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Trumps gefährliche Versuchung: Der Iran-Krieg könnte erneut eskalieren

Nach der Wahlniederlage wächst der Druck auf Donald Trump. Im Iran-Krieg könnte er nun eine Entscheidung treffen, die den Nahen Osten noch tiefer in die Krise stürzt. Während seine Partei die Kontrolle über den Kongress verloren hat, beschäftigte sich Donald Trump mit einem neuen Ballsaal. Am Mittwoch besichtigte der amerikanische Präsident die Bauarbeiten am Weißen Haus. Doch die Niederlage bei den US-Zwischenwahlen holte ihn auch dort ein. Journalisten sprachen ihn auf seinen Vizepräsidenten an. JD Vance hatte kurz zuvor auf X geschrieben: "Jeder weiß, warum wir verloren haben." Er spielte auf den Krieg gegen den Iran an, den Trump Ende Februar gemeinsam mit Israel begonnen hatte. Ausgerechnet sein eigener Vizepräsident stellte damit öffentlich eine der folgenschwersten Entscheidungen seiner Präsidentschaft infrage. Und Trump? "Ich fand ihn gut", sagte er über Vances Beitrag. Dennoch verteidigte er den Krieg: "Wenn ich es noch einmal tun müsste, würde ich es trotzdem wieder tun." Zwei Männer, eine Regierung – und zunehmend unterschiedliche politische Interessen. Vance muss darüber nachdenken, wie die Republikaner 2028 wieder gewinnen können. Trump hingegen steht vor der Frage, was von seiner Präsidentschaft bleiben wird. Der Iran-Krieg hat maßgeblich zur Wahlniederlage der Republikaner beigetragen. Ein politischer Durchbruch im Konflikt mit Teheran ist nicht in Sicht. Nun droht in dem Krieg eine neue Eskalation. Das Wahldebakel könnte Trump dazu verleiten, einen militärischen Erfolg zu erzwingen. Denn während er im Repräsentantenhaus und im Senat an Macht verliert, bleibt er Oberbefehlshaber der mächtigsten Streitkräfte der Welt. Entscheidend wird aber sein, welchen Preis für einen Schlag gegen den Iran er zu zahlen bereit ist. Trump-Dämmerung bei US-Zwischenwahlen: Das Beben erreicht Deutschland Kritik an Trump nach Midterms: "Jeder weiß, warum wir verloren haben" Midterms: Alle aktuellen Meldungen Ein Krieg, der Trump politisch schadet Bislang hat sich der Angriff auf den Iran für den US-Präsidenten politisch nicht ausgezahlt. Im Gegenteil: Er brach sein Wahlversprechen, keine Interventionskriege führen zu wollen. Und der Konflikt führte zu steigenden Ölpreisen und allgemein steigenden Lebenshaltungskosten in den USA . All das nahm ihm ein Teil seiner Anhänger übel – und die Demokraten profitierten davon bei den Zwischenwahlen. Teheran hat Trump politisch ausgespielt. Der Iran nutzt die Straße von Hormus , eine der wichtigsten Handelsrouten für Öl und Gas, als Druckmittel. Angriffe auf Schiffe und Einschränkungen des Verkehrs haben die Energiepreise steigen lassen. Das trifft auch amerikanische Verbraucher. Trump räumte ein, dass der Krieg zur Wahlniederlage beigetragen habe. Zugleich versuchte er, die militärische Entscheidung von ihren Folgen zu trennen. "Es ist nicht der Krieg, sondern es sind die Preise", erklärte er. Doch gerade die Preise zeigen, wie wirksam Teherans Strategie ist. Militärisch ist der Iran den USA weit unterlegen. Aber das iranische Regime muss die amerikanischen Streitkräfte nicht besiegen. Es genügt, den Konflikt so teuer zu machen, dass die Unterstützung schwindet. Für Trump entsteht daraus ein Dilemma. Beendet er den Krieg ohne erkennbare Zugeständnisse, könnten seine politischen Gegner von einer gescheiterten Intervention sprechen. Setzt er ihn fort, riskiert er weitere wirtschaftliche Schäden. Ein Abkommen könnte es ihm dagegen ermöglichen, seine militärische Härte nachträglich als Erfolg darzustellen. Die Versuchung eines letzten großen Erfolgs Für den US-Präsidenten geht es inzwischen auch um sein politisches Vermächtnis. Eine Wiederwahl steht für ihn nicht an. Seine innenpolitischen Vorhaben werden durch die neuen Mehrheiten im Kongress