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Tank-Wucher: Wer verdient an den absurden Spritpreisen im September 2026?

Stern 

Der Spritpreis für Super schnellt in die Höhe, der für Diesel schwankt. Was sind die Gründe dafür? Ist es wirklich der Krieg im Nahen Osten? Der ADAC sagt: Nein.

Wer dieser Tage an die Zapfsäule rollt, braucht starke Nerven und ein pralles Portemonnaie. Während sich der Preis für den Liter Super E10 kontinuierlich dem historischen Rekordhoch von 2022 nähert, schlägt der Dieselpreis kuriose Haken. Die Ölkonzerne schieben die Verteuerung gebetsmühlenartig auf die geopolitische Weltlage, doch der Blick auf die Börsendaten offenbart ein ganz anderes Bild. An den deutschen Tankstellen wird derzeit schlichtweg Kasse gemacht.

Zwei Kraftstoffe, zwei Welten: einer teurer, einer billiger 

Bislang galt das Selbstverständnis, dass sich die Preise für Benzin und Diesel an der Tankstelle synchron bewegen. Doch seit einigen Wochen wird man eines Besseren belehrt. An den Zapfsäulen herrscht im Spätsommer 2026 eine kuriose Preisschieflage. Nach den jüngsten Erhebungen des ADAC kostet der Liter Super E10 im bundesweiten Mittel stolze 2,183 Euro. Das bedeutet einen Aufschlag von 2,8 Cent innerhalb von nur sieben Tagen. Damit steuert der Ottokraftstoff wieder auf jenes Allzeithoch zu, das Autofahrer bereits im März 2022 tief in die Taschen greifen ließ. 

Überraschend gegensätzlich präsentiert sich dagegen der Dieselmarkt. Mit durchschnittlich 2,232 Euro pro Liter gab der Selbstzünderkraftstoff im selben Zeitraum um 1,6 Cent nach – auf hohem Niveau zwar, aber eben klar im Preis fallend. Was auf den ersten Blick nach einer erfreulichen Erholung für Vielfahrer klingt, ist bei genauerer Betrachtung eher ein Rätsel. Denn die Preise an der Zapfsäule entwickeln sich zunehmend vollkommen entkoppelt von den Handelspreisen an der Börse.

Geopolitische Ausreden: das Ölpreis-Paradoxon und der Spritpreis

Wenn man auf die internationalen Rohstoffbörsen blickt, lässt sich die Argumentation der Mineralölkonzerne vordergründig nachvollziehen. Erneute Auseinandersetzungen und gezielte Militärschläge zwischen den USA und dem Iran halten den Ölmarkt in heller Aufregung. Dazu kommt das Niedrigwasser des Rheins, das die Binnenschifffahrt von den Raffineriehäfen erschwert. Die für Europa maßgebliche Nordseesorte Brent kletterte entsprechend um rund acht Prozent auf knapp 95 US-Dollar pro Barrel.

Entsprechend müsste ein solcher Preisanstieg beim Rohöl unverzüglich zu teurerem Sprit an allen Zapfsäulen führen. Doch genau hier beginnt das Paradoxon. Warum verbilligt sich Diesel, während Super E10 exzessiv nach oben schießt? Die Experten des ADAC sprechen Klartext: Der Anstieg des Rohölpreises erkläre das aktuelle Preisniveau an deutschen Zapfsäulen nur unzureichend. Die Kraftstoffpreise in Deutschland seien schlichtweg künstlich überhöht und entbehrten in dieser Höhe einer soliden kalkulatorischen Grundlage. Denn auch wenn die Kosten pro Barrel zuletzt gestiegen seien, das absolute Preisniveau für Rohöl sei lange nicht so teuer wie vor vier Jahren; die Spritpreise seien aber sehr nah an diesem Niveau. 

12‑Uhr-Regel: Wann schlägt die Stunde der Pfennigfuchser? 

Als Autofahrer kann man der Preismacht der Ölmultis kaum etwas entgegensetzen, auch auf politischer Ebene zeigen sich die Werkzeuge weitgehend stumpf. Tankrabatt und Co. bleiben Themen, die nur selten im Portemonnaie der Autofahrer ankommen. Auch die 12-Uhr-Regel, nach der nur einmal pro Tag am Mittag die Preise an der Zapfsäule erhöht werden dürfen, blieb ein Tropfen auf dem heißen Stein. Wer seinen Tankstopp kurz vor 12 Uhr mittags legt, kann zumindest kurzfristig mit dem guten Gefühl leben, dass er heute noch teurer hätte tanken können. 

Die vergangenen Wochen und die Prognose für September 2026 beweisen einmal mehr: Die Preisgestaltung an deutschen Tankstellen hat sich weitgehend von den realen Rohstoffkosten entkoppelt. Während Krisenmeldungen aus Fernost als willkommene Begründung für Preissprünge beim Benzin herhalten müssen, hinken Preisnachlässe beim Diesel der Realität hinterher. Für Autofahrer gilt mehr denn je: vergleichen, stur bleiben und exakt im richtigen Zeitfenster vor 12 Uhr mittags zum Zapfhahn greifen.

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