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1. FC Köln: Derby gegen Gladbach könnte zu Krise um René Wagner führen

Der Saisonstart verlief wechselhaft. Jetzt fallen beim 1. FC Köln zwei Leistungsträger aus. Der Klub um Trainer René Wagner droht schon im Derby in die Krise zu stürzen. Beim 1. FC Köln sind die Sensoren in diesen Tagen auf Alarm gestellt. Nach der Länderspielpause steht für die Domstädter das Derby mit Borussia Mönchengladbach auf dem Plan (Sonntag, ab 15.30 Uhr im Liveticker bei t-online). Die ohnehin emotional aufgeladene Partie gegen den Erzrivalen bekommt dieses Mal jedoch eine noch brisantere Note. Denn bei einer Niederlage rückt im "Effzeh"-Umfeld wohl unweigerlich die Trainerfrage noch stärker in den Fokus. Nach vier Partien steht Köln in der Bundesliga bei vier Punkten, ist damit noch im Soll. Doch die jüngsten Auftritte der Mannschaft haben Fans und Verantwortlichen zunehmend die Sorgenfalten auf die Stirn getrieben. In den vergangenen drei Pflichtspielen holte Köln nur einen Zähler, verlor zuletzt sogar beim bis dato noch punkt- und torlosen Schlusslicht HSV (1:2). Durch den Sieg der Hamburger vor drei Wochen ziert Kölns Rivale Gladbach mittlerweile das Tabellenende. Sollten die "Fohlen" das Derby für sich entscheiden, würden sie bis auf einen Punkt an Köln heranrücken und den verhassten Nachbarn in die Krise stürzen. Das wiederum könnte auch die bereits angespannte Situation von René Wagner verschärfen. Der Trainer steht bei vielen Fans in der Kritik – und muss für die Trendwende nun kreativ werden. Fans fordern bereits Wagner-Aus Dass Wagner bei den Kölner Fans kaum Kredit besitzt, hängt auch mit der vergangenen Saison zusammen. Der 38-Jährige übernahm den abstiegsbedrohten Klub Ende März vom geschassten Lukas Kwasniok . Wagner gelang mit Köln in der Folge zwar der Klassenerhalt. Letztlich holte er mit dem Team jedoch auch nur einen Sieg und insgesamt sechs Punkte aus sieben Partien. Das reichte nicht, um sich bei den Anhängern einen großen Vertrauensvorschuss zu erarbeiten. Der holprige Saisonstart tat in der kritischen Beurteilung durch die Fans sein Übriges. Die Stimmung begann nach der Niederlage in Hamburg bereits zu kippen. Als die Mannschaft sich von den mitgereisten Anhängern im Volksparkstadion verabschieden wollte, waren von den Rängen deutlich Pfiffe zu vernehmen. Auch unter dem Ergebnisbeitrag zum Spiel auf dem Kölner Instagram-Profil machten die Fans ihrem Ärger Luft. Dort sammelten sich einige Kommentare, in denen das Aus von Wagner gefordert wurde. El Mala blieb auch dank Wagner Die Kölner Chefetage setzte jedoch weiter auf die Fähigkeiten des jungen Trainers. Präsident Jörn Stobbe betonte jüngst auf Nachfrage des "Kölner Stadt-Anzeigers", dass Wagner bei den Verantwortlichen "volles Vertrauen" genieße. "Wir haben uns vor der Vertragsverlängerung (im Mai; Anm. d. Red.) mit ihm Kriterien zurechtgelegt und uns gefragt, was muss ein Trainer können", so Stobbe. "Und da legt er in allen Bereichen eine brutal hohe Punktzahl hin." Es brauche jetzt aber natürlich Ergebnisse, stellte Stobbe klar. "Denn dann hört so eine Diskussion schnell auf." Schon kurz nach der Niederlage gegen Hamburg hatte Stobbe sich hinter Wagner gestellt. Im Podcast "Dreierkette Köln" erklärte er, welchen Wert der Trainer allein in der Transferphase im Sommer hatte. So hätte Wagner großen Einfluss auf die Verpflichtung des von zahlreichen Klubs umworbenen Mikey Moore gehabt. Ohne Wagner wäre der Engländer "nicht gekommen", so Stobbe. Bei der überraschenden Verlängerung von DFB-Star Saïd El Mala habe ebenfalls Wagner entscheidenden Anteil gehabt. "Auch das war eine Konstellation, dass der René dafür gesorgt hat, der Familie das gute Gefühl zu geben, dass der Junge bei uns spielen kann", erklärte Stobbe. "Das ist ja mal ein echtes Pfund." An El Mala hatte unter anderem Borussia Dortmund intensiv gebaggert. Letztlich blieb der 20-Jährige Köln jedoch treu, unterschrieb ein neues Arbeitspapier bis 2031. Wagner spürt die Sorge: "Das kann ich nachvollziehen" Auch Stobbe dürfte jedoch klar sein, dass eine weitere Niederlage ihn und Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler in eine prekäre Lage bringen dürfte. Denn verliert Köln gegen Gladbach, steht der Verein schon früh in der Saison vor der Zerreißprobe. Zwar berichtete die "Bild" zuletzt, dass weder das Derby noch das folgende Topspiel gegen Eintracht Frankfurt über Wagners Schicksal entscheiden sollen. Dennoch dürfte die Führungsetage bei einer weiteren Pleite zumindest ins Grübeln geraten. Die Stimmung im eigenen Stadion würde auf jeden Fall ungemütlich