Eppingen-Richen: Ortsumfahrung bleibt ein Reizthema
Eppingen-Richen. (guz) Es kam, wie es kommen musste: Weniger das Positive, das inzwischen Erreichte, weniger die Stebbacher Straße, der zentralen Wikingerspielplatz oder die Gestaltung des Platzes an der Endgasse standen im Mittelpunkt der Bürgerversammlung in Richen, sondern einmal mehr die Themen Verkehrsbelastung und Umgehungsstraße.
Einig sind sich Oberbürgermeister, Ortsvorsteher und die Bürger, die sich zu Wort meldeten, zwar darin, dass diese beiden Themen die Entwicklung des zweitkleinsten Stadtteils massiv behindern. Doch diese Einigkeit bringt zwar eine gemeinsame Stoßrichtung, aber eben noch lange keine Lösung.
Dass die beiden Punkte überhaupt angesprochen wurden, darin sahen OB Klaus Holaschke und Ortsvorsteher Giselbert Seitz offenbar den Vorwurf, zu wenig zu tun oder getan zu haben. Sie reagierten entsprechend dünnhäutig, obwohl ein solcher Vorwurf von keinem der Zuhörer ausgesprochen wurde. Mit "Das ist mein Lebenswerk", stellte Seitz unmissverständlich klar, dass er weiterhin für eine Ortsumfahrung kämpfen will.
"Wir bleiben dran. Das ist unser Hauptthema", versprach auch OB Holaschke, bekannte aber auch: "Vielleicht bin ich ein bisschen resigniert, ja. An dem Tunnel sehe ich momentan kein Licht!" 20 bis 25 Millionen Euro, sagte er, würde eine Umfahrung kosten, und das Land sieht dafür keine dringende Notwendigkeit. "Dieses Geld haben wir nicht", betonte Holaschke.
Wiederholt führten Bürger an, dass die enorme Verkehrsbelastung verhindere, dass Hausbesitze in der Ittlinger Straße überhaupt noch in ihre Wohnungen investieren. Als zusätzliche Hürde wurde den Denkmalschutzvorgaben kritisiert.
"Das ist das Bild dieser Ortschaft", sagte ein Richener, "und dieses Bild hat sich verschlechtert. Wenn keine Verbesserung kommt, werden diese Häuser noch schlechter." "Wir können nicht alle alten Häuser, die zu sanieren sind, aufkaufen. Das ist nicht unsere Pflicht, sonst könnten wir alle Kindergärten zumachen", erwiderte Holaschke und erinnerte an die Förderungsmöglichkeiten im Sanierungsgebiet und das Fassadenprogramm.
"Wir haben Geld, und würden es gerne verteilen", hob auch Seitz auf die Fördermöglichkeiten ab, beispielsweise für Schallschutzfenster, "aber es kommt niemand." Dass das Land der Durchgangsstraße noch vor dem Ortsjubiläum einen neuen Belag spendieren will, hält Holaschke allerdings "nicht für der Weisheit letzten Schluss".
Einer der Zuhörer, ein früherer Kommunalpolitiker, regte an, die Verkehrszählung, die bereits vor Jahren eine Belastung von bis zu 12.000 Fahrzeugen täglich ergeben hatte, zu wiederholen. Seiner Meinung nach seien inzwischen noch mehr Fahrzeuge unterwegs, was als Argument für eine Umfahrung beim Land greifen könnte.
Dass die Nachbargemeinde Ittlingen dagegen eine Lösung für ihre Ortsdurchfahrt erhalten soll, nannte er erbost "einen Fall für den Rechnungshof". Vielleicht müsse man in Richen ja eine Bürgerinitiative gründen. "Irgendwas muss geschehen", forderte der Mann und bekam Applaus.
Moniert wurden außerdem zu tief gelegte oder abgesackte Kanalschächte, die jedes Mal, wenn ein Lkw drüberfahre, extrem laut klapperten. Hier sagte die Verwaltung eine Prüfung zu. Und auch die vielen Schwertransporten und der damit einhergehende temporäre Schilderwald ist den Richenern weiter ein Dorn im Auge.
Gerne gehört haben dürften die Dorfbewohner hingegen, dass der 180.000 Euro teure Wikingerspielplatz beim Bolzplatz ebenso wie der neu zu gestaltende Platz an der Endgasse rechtzeitig zum Ortsjubiläum im kommenden Jahr fertig sein soll, dass für den städtischen Kindergarten eine neue Leiterin gefunden wurde und im November eine neue Kleingruppe mit zwölf Plätzen eingerichtet wird, um den gestiegenen Bedarf zu decken.
Auch der geplante Fußweg, der das Wohngebiet Kirchardter Berg mit dem Ortskern verbinden wird, soll 2019 mit hohen Fördermitteln gebaut werden. Derzeit werde geprüft, sagte Bürgermeister Peter Thalmann, ob dafür eine Brücke oder eine Rampe benötigt wird. "Da hat ein ganzes Wohngebiet etwas von."
Bei der Versammlung wurde außerdem öffentlich, dass der Ortschaftsrat die beiden noch bestehenden, aber von einem Bürger als "in miserablem Zustand" kritisierten Spielplätze abgebaut und die Flächen als Bauplätze verkaufen will. Dafür gebe es ja bald den neuen zentralen Spielplatz. Und Bürgermeister Thalmann bekannte, dass Ortsvorsteher Seitz in dieser Sache "mächtig Druck" mache.