schwerer durchzusetzen sein. Außenpolitisch besitzt er dagegen weiterhin großen Handlungsspielraum. Trump muss deshalb nicht zwangsläufig eskalieren. Auch ein diplomatischer Durchbruch könnte seine Präsidentschaft prägen – vorausgesetzt, er kann das Abkommen als Ergebnis seiner militärischen Entscheidung darstellen. Andernfalls bliebe die Frage, warum die USA einen kostspieligen Krieg begonnen haben, ohne ihre wichtigsten Forderungen durchzusetzen. Aber auch das iranische Regime müsste eine Einigung wollen, und bislang stellt sich Teheran quer. Hier liegt die gefährliche Versuchung für Washington : Trump könnte zu dem Schluss kommen, dass er vor einem Rückzug einen sichtbaren Erfolg benötigt. Neue Angriffe wären dann nicht nur ein Mittel, Teheran zu schwächen. Sie könnten auch dazu dienen, die eigene Kriegsentscheidung politisch zu rechtfertigen. Besonders dann, wenn sich diplomatisch keine Einigung – etwa mit Blick auf das iranische Atomprogramm – abzeichnet. US-Vizepräsident Vance hat dagegen andere Interessen. Als möglicher Präsidentschaftsbewerber für 2028 muss er die Folgen für seine Partei bedenken. Seine Kritik deutet darauf hin, dass er den Krieg als Belastung betrachtet. Je länger der Konflikt dauert, desto schwieriger könnte es für die Republikaner werden, sich geschlossen hinter ihn und Trump zu stellen. Sogar ein dauerhafter Bruch ist möglich. Die Wochen bis zum Machtwechsel Auch Zeit ist ein Faktor. Am 3. Januar 2027 tritt der neue Kongress zusammen. Die Demokraten können dann Untersuchungsausschüsse einsetzen, Regierungsmitglieder vorladen und versuchen, die Kriegsfinanzierung einzuschränken. Trump bleibt allerdings Oberbefehlshaber und sein Vetorecht begrenzt die Möglichkeiten der Opposition. Trotzdem wird es mit den neuen Mehrheitsverhältnissen für den US-Präsidenten schwieriger. Bis Januar könnte er deshalb versuchen, den Druck auf Teheran erheblich zu erhöhen. Ein schneller Angriff auf wichtige Einrichtungen, so seine mögliche Rechnung, könnte die iranische Führung zu Zugeständnissen bewegen, bevor die Demokraten größeren Einfluss auf die Kriegsführung nehmen. Ob das funktioniert, ist fraglich. Der Iran hat bereits erhebliche Zerstörungen hingenommen, ohne seine zentralen Forderungen aufzugeben. Der Iran-Experte Danny Citrinowicz beschreibt im "Spiegel" diese beiden Wege: Trump könnte mit neuen Angriffen Entschlossenheit demonstrieren oder angesichts der Kosten ein Abkommen suchen. Der Präsident hält sich offenbar beides offen. Kurz vor den Zwischenwahlen erklärte er der "Financial Times", es gebe keine unmittelbaren Pläne für weitere Angriffe. Gleichzeitig betonte er die Einsatzbereitschaft der US-Streitkräfte. Was amerikanische Bomben erreichen können Washington verfügt weiterhin über erhebliche militärische Mittel in der Golfregion. Zuletzt operierten zwei Flugzeugträger im Arabischen Meer, ein dritter war unterwegs. Ziele neuer US-Angriffe auf den Iran könnten Nuklearanlagen, Raketenstellungen und Einrichtungen der Revolutionsgarden sein. Doch der Krieg belastet auch die US-Streitkräfte. Stützpunkte am Golf wurden beschädigt, Luftabwehrmunition verbraucht. Der Militäranalyst Andreas Krieg vom King's College London bezweifelt im Gespräch mit dem "Tagesspiegel", dass die Voraussetzungen für eine längere Luftkampagne besser wären als zu Kriegsbeginn. Hinzu kommt die begrenzte Wirkung militärischer Gewalt auf das iranische Atomprogramm. Selbst schwere amerikanische Waffen konnten tief verbunkerte Anlagen nicht zuverlässig dauerhaft ausschalten. Der Verbleib großer Mengen hochangereicherten Urans ist weiterhin ungeklärt. Und selbst die Zerstörung wichtiger Infrastruktur beseitigt nicht das Wissen, das für ein Atomwaffenprogramm erforderlich wäre. Neue Angriffe könnten den Iran weiter schwächen, ohne den politischen Konflikt zu lösen. Teheran verfügt zudem über Möglichkeiten zur Vergeltung. Raketen, Drohnen und verbündete Milizen könnten US-Einrichtungen oder Energieanlagen der Golfstaaten treffen. Ägyptens Außenminister Badr Abdelatty warnte zuletzt bei einem Besuch in Bahrain vor einer erneuten Angriffswelle: "Denn dieses Mal wäre der Krieg noch zerstörerischer als bisher." Netanjahus anderes Verständnis von einem Sieg Zudem: Auch in Israel haben die Wahlen die Lage verändert. