sei. "Deshalb nehme ich diese zurück." Den Bericht des Nabu will das Ministerium nun noch einmal genauer unter die Lupe nehmen.