Nach Scalable legt nun auch Quirion ein günstiges Angebot für das neue staatlich geförderte Altersvorsorgedepot vor. Verbraucherschützer raten dennoch zur Geduld. Der Wettbewerb um das neue staatlich geförderte Altersvorsorgedepot nimmt Fahrt auf. Nachdem der Neobroker Scalable bereits ein gebührenfreies Standarddepot angekündigt hatte , zieht der digitale Vermögensverwalter Quirion nach und nennt konkrete Details zu seinem Angebot. Das Altersvorsorgedepot startet zum 1. Januar 2027 und soll die Riester-Rente ablösen . Sparer können dann staatlich gefördert in Fonds und ETFs investieren. Ziel ist es, langfristig höhere Renditechancen zu ermöglichen als bei vielen bisherigen Riester-Produkten. Entscheidend dafür sind vor allem die Kosten. Denn selbst kleine Gebührenunterschiede können über Jahrzehnte einen großen Teil der Rendite aufzehren. Lesen Sie hier, was ETFs sind und wie Sie damit Geld anlegen. Quirion setzt auf Vanguard-ETFs Die Digitaltochter der Quirin Privatbank plant, das gesetzlich vorgesehene Standarddepot gemeinsam mit dem US-Vermögensverwalter Vanguard umzusetzen. Vorgesehen sind zwei breit gestreute ETFs: ein weltweiter Aktien-ETF und ein Anleihe-ETF. Konkret sollen der Vanguard FTSE Global All-Cap mit laufenden Fondskosten von 0,07 Prozent pro Jahr und der Vanguard Global Aggregate Bond EUR Hedged mit 0,08 Prozent pro Jahr zum Einsatz kommen. Lesen Sie hier, was Anleihen sind und was sie Ihnen bringen. Eigene Abschlussgebühren oder Provisionen will Quirion nicht verlangen. Auch das Angebot selbst soll nach Angaben des Unternehmens kostenfrei starten. Damit positioniert sich Quirion ähnlich offensiv wie Scalable, setzt aber zugleich auf eine fest definierte ETF-Kombination mit Vanguard. Das Standarddepot ist als einfache Variante für Sparer gedacht, die ihr Altersvorsorgedepot nicht selbst zusammenstellen wollen. Gesetzlich vorgeschrieben ist dabei eine Kombination aus einem chancenorientierten und einem risikoärmeren Fonds. Neben dem Standarddepot können Anbieter auch weitere Altersvorsorgedepots anbieten, etwa für Anleger, die stärker selbst bestimmen möchten, welche ETFs oder Fonds sie besparen. Scalable hatte Preiskampf eröffnet Scalable hatte zuvor angekündigt, für die Standardversion des Altersvorsorgedepots keine Gebühren für Depotführung, Sparpläne sowie Käufe und Verkäufe zu verlangen. Kosten sollen dort lediglich innerhalb der eingesetzten ETFs entstehen. Diese laufenden Fondskosten sollen laut Scalable bei maximal 0,15 Prozent pro Jahr liegen; im ersten Jahr will der Anbieter sie auf 0,00 Prozent senken. Der gesetzliche Kostendeckel für das Standarddepot liegt bei 1 Prozent jährlicher Effektivkosten. Verbraucherschützer hatten diese Grenze als zu hoch kritisiert. Die ersten Angebote zeigen nun, dass einzelne Anbieter deutlich darunter bleiben wollen. Neue Altersvorsorge: Wer hier nicht aufpasst, schmälert seine Rente Altersvorsorgedepot: Wer sich über mehr als 2.700 Euro Rente freuen kann Quirion betont, dass niedrige Kosten bei der Altersvorsorge besonders wichtig seien. In einer Beispielrechnung des Unternehmens ergibt sich bei einem monatlichen Eigenbeitrag von 200 Euro und maximaler staatlicher Grundzulage ein Sparbetrag von 245 Euro. Bei einer angenommenen Bruttorendite von 7 Prozent pro Jahr über 30 Jahre läge das Endkapital ohne Kosten bei rund 288.000 Euro. Bei 1 Prozent Kosten wären es demnach nur rund 240.000 Euro – also etwa 48.000 Euro weniger. "Finanztip" warnt vor vorschneller Entscheidung Der unabhängige Geldratgeber "Finanztip" sieht den frühen Wettbewerb grundsätzlich positiv, rät Verbrauchern aber, sich nicht zu früh festzulegen. Die neuen Produkte können ohnehin erst ab 2027 abgeschlossen werden. Bis dahin dürften weitere Banken, Neobroker, Versicherer und Finanzdienstleister ihre Angebote vorstellen. "Der frühe Wettbewerb ist grundsätzlich gut für Verbraucher", sagt "Finanztip"-Chefredakteur Saidi Sulilatu. Gerade bei einem Vertrag, der oft über Jahrzehnte laufen soll, sei aber ein genauer Blick auf Kosten, Leistungen und erwartbare Rendite entscheidend. Wichtig sei nicht nur, wie günstig ein Depot ist, sondern auch, welche Fonds und ETFs tatsächlich zur Verfügung stehen. Millionen Riester-Sparer könnten wechseln "Finanztip" empfiehlt für den langfristigen Vermögensaufbau grundsätzlich passive, weltweit streuende Aktien-ETFs. Verbraucher sollten daher nicht allein auf Werbeaktionen, Wartelisten oder Vorregistrierungen reagieren, sondern die Angebote Anfang 2027 in Ruhe vergleichen. Für die Finanzbranche steht viel auf dem Spiel. Neben neuen Sparern kommen auch Millionen bestehende Riester-Kunden als potenzielle Wechsler infrage . Diese sollten allerdings besonders aufmerksam sein. Denn ob sich ein Wechsel lohnt, hängt vom Einzelfall ab – etwa von bisherigen Kosten, Garantien, Zulagen und der verbleibenden Laufzeit.