Dieser Western bietet Spannung, Moral und eine der bekanntesten Schlusszeilen der Filmgeschichte. Die Chemie zwischen den Hauptdarstellern macht den Film bis heute unvergesslich. Schießduelle bei Sonnenuntergang, staubbedeckte Dörfer und ein einsamer Held, der das Recht in die eigene Hand nimmt: Der Western hat das amerikanische Kino wie kein anderes Genre geprägt. Filme wie "Erbarmungslos", "Spiel mir das Lied vom Tod" oder "Zwölf Uhr mittags" zeigen, wie das Genre über Jahrzehnte immer wieder neu erfunden wurde. Die Klassiker aus den 60er Jahren gelten dabei als Hochphase des Western. John Wayne prägte das Western-Genre wie kein anderer. Mit markanter Statur, reduzierter Mimik und unverkennbarer Präsenz verkörperte er jahrzehntelang den Archetyp des amerikanischen Helden. Während viele seiner Filme vor allem auf Action setzen, sticht "Der Mann, der Liberty Valance erschoss" aus seiner Filmografie heraus. Denn der Film setzt sich mit Wahrheit, Mythos und dem Preis, den Zivilisation fordert auseinander. Darum geht es in "Der Mann, der Liberty Valance erschoss" Senator Ransom Stoddard (James Stewart) kehrt in die Kleinstadt Shinbone zurück. Er will an der Beerdigung eines alten Freundes teilnehmen. Auf Nachfrage der Presse erzählt er, was ihn einst in diese Stadt brachte. Im Rückblick erzählt der Filme wie er als junger Anwalt überfallen und vom gefürchteten Banditen Liberty Valance (Lee Marvin) ausgeraubt wurde. In Shinbone trifft er auch auf den Revolverhelden Tom Doniphon (John Wayne), der als einziger keine Angst vor Valance hat. Während Stoddard auf das Recht vertraut, setzt Doniphon auf den Colt. Die Stadt lebt währenddessen in ständiger Angst vor Valance und seinen Männern. Stoddard versucht dennoch, mit Vernunft und Gesetz Ordnung herzustellen. Als der Konflikt mit Valance unvermeidlich eskaliert, kommt es zum Duell, das Stoddards Leben und das der ganzen Stadt für immer verändern wird. Denn wer wirklich den tödlichen Schuss auf Valance abgefeuert hat, ist längst nicht das, was die Legende behauptet. John Ford inszeniert einen Film gegen den Western-Mythos Hinter der Kamera von "Der Mann, der Liberty Valance erschoss" stand John Ford, einer der einflussreichsten Regisseure Hollywoods. Ford und John Wayne hatten zu diesem Zeitpunkt bereits eine jahrzehntelange Zusammenarbeit hinter sich, Filme wie "Der schwarze Falke" oder "Rio Grande" hatten beide zu Stars gemacht. Doch mit "Der Mann, der Liberty Valance erschoss" wählte Ford einen ungewöhnlichen Weg. Ford drehte den Film bewusst in schwarzweiß, obwohl Farbfilm längst Standard war. Er verzichtete weitgehend auf opulente Landschaftsaufnahmen, die seine früheren Western geprägt hatten. Das Ergebnis ist ein Film, der sich selbst hinterfragt. Ford interessierte sich weniger für das Duell als für die Frage dahinter: Was passiert, wenn aus einer Lüge ein Mythos wird? Die berühmte Schlusszeile, "When the legend becomes fact, print the legend", fasst dieses Thema in einem einzigen Satz zusammen und ist bis heute einer der meistzitierten Sätze der Filmgeschichte. Besondere Bedeutung hat das im Hinblick auf John Wayne selbst. Seine Figur Tom Doniphon verkörpert genau den einsamen, unerschrockenen Westernhelden, den Wayne über Jahrzehnte zur Leinwandikone gemacht hatte. Doch Ford lässt diese Figur am Ende bewusst verlieren. Ford dekonstruiert damit bewusst den Mythos, den er und Wayne selbst mit geschaffen hatten. "Der Mann, der Liberty Valance erschoss" läuft am Samstag, 25. Juli, um 13:30 Uhr bei Arte . Wer den Film streamen möchte, findet ihr bei WOW im Abo. Das macht "Der Mann, der Liberty Valance erschoss" sehenswert Das Herzstück des Films ist die Spannung zwischen James Stewart und John Wayne. Stewart spielt den idealistischen Anwalt, der an Recht und Ordnung glaubt, mit gewohnter Überzeugungskraft. Wayne dagegen gibt den harten Pragmatiker, der die Welt so nimmt, wie sie ist, und nicht wie sie sein sollte. Beide Figuren haben auf ihre Weise recht, und genau das macht den Konflikt zwischen ihnen so spannend. Lee Marvin ist als Bösewicht Liberty Valance eine echte Bedrohung. Er spielt die Rolle so überzeugend, dass man versteht, warum eine ganze Stadt vor ihm zurückschreckt. Auch Vera Miles überzeugt als Hallie, die zwischen beiden Männern steht und deren stille Zerrissenheit dem Film eine emotionale Tiefe gibt, die über das reine Western-Genre weit hinausgeht. Ungewöhnlich für einen Western dieser Zeit ist das die zentralen Charakter-Auseinandersetzungen mehr im Mittelpunkt stehen als die Western-Action. Der Film lebt genau davon, dass er klassische Erwartungen unterwandert. Wer einen Western mit eindeutigem Helden und eindeutigem Ausgang erwartet, wird überrascht sein. "Der Mann, der Liberty Valance erschoss" stellt am Ende die Frage, ob eine Gesellschaft die Wahrheit überhaupt ertragen kann, wenn die Lüge schöner ist. Und genau diese Frage macht den Film so beliebt. Mit 8,1 von 10 Sternen auf der Filmplattform "IMDb" und 92 Prozent Fan-Zustimmung auf dem Bewertungsportal "RottenTomatoes" ist "Der Mann, der Liberty Valance erschoss" einer der am besten bewerteten Western-Filme. Wer also Klassiker mit Tiefgang mag, sollte diesen Western nicht verpassen.