werden. Nach der Partie gegen Gladbach und dem darauffolgenden Spiel in Frankfurt stehen die Duelle mit der direkten Konkurrenz im Abstiegskampf an. Zunächst geht es gegen den FC Schalke , dann auswärts zu Union Berlin . Danach warten mit Leverkusen und dem FC Bayern zwei Top-Gegner auf Köln. Bereits Mitte November könnte im schlechtesten Fall aus einem durchwachsenen Saisonstart ein knallharter Überlebenskampf werden: mit ungewissem Ausgang. Wagner erklärte am Freitag auf der Pressekonferenz vor dem Gladbach-Spiel, die Unruhe der Fans zu spüren. "Was drumherum passiert, nehme ich natürlich wahr. Es ist gerade auch relativ schwer, das nicht wahrzunehmen", sagte er. "Wenn ich mich davon beeinflussen lassen würde, würde es meinen Job nicht einfacher machen, sondern im Gegenteil ein bisschen schwieriger. Dann schwirrt vielleicht der eine oder andere Gedanke im Kopf, der da nicht hingehört. Davon muss ich mich lösen." Bereits Anfang Oktober hatte Wagner im "Kölner Stadt-Anzeiger" in eine ähnliche Kerbe geschlagen. "Ich spüre die Sorge, dass es nicht funktioniert, und die Unsicherheit in Bezug auf meine Person. Das kann ich nachvollziehen", zeigte er sich selbstkritisch. "Dieses Vertrauen muss ich mir als junger Trainer erarbeiten, das ist mir klar." Die Verantwortung für den Klub sei ihm bewusst. Auch die Rückendeckung der Verantwortlichen ordnete Wagner damals realistisch ein. "Die Unterstützung ist da – aber der Kredit ist nicht unbegrenzt", erläuterte er. "Wir dürfen uns entwickeln, müssen gleichzeitig aber auch Spiele gewinnen; daran werden wir gemessen." "Albtraum" für Dallinga: Köln plötzlich mit Sturmnot Das Heimspiel gegen Gladbach erfolgreich zu gestalten, wird für den gebürtigen Dresdener aber noch einmal schwerer als gedacht. Denn Wagner ist bei einer Schlüsselposition im Team plötzlich in die Bredouille geraten. Seinem Team gehen die Stürmer aus. Am vergangenen Samstag trennte sich der "Effzeh" im Testspiel mit 2:2 von Viktoria Köln. Nach der Partie stand jedoch weniger das Ergebnis im Fokus, als die Sorgen um Ragnar Ache und Thijs Dallinga. Beide hatten sich in der Partie Verletzungen zugezogen. Die anschließenden Diagnosen ließen insbesondere beim Neuzugang Dallinga die schlimmsten Befürchtungen wahr werden. Dallinga erlitt einen Kreuzbandriss, wird mehrere Monate fehlen. "Unglücklicherweise ist gestern ein Albtraum Realität geworden", schrieb der 26-jährige Niederländer einen Tag nach dem Spiel auf Instagram. Er könne nicht glauben, was passiert sei. Bei Ache fiel die Diagnose nicht ganz so schlimm aus. Er zog sich lediglich eine Muskelverletzung zu. Dennoch muss Köln bis zu vier Wochen auf den Torjäger verzichten. Aussortierter Profi plötzlich ein Kandidat für die Startelf? Drei der sechs Kölner Ligatreffer gehen auf das Konto von Dallinga und Ache. Wagner muss diese Torgefahr nun irgendwie ersetzen. Marius Bülter könnte im Zweifelsfall als Stoßstürmer agieren. Der 33-Jährige ist jedoch eigentlich Flügelstürmer, hat in dieser Saison zudem noch keinen Treffer erzielen können – genauso wie Luca Waldschmidt. Der Ex-Nationalspieler kam bisher aufgrund von Verletzungen erst neun Minuten zum Einsatz, ist ohnehin kein physisch robuster Wandspieler. Weitere Alternativen im Angriff stellen Saïd El Mala und Mikey Moore dar. Bringt Wagner jedoch einen oder sogar beide als Duo in der Spitze, muss er das Mittelfeld neu formieren. Möglich wäre deshalb grundsätzlich auch, dass der Trainer gegen Gladbach auf Imad Rondić in der Startelf vertraut. Doch Wagner ließ am Freitag durchblicken, dass nicht einmal feststeht, ob der Bosnier es ins Aufgebot schafft. "Wir kennen alle seine Position innerhalb des Kaders. Deswegen müssen wir da mal schauen, ob das eine Option wird", sagte Wagner auf der Pressekonferenz über Rondić. "Wir müssen gucken, dass wir den Kader mit 18 Feldspielern besetzen. Ob dann Imad dabei sein wird, werden wir sehen." Rondić ist der einzige verbliebene echte Stoßstürmer im Team, wurde im Sommer nach seiner Leihe nach Münster aber eigentlich aussortiert. Wochenlang trainierte er individuell, hing sich jedoch rein und wurde belohnt. Wagner holte ihn zurück ins Mannschaftstraining, schenkte ihm sogar einige Einsatzminuten Anfang September in Stuttgart. Eine weitere Chance scheint der 27-Jährige aber wohl eher nicht zu bekommen. Sein Trainer setzt gegen Gladbach vermutlich auf andere Offensivkräfte, die ihm mit Toren genug Luft für eine ruhige Weiterarbeit in den kommenden Wochen verschaffen – vorausgesetzt, Köln sichert sich am Ende tatsächlich die drei Punkte.

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