Volksfest in München: Warum das Oktoberfest eigentlich Wiesn heißt
Die „Wiesn“ ist weit mehr als ein bayerischer Spitzname fürs Oktoberfest. Dahinter steckt ein Stück Münchner Geschichte – und eine Grammatikfalle, in die viele tappen.
Jedes Jahr lockt das größte Volksfest der Welt Millionen von Besuchern nach München. Während es weltweit als „Oktoberfest“ bekannt ist, ist unter Münchnern der Ausdruck „Wiesn“ geläufiger. Dieser verweist auf den Schauplatz des Festes, die Theresienwiese.
Aus dem Oktoberfest wird die „Wiesn“
Die große Freifläche inmitten der bayerischen Landeshauptstadt ist seit über 200 Jahren Schauplatz des Oktoberfestes. 1810 heirateten Kronprinz Ludwig von Bayern, der spätere König Ludwig I., und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen und feierten tagelang ihre Vermählung. Die Hochzeitsfeierlichkeiten endeten schließlich mit einem großen Pferderennen auf einer Wiese, damals noch vor den Toren der Stadt. Jene Wiese wurde nach der frisch gebackenen Braut benannt: „Theresiens Wiese“. Beim Volk kamen die Feierlichkeiten so gut an, dass sie in den darauffolgenden Jahren wiederholt wurden – das Oktoberfest war geboren.
Im Laufe der Jahre wurde die „Theresiens Wiese“ offiziell zur „Theresienwiese“ umbenannt. Im Münchner Sprachgebrauch nennt man sie die „Wiesn“, das bayerische Wort für „Wiese“. Streng genommen bezeichnet der Ausdruck gar nicht das Oktoberfest selbst, sondern das Gelände, auf dem das Volksfest ausgerichtet wird. Dennoch wird es heutzutage als Synonym für das Oktoberfest verwendet. Auf die „Wiesn“ zu gehen, heißt also, das Oktoberfest zu besuchen.
„Auf der Wiesn“ statt „auf den Wiesn“
Wer den Münchner Ausdruck verwenden möchte, sollte auf eine kleine sprachliche Besonderheit achten: Richtig heißt es „die Wiesn“ und nicht „die Wiesen“. Im bayerischen Dialekt fällt bei vielen Wörtern die Endung „-e“ weg, einen Apostroph braucht es dafür nicht. Und Obacht beim Dativ: „Wiesn“ wird im Singular und nicht im Plural verwendet. So treffen sich Münchner „auf der Wiesn“ – und nicht „auf den Wiesn“.