Kommunen: Kempten zieht Konsequenzen nach Millionen-Diebstahl
Fast 1,9 Millionen Euro verschwanden als Kleingeld aus Kemptens Parkautomaten – jetzt reagiert die Stadt. Was sich beim Parken ändert und warum die beiden Täter so leichtes Spiel hatten.
Nach dem Millionendiebstahl von Parkmünzen will die Stadt Kempten künftig auf bargeldlose Zahlungssysteme setzen. Dies ist eines der Ergebnisse der Untersuchung der Affäre um einen ehemaligen Mitarbeiter, der gemeinsam mit seiner Ehefrau jahrelang tonnenweise Kleingeld aus den Automaten der Kommune entwenden konnte. Anfang Mai waren der 40 Jahre alte Ex-Beschäftigte der Stadt und die 39 Jahre alte Mitangeklagte zu jeweils fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden.
In dem Prozess vor dem Landgericht Kempten wiesen alle Seiten darauf hin, dass es den Beschuldigten von der Stadtverwaltung sehr einfach gemacht worden sei. Das Ehepaar hatte eingeräumt, insgesamt etwa 1,9 Millionen Euro aus den Parkscheinautomaten gestohlen zu haben. Strafrechtlich verurteilt wurden die Eheleute nur wegen rund 1,3 Millionen Euro, die anderen Fälle waren bereits verjährt. Die Gesamtschadenssumme soll nun aber bei den Angeklagten, soweit möglich, gepfändet werden.
Die Diebstahlserie wurde im Herbst 2025 bekannt, weil einer Bank die ständigen Münzeinzahlungen des Paares verdächtig vorkamen und von dem Geldhaus Verdachtsanzeige erstattet wurde. Die Stadt setzte später eine Kommission ein, um die Ursachen der Diebstähle zu ergründen und Konsequenzen daraus abzuleiten. Es sei das Ziel, die "bargeldbasierten Prozesse" bei der Neuordnung der Parkraumbewirtschaftung zu reduzieren, heißt es in dem jetzt vorgelegten Abschlussbericht der Kommission. Unter anderem soll verstärkt auