Gibraltar: Orca-Weibchen offenbar angeschossen – Walschützer besorgt
Sie wird liebevoll „die Oma“ einer Gruppe von Orcas genannt. Nun wurde sie mit Einschusslöchern gesichtet. Hintergrund ist ein andauernder Konflikt zwischen Seglern und Walen.
Die Straße von Gibraltar gilt als eine der meistbefahrenen Seestraßen der Welt. Dort greift seit einigen Jahren eine Gruppe von Orcas Segelboote an. Knapp 900 Interaktionen wurden den Behörden bisher gemeldet. In seltenen Fällen rammen die Wale nicht nur die Boote, sondern versenken sie auch – sehr zum Unmut der Segler.
Der Konflikt zwischen ihnen und den Meeressäugern scheint zu eskalieren: Das älteste bekannte Weibchen der vom Aussterben bedrohten iberischen Schwertwal-Population, ist offenbar angeschossen worden. Walschützer der örtlichen Organisationen WeWhale und Iberian Orca Guardians haben auf Instagram Fotos veröffentlicht, auf denen die durchlöcherte Rückenflosse des Tieres zu sehen ist.
Walschützer: Situation des verletzten Orcas „besonders heikel“
Die Bilder zeigten rund zehn Einschussstellen von Schrotkugeln auf der linken Seite der Rückenflosse, schreiben die Walschützer. „Mindestens zwei oder drei Projektile könnten die Flosse durchschlagen haben, während andere möglicherweise noch im Inneren stecken geblieben sind“, heißt es weiter.
Bei dem verletzten Schwertwal handelt es sich um Toñi, auch „La Abuela“ (spanisch für: „die Oma“) genannt. Schätzungen zufolge ist Toñi etwa 60 Jahre alt und damit das älteste bekannte Tier der iberischen Orca-Population. „Angesichts von Toñis Alter ist die Situation besonders heikel“, so WeWhale.
Frische Wunden an der Rückenflosse
Bei den Einschusslöchern soll es sich um frische Verletzungen handeln. Die Walschützer hätten den Meeressäuger erst vor wenigen Wochen fotografiert und damals seien noch keine Wunden an der Flosse zu sehen gewesen.
Die Rückenfinne von Orcas ist stark durchblutet und spielt eine wichtige Rolle bei der Wärmeregulierung der Tiere. WeWhale zufolge könnten Toñis Verletzungen zu Gewebeschäden, Entzündungen und Infektionen führen. „Bleiben die Projektile im Körper zurück, steigt das Infektionsrisiko und es kann im schlimmsten Fall zu einer lebensbedrohlichen Sepsis kommen.“
Trotz der Verletzungen zeige Toñi bislang keine Probleme beim Schwimmen oder Jagen. Die Walschützer wollen Toñis Zustand weiter beobachten. In ihrem Instagram-Post betonen sie, dass es nur noch sehr wenige iberische Orcas gebe und sie unter gesetzlichem Schutz stünden. „Unabhängig davon, wie man zu den Interaktionen zwischen Orcas und Schiffen stehen mag: Auf diese Tiere zu schießen, kann niemals eine akzeptable Reaktion sein!“, schreibt WeWhale.