Tourismus ist Kubas wichtigster Wirtschaftszweig. Er wird durch die Sanktionspolitik der USA massiv geschwächt. Die Zahl ausländischer Besucher auf Kuba ist seit Jahresbeginn drastisch zurückgegangen. Nach Angaben des staatlichen Statistikamts Onei reisten in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 weniger als 360.000 Menschen auf die Karibikinsel. Das entspricht einem Rückgang von 58,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Hintergrund sind verschärfte Sanktionen der US-Regierung unter Präsident Donald Trump . Damit will er schaffen, was keinem US-Präsidenten in den 60 Jahren ständigen Boykotts vor ihm gelungen ist: einen Regimewechsel in Havanna. Die Maßnahmen richten sich gezielt gegen den Tourismussektor, eine der wichtigsten Einnahmequellen der wirtschaftlich angeschlagenen, sozialistischen Regierung Kubas. Im Zuge der Sanktionen haben mehrere internationale Fluggesellschaften und Hotelbetreiber ihre Aktivitäten auf der Insel eingestellt. Kuba vor dem Kollaps: " Den Einheimischen geht es immer schlechter " Kanadier kommen nicht mehr So kündigte Air Canada Anfang Juni an, seine Flüge nach Kuba auf unbestimmte Zeit auszusetzen. Das Unternehmen verwies auf die anhaltende politische und wirtschaftliche Unsicherheit. Bereits im Februar hatte die Fluggesellschaft ihre Verbindungen wegen Treibstoffmangels auf der Insel eingestellt. Der Schritt trifft Kuba besonders hart, da Kanadier laut den aktuellen Zahlen mit Abstand die größte Gruppe ausländischer Touristen stellen. Auch die spanische Fluggesellschaft Iberia fliegt die Insel nicht mehr an . Zudem zogen sich die spanischen Hotelketten Meliá und Iberostar aufgrund einer von Washington gesetzten Frist am 5. Juni aus zahlreichen Hotels zurück. Die US-Regierung hatte Unternehmen aufgefordert, ihre Geschäftsbeziehungen mit dem kubanischen Mischkonzern Gaesa zu beenden. Der Konzern wird von den kubanischen Streitkräften kontrolliert und steht seit Langem im Fokus der US-Kritik. US-Außenminister Marco Rubio bezeichnete Gaesa als einen "Staat im Staat". In einer auf Spanisch gehaltenen Rede an die kubanische Bevölkerung warf er dem Unternehmen vor, die Gewinne seiner Geschäfte einer kleinen Elite zugutekommen zu lassen und zugleich Kritiker zu unterdrücken. Überlebensrate bei krebskranken Kindern sinkt Die verschärften Sanktionen und eine faktische Blockade der Ölversorgung verschärfen die ohnehin angespannte Versorgungslage auf der Insel. Treibstoff, Medikamente und Lebensmittel werden zunehmend knapp. Das staatliche Nachrichtenportal Cubadebate berichtet zudem, dass die Überlebensrate von krebskranken Kindern seit Januar von 85 auf 65 Prozent gesunken sei. Als Ursache werden die zunehmenden Versorgungsengpässe genannt. Diese verschärften sich nach Trumps Ankündigung, Sanktionen gegen Staaten und Unternehmen zu verhängen, die Kuba mit Öl beliefern. Der Treibstoffmangel hat inzwischen weite Teile der Wirtschaft lahmgelegt, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Selbst die Müllabfuhr arbeitet nur noch eingeschränkt, wodurch sich in vielen Städten große Abfallberge bilden. Hinzu kommen ständige, lang anhaltende Stromausfälle, die zuletzt vereinzelt zu Protesten führten. Öffentliche Kritik wird in Kuba jedoch oft mit harten Strafen geahndet.