Nicaragua-Forum Heidelberg: Mehr als nur 30 Jahre Partnerschaftskaffee
Heidelberg. (kaz) Als sich das Nicaragua-Forum vor nunmehr 30 Jahren gründete, war dies ein Zeichen der Unterstützung für die sandinistische Revolution und zugleich Protest gegen den durch die USA gesteuerten und finanzierten Contra-Krieg.
"Viel ist seither geschehen", heißt es in dem Rundbrief "Nicaragua Aktuell": "Der Mauerfall in Deutschland, die veränderte weltpolitische Großwetterlage. Nicaragua erlebte eine lange neoliberale Phase, die sowohl die Armutszahlen als auch die Analphabetenrate wieder ansteigen ließ." Doch die kontinuierliche Unterstützung durch das Nicaragua-Forum sei nötiger denn je - und nun feiert es seinen 30. Geburtstag am morgigen Mittwoch, 15. November, ab 19 Uhr mit einem Festabend im Karlstorbahnhof.
Normalerweise trifft man sich im Eine-Welt-Zentrum am Hauptbahnhof. Zu den 25 Aktiven an vorderster Front gehören der Vorsitzende Heinz Reinke und seine Stellvertreterin Sabine Eßmann. Der Verein hat rund 400 fördernde Mitglieder. Sein wahrscheinlich bekanntestes Projekt ist der "Heidelberger Partnerschaftskaffee", bei dem Kleinbauern aus Lateinamerika die Lieferanten sind - und dies in "Bio-Qualität". Laut Heinz Reinke gibt es im Rhein-Neckar-Raum rund 70 Verkaufsstellen, die Liefermenge lag zuletzt bei rund 23 Tonnen jährlich. Der "faire Handel" mit sechs Sorten funktioniert also.
Doch da geht natürlich noch mehr. Das Nicaragua-Forum fördert mit "Los Pipitos" auch eine Organisation von Eltern behinderter Kinder und damit etwa 500 Familien. In der Einrichtung in Somoto werden therapeutische Angebote, aber auch Fortbildungen und Sportaktivitäten unterstützt, zuletzt schlug dies mit über 25.000 Euro zu Buche und war der größte Kostenfaktor in der Bilanz des Nicaragua-Forums, gefolgt von den Ausgaben für das Frauenzentrum "El Viejo", wo das Gehalt für eine Frauenärztin, eine Psychologin, eine Rechtsanwältin und eine Vorschullehrerin finanziert wird. Auch der "Hausbetrieb" gehört zu den Kosten von etwa 9600 Euro.
"La Esperanza Granada" lautet der klangvolle Name für ein Bildungsprojekt in armen Stadtteilen und Dörfern. Dafür gab der Verein zuletzt über 7000 Euro aus, über 5000 Euro flossen in die Essensausgabe oder wurden für Freizeitangebote und Arbeitsgemeinschaften verwendet. Arbeiter, die auf Zuckerrohrplantagen durch den Einsatz von Pestiziden krank werden, vielleicht sogar sterben und Angehörige hinterlassen: Auch in solchen Fällen, wird das Nicaragua-Forum hellhörig und hilft. Im jüngsten Jahresbericht ist dazu ein Betrag von über 5300 Euro aufgeführt. Mit etwa 750 Euro waren die Ausgaben für die "Flüchtlingsarbeit an der Atlantikküste" relativ niedrig.
Nach drei Jahrzehnten könnte das Nicaragua-Forum für seine Arbeit Verstärkung gebrauchen, auch wenn es immer wieder junge Menschen gibt, die bereit sind, ein Praktikum in einer Einrichtung vor Ort zu absolvieren. Reisen in das Land finanzieren Vereinsmitglieder aus eigener Tasche. Mit Urlaub haben die kaum was zu tun. Schließlich geht es vor allem darum, sich unterstützte Projekte mal genauer anzuschauen.
Das Nicaragua-Forum erhielt 2016 rund 38.773 Euro Spendengelder und damit gut ein Viertel weniger als 2015. Vielleicht geht das zum runden Jubiläum wieder mehr nach oben.
Info: Spendenkonto: IBAN: DE02.6725.0020.0001 5177 32, Sparkasse Heidelberg, weitere Informationen im Internet: www.nicaragua-forum.de.