Bei der Knesset-Wahl in Israel steht für Ministerpräsident Benjamin Netanjahu einiges auf dem Spiel. Die Wahlumfragen deuten auf ein spannendes Rennen hin. Die Parlamentswahl in Israel am 27. Oktober könnte sich für Benjamin Netanjahu als schicksalhaft erweisen. Der Likud-Politiker ist seit Beginn seiner dritten Amtszeit im Dezember 2022 der am längsten amtierende Ministerpräsident des Landes. Gleichzeitig steht der 77-Jährige seit den verheerenden Terroranschlägen vom 7. Oktober 2023 dauerhaft in der Kritik. Zudem ist er der erste amtierende Ministerpräsident, gegen den die Justiz ermittelt – wegen illegaler Annahme von Luxusgeschenken sowie manipulativer Absprachen mit Medienhäusern, um eine vorteilhafte Berichterstattung zu erwirken. Ein Umstand, der den US-Präsidenten Donald Trump nicht daran hindert, eine Wahlempfehlung für Netanjahu abzugeben. Trumps Vizepräsident JD Vance teilt diese allerdings nicht. Umfragen zur Israel-Wahl deuten auf hohe Verluste für Likud hin Ob Trumps Unterstützung Einfluss auf die Wahl in Israel hat, lässt sich an den aktuellen Wahlumfragen nicht ablesen. Diese sagen deutliche Verluste für Netanjahus Likud-Partei voraus, die bei der Knesset-Wahl 2022 noch 32 Sitze erhalten hatte. Die wichtigsten Wahlkampfthemen sind die Außen- und Sicherheitspolitik, Verantwortlichkeiten für Fehler bei der Abwehr des Hamas-Angriffs, der Militärdienst für ultraorthodoxe Männer und die hohen Lebenshaltungskosten. Vor diesem Hintergrund deuten die Umfragen auf ein knappes Rennen zwischen zwei Lagern hin. Auf der einen Seite steht Netanjahus rechtsreligiöse Regierungskoalition aus Likud , den ultraorthodoxen Parteien Schas und Vereinigtes Tora-Judentum sowie den beiden rechtsextremen Parteien Religiöser Zionismus und Otzma Jehudit . Dem gegenüber steht ein Bündnis, an dessen Spitze sich Gadi Eisenkot , früherer Armeechef und Hauptkonkurrent von Netanjahu, befindet. Eisenkots neu gegründete Partei Jaschar bildet bei der Knesset-Wahl 2026 ein Lager mit der zentristischen Allianz Bejachad , der Mitte-Links-Partei Ha-Demokratim und der säkular-nationalistischen Partei russischer und osteuropäischer Einwanderer Jisrael Beiteinu . Keine Mehrheit in den Wahlumfragen aus Israel Keines der Bündnisse kann in den aktuellen Wahlumfragen bisher die erforderlichen 61 Sitze erreichen, die in der 120 Sitze fassenden Knesset eine Mehrheit bedeuten würden. Deswegen kommt den 17 bis 20 Sitzen, die in den verschiedenen Wahlumfragen keinem der beiden Lager zugeordnet werden, eine besondere Bedeutung zu: Sie dürften über die Mehrheitsverhältnisse nach der Israel-Wahl entscheiden. Die aktuelle Umfrage eines Partnerportals von "Times of Israel" zeigt, dass das Eisenkot-Bündnis auf 54 Sitze kommt, während das Pro-Netanjahu-Bündnis 49 Sitze erreicht – beide liegen damit deutlich unter der für eine Mehrheit erforderlichen Zahl an Sitzen. Aktuelle Umfragen vor Israel-Wahl deuten knappes Rennen an Die Wahlumfragen von Kan 11, Channel 12 und Channel 13 vor der Knesset-Wahl zeichnen in ihren durchschnittlichen Werten ein knapperes Bild. Hier deutet sich ein mögliches Kopf-an-Kopf-Rennen bei der Wahl in Israel an. Das Eisenkot-Lager erhält in der aktuellen Umfrage 53 Sitze, während das Bündnis von Netanjahu auf 51 Sitze kommt. Gleichzeitig wird von 17 Sitzen bei der Knesset-Wahl ausgegangen, die bisher keinem Lager zuzuordnen sind. Gewinnt Netanjahu oder Eisenkot die Israel-Wahl? Laut dem Portal "israel.com", das die acht wichtigsten Wahlumfragen der vergangenen 14 Tage zusammenfasst, liegt die Jaschar-Partei von Eisenkot in allen Umfragen vorn und kommt im Durchschnitt auf 22,4 Sitze. Schlechte Nachrichten gibt es hingegen für die Likud-Partei von Netanjahu kurz vor der Knesset-Wahl 2026. Sie schneidet in keiner Erhebung besser als Jaschar ab und erhält im Schnitt 19,6 Sitze. So stehen andere Parteien in den Umfragen vor der Israel-Wahl Die Bejachad -Partei mit dem früheren Regierungschef Naftali Bennett und dem Oppositionspolitiker Jair Lapid , die dem Eisenkot-Lager zugerechnet wird, kommt laut den Wahlumfragen auf einen Durchschnittswert von 12,9 Sitzen, Ha-Demokratim von Parteichef Jair Golan auf durchschnittlich 8,9 Sitze. Die Vereinte Liste oder Chadasch Ta'al setzt sich aus der arabisch-jüdisch-kommunistischen Partei Chadasch und der arabisch-nationalistischen Partei Ta'al zusammen. Das Bündnis mit Listenführer Yousef Jabareen steht in den Umfragen vor der israelischen Parlamentswahl derzeit bei 8,3 Sitzen. Die Partei Jisrael Beiteinu des einstigen Verteidigungsministers Avigdor Lieberman kommt laut den Umfragen auf 8,1 Sitze, während die Otzma Jehudit von Parteichef Itamar Ben Gvir auf durchschnittlich acht Sitze kommt. Vereinigtes Tora-Judentum steht bei 7,6 Sitzen, während Schas auf 7,4 Sitze und Religiöser Zionismus von Bezalel Smotrich 6,4 Sitze im Durchschnitt bei den aktuellen Wahlumfragen vor der Israel-Wahl erhält. Mit Raam, der früher islamistischen Partei von Mansur Abbas , geben die Erhebungen nur noch einer weiteren Partei mit 5,3 Sitzen eine realistische Chance, eine nennenswerte Zahl an Sitzen in der Knesset zu erhalten. Wer sichert sich die Mehrheit bei der Wahl in Israel 2026? Wer nach der Knesset-Wahl die neue Regierungskoalition bildet, bleibt weiterhin offen, da Umfragen nur einen Trend zum aktuellen Zeitpunkt abbilden und keine Prognose für den eigentlichen Wahlausgang am 27. Oktober sind. Entscheidend könnte es für beide großen Lager sein, wer am Ende jene Sitze auf seine Seite ziehen kann, die sich bisher noch nicht für einen Block entschieden haben. Während Netanjahu eine Regierungsbildung mit den arabischen Parteien grundsätzlich ablehnt, könnte der gemäßigtere Kurs der Eisenkot-Allianz am Ende den Ausschlag bei der Regierungsbildung geben. Allerdings kam aus den eigenen Reihen der Vorwurf von Avigor Lieberman, dass Eisenkot und seine Partei insgeheim über eine Regierungsbildung mit Netanjahus Likud-Partei nachdenken. Ob diese Aussage kurz vor der Abstimmung neue Brisanz in den Wahlkampf bringt, muss sich aber erst noch zeigen.