"Schulzentrum Weststadt" in Weinheim: "24 Millionen sind nicht das Ende"
Von Philipp Weber
Weinheim. Frühere Schüler der Albert-Schweitzer-Grundschule haben noch Zeit: Wenn sie sich ein letztes Mal vor ihrer alten Schule fotografieren lassen wollen, müssen sie bis Mitte 2021 einen Termin dafür finden. Erst danach kann die marode Grundschule abgerissen werden. Laut aktuellen Planungen steht dann das neue "Schulzentrum Weststadt" zur Verfügung - in dem Schweitzer-Schule und Bach-Förderschule unterkommen. Bis dahin fließt aber noch viel Wasser die Weschnitz hinab - und eine Menge Geld in den Bau der Schulgebäude, der dazugehörigen Dreifeldsporthalle und in den Anschluss des Ensembles an das Rolf-Engelbrecht-Haus. Nach einer "vertieften Kostenschätzung" gehen die Gebäudeplaner von knapp 24 Millionen Euro aus.
Immerhin ist das Mammutprojekt jetzt einen Schritt weiter. Der Gemeinderat stimmte der Vorplanung gestern ebenso mehrheitlich zu wie dem Kostrahmen. Constantin Görtz (SPD) konnte es sich allerdings nicht verkneifen, auf die Ratssitzung vom 8. Februar zu verweisen. Damals hatte sich die Mehrheit der Gremiumsmitglieder hinter die Dreifeldhalle gestellt, obwohl ursprünglich eine Zweifeldsporthalle geplant gewesen war. Unter anderem, um den Weinheimer Vereinen entgegenzukommen. Da es Widerstände gegen die damit verbundene Verteuerung des Projekts gegeben hatte, war auf Vorschlag von Holger Haring (CDU) ein Kompromiss zustande gekommen: Dreifeldhalle ja, aber nur zum ursprünglich geschätzten Gesamtpreis von 20 Millionen Euro. OB Heiner Bernhard stritt gestern im Zwiegespräch mit SPD-Stadtrat Görtz entschieden ab, diesen Kompromiss je unterstützt zu haben - was Görtz wiederum so nicht glauben wollte.
Der damalige Beschluss erwies sich jedenfalls als unhaltbar. Letztlich ergab die später vorgenommene, "vertiefte Kostenschätzung" eine Summe von zunächst 22 Millionen Euro fürs Gesamtprojekt. Hinzu kommen jeweils knapp eine Million Euro für eine erschwerte Gebäudegründung sowie geschätzte Baupreissteigerungen.
CDU-Mann Haring signalisierte die mehrheitliche Zustimmung seiner Fraktion: Er betonte indessen, dass der Neubau von Sporthallen in den Ortsteilen noch nicht vom Tisch sei. Bis dort auch Hallen stehen, so Haring, müssten die betroffenen Vereine die Sportstätten in der Weststadt verstärkt nutzen dürfen. Wolfgang Metzeltin (SPD) wehrte sich gegen den Eindruck, "dass es immer länger dauert und immer teurer wird". Er verwies auf den langen Moderationsprozess, der den Bauplänen vorangegangen war - und auf große Sparbemühungen, die sich ebenfalls in dem heutigen Betrag wiederfänden. Der 20-Millionen-Euro-Beschluss vom Februar sei hingegen auch ein Stück weit den damals parallel verlaufenden Haushaltsverhandlungen geschuldet gewesen.
Die "vertieft" geschätzten Kosten umfassen 16,8 Millionen Euro für die Schulbauten, 6,6 Millionen Euro für die Dreifeldhalle und eine halbe Million Euro für den Anschluss ans Engelbrecht-Haus. Der Löwenanteil von über 19 Millionen Euro wird in den Jahren 2019 und 2020 fällig. Mögliche Fördermittel sind noch nicht eingerechnet.
Gerhard Mackert (Freie Wähler) bemühte seine Erfahrungen als Mitglied der Baukommission und hauptberuflicher Statiker - aber auch Unterstützung von ganz oben: "Am 3. September 2021 nimmt das Schulzentrum seinen Betrieb auf, so Gott will." Cornelia Münch-Schröder (GAL) erinnerte sich an die erste Sitzung besagter Baukommission, in der neben den Fachleuten auch die Fraktionen vertreten sind. Das 20-Millionen-Thema sei dort unter der Rubrik "Man kann ja mal fragen" gelaufen. Auch sie verwies auf durchaus schmerzliche Einsparungen, etwa beim Baumaterial. Michael Lehner (WL) forderte seine Ratskollegen dazu auf, nicht übertrieben kleinlich zu sein. "Wir sollten bei der Qualität keine Abstriche machen." Aber: "Die 24 Millionen Euro sind wohl noch nicht das Ende, bei einem Projekt in dieser Größenordnung." Fördermittel hin oder her. Wolfgang Wetzel erinnerte an das, was die FDP schon am 8. Februar zu der leidigen Dreifeld-Thematik gesagt hatte: "Drei Brötchen gibt es nicht zum Preis von zweien." Auch Matthias Hördt (Die Linke) trug das Projekt mit, verwies aber ebenfalls auf mögliche Kostensteigerungen.
Stella Kirgiane-Efremidou stimmte am Ende gegen alle vier Teilbeschlüsse. Sie sei bis heute nicht überzeugt von dem Hallenstandort direkt an der Breslauer Straße, sagte sie.