Modelleisenbahnanlage: Erstaunliche Fakten rund um das Miniatur Wunderland
Das Miniatur Wunderland in der Hamburger Speicherstadt ist der Realität gewordene Traum von zwei Brüdern. Vor 25 Jahren fuhr der erste Zug durch die Anlage. Spannende Fakten zum „MiWuLa“.
Selbst Menschen, die keine Modelleisenbahnfans sind, lassen sich gern im Hamburger Miniatur Wunderland begeistern. Mit viel Liebe zum Detail und präziser Ingenieurskunst erschaffen die Brüder Frederik und Gerrit Braun und ihr mittlerweile etwa 120-köpfiges Modellbau-Team seit 25 Jahren beeindruckende Mini-Welten mit Zügen, Lastern, Autos, Schiffen und Flugzeugen.
Jährlich besuchen etwa 1,6 Millionen Menschen aus aller Welt die Modelllandschaft mit den vielen weltbekannten Sehenswürdigkeiten im Kleinformat. Was lässt sich noch zu der Touristenattraktion in der historischen Speicherstadt erzählen?
Wie sehen die klassischen Zahlen aus?
Zum Einstieg mal eben die naheliegenden Fakten zum Miniatur Wunderland. Von Hamburg und Deutschland über Venedig und Rom bis hin zu Rio de Janeiro und dem Regenwald: Es gibt aktuell 15 Abschnitte auf mehreren Etagen und in mehreren Gebäuden, drei davon noch im Bau. Fast 1.700 Quadratmeter nehmen allein die Modellflächen ein. Am Anfang waren es Mitteldeutschland, Knuffingen und Österreich. Aktuell werden der Regenwald und die Atacama-Wüste sowie die Karibik gebaut.
Auf den Anlagen fahren 1.231 Züge und 11.080 Autos, es fliegen 49 Flugzeuge durch die Luft. 292.110 Figuren hauchen den Welten ihr turbulentes Leben ein. In den Landschaften stehen 5.278 Häuser und Brücken. 157.000 Bäume sorgen für grünes Ambiente. Die Gleise sind fast 17 Kilometer lang.
Die Baukosten liegen bei 45 Millionen Euro. 450 Menschen arbeiten im Miniatur Wunderland, davon kümmern sich 120 Leute um den Modellbau. Zur Mietfläche gehören 11.000 Quadratmeter.
Wimmelbilder zum Staunen – Gibt es auch Sex und Crime?
Im Miniatur Wunderland werden die Züge für die meisten schnell zur Nebensache. Denn die Macher haben mit viel Humor und Augenzwinkern Hunderte Alltagsszenen mit den kleinen Figuren dargestellt. Von der Mord-Ermittlung über delikate Sexszenen bis hin zum Verkehrsunfall.
„Wir zeigen alle Geschichten des Lebens, auch blutige Szenen“, sagt Gerrit Braun. „Im Sonnenblumenfeld, in einem Haus in Venedig, in einer Gondel – wir haben etwa 30 bis 40 Sexszenen in der Anlage versteckt“, sagt Modellbauer Marvin Eccarius und schmunzelt.
Wie viel Schokoladenplättchen produziert die Fabrik?
In der Schweiz gibt es auch eine Schokoladen-Fabrik. Und dort purzeln tatsächlich echte Schokoladenstücke heraus. Etwa 300.000 Stück im Jahr. Finanziert wird das vom Hersteller Lindt, mit dem eine entsprechende Kooperation besteht. Das sind 4.720.000 Tafeln seit Eröffnung – mit einem Gewicht von 23,6 Tonnen.
Und was ist eigentlich mit KI?
Künstliche Intelligenz spielt im Miniatur Wunderland bislang keine Rolle. „Klar, sie könnte uns in der Entwurfsphase helfen, wenn wir ein Gebäude entwerfen oder nachbauen wollen“, sagt Gerrit Braun. Damit könne das Team vielleicht genauer sein, aber am Ende nicht schneller. Denn alles, was auf der Anlage steht, ist Handarbeit.
Auch bei der Steuerung wollen die Braun-Brüder keine KI nutzen. „Wir haben es für die Steuerung der Achterbahn mal ausprobiert, aber die KI-Version ist ehrlich gesagt schlechter als unsere. Außerdem: KI bitte nur, wenn sie uns gehört und nicht einem amerikanischen Milliardärsunternehmen.“
Wofür haben die Braun-Brüder ihr erstes Taschengeld ausgegeben?
Die Antwort hat Gerrit Braun schnell parat: „Also die ersten Pfennige wurden in Dauerlutscher beim Bäcker gegenüber umgesetzt und dann später waren Wiking-Autos die große Leidenschaft, also kleine Plastikmodellautos in 1:87. Für die Eisenbahn haben wir uns so gut wie nie was gekauft. Da haben wir uns drauf verlassen, dass unser Vater uns das immer schenkt. Das hat aber gedauert.“
Wie viele Follower hat das Miniatur Wunderland?
Die Touristenattraktion in der Speicherstadt haben seit Sommer 2001 mehr als 27,27 Millionen Menschen besucht. Das geht aus dem Zähler im Eingang nach den Kassen hervor. Tatsächlich hat das „MiWuLa“ viele Follower im Internet, aber nicht mehr als reale Besucher. Und zwar 7,6 Millionen. Gezählt auf Instagram, Facebook, TikTok und YouTube.
Gibt es auch irgendetwas, das noch mit Hand gesteuert werden muss?
Ja, tatsächlich werden die Kreuzfahrtschiffe in der Skandinavien-Welt von Hand gesteuert. „Sie könnten längst computergesteuert fahren, aber da haben wir zu früh aufgegeben“, sagt Gerrit Braun. Es seien immer andere Arbeiten auf der Anlage dazwischengekommen, die wichtiger waren. „Da habe ich zu früh gesagt, ich schaffe das gerade nicht und ich habe es vor 22 Jahren vertagt.“
Wie viele Promis gibt es auf der Anlage?
Neueste Technologien machen es mittlerweile möglich, Ebenbilder echter Menschen im Miniaturformat herzustellen. So sind auch einige bekannte Prominente hier und da im Miniatur Wunderland zu finden.
Von Udo Lindenberg, Ditsche und DJ Bobo über Susanne Daubner und die Sesamstraßen-Figuren bis hin zu Adele und Fürst Albert. 30 bis 40 bekannte Gesichter sind auf der Anlage unterwegs.