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verlor mit seinem religiös-nationalistischen Lager die Mehrheit. Parteien, die vor allem von arabischen Israelis geführt werden, legten zu. Entscheidend ist, wer künftig in Jerusalem regiert. Nach Einschätzung des Militäranalysten Krieg verfolgt Netanjahu ein weitergehendes Ziel als Trump. Während Washington Teheran zu einem Abkommen zwingen möchte, strebt der israelische Regierungschef einen Regimewechsel an. Trump und Netanjahu könnten unter einem Sieg also etwas völlig anderes verstehen. Ein Abkommen, das Trump als Erfolg präsentieren würde, müsste nicht unbedingt Netanjahus Zielen entsprechen. Für Washington könnte eine Begrenzung des iranischen Atomprogramms ausreichen. Wer hingegen die Führung in Teheran stürzen will, dürfte sich mit einer solchen Vereinbarung kaum zufriedengeben. Eine neue israelische Regierung könnte andere Prioritäten setzen und Verhandlungen erleichtern. Behauptet Netanjahu seine Macht, könnten die unterschiedlichen Kriegsziele zum Problem werden. Gefährlich wäre ein israelischer Alleingang, der die USA erneut in eine Eskalation hineinzieht. Washington und Jerusalem könnten dann gemeinsam Krieg führen, ohne sich darüber einig zu sein, wann er gewonnen ist. Teheran könnte sich verrechnen Letztlich kommt es mit Blick auf einen Frieden aber auch auf Teheran an. Die iranische Führung feiert Trumps Wahlniederlage bei den Midterms als Bestätigung ihrer Strategie. Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf erklärte, die Amerikaner hätten dem Krieg eine Absage erteilt. Teheran hofft offenbar, dass Washington irgendwann nachgibt. Dabei hat Trump nicht mehr viel zu verlieren. Doch auch der Iran hat einen hohen Preis bezahlt. Seine militärischen Fähigkeiten wurden geschwächt, Energieanlagen beschädigt und Öleinnahmen verringert. Ein Teil seiner Führung ist tot. Trotzdem hält das Regime an wesentlichen Forderungen fest. Vermittler, darunter Katar, bemühen sich um Verständigung. Teheran verlangt Sanktionserleichterungen, die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte und ein Ende der Seeblockade, bevor es die Straße von Hormus öffnet. Über das Atomprogramm möchte der Iran erst später verhandeln. Zudem verlangt Teheran Reparationszahlungen von den USA und Gebühren von Schiffen, die die Straße von Hormus passieren. All das wäre die ultimative Demütigung für Trump und Netanjahu. Für die iranische Führung könnten schon der eigene Machterhalt und ein Ende der amerikanischen Angriffe als politischer Erfolg gelten. Doch solange Washington weitergehende Zugeständnisse verlangt, bleibt ein Abkommen schwierig. Beide Seiten haben Gründe, den Krieg zu beenden. Trotzdem könnten sie darauf setzen, durch weiteres Durchhalten bessere Bedingungen zu erreichen. Für Teheran wäre es besonders riskant, aus Trumps Wahlniederlage abzuleiten, dass er vor neuen Angriffen zurückschreckt. Die Lage ist dementsprechend heikel. Trump könnte einen weiteren Angriff auf iranische Atomanlagen für einen begrenzten Militärschlag halten. Teheran könnte darin jedoch den Versuch sehen, das Regime zu stürzen – und mit Angriffen auf amerikanische Stützpunkte oder Energieanlagen am Golf reagieren. Die USA müssten dann entscheiden, ob sie erneut zurückschlagen. Ein großer Krieg muss also nicht unbedingt von Trump geplant sein. Es reicht möglicherweise schon, wenn er den Stein wieder ins Rollen bringt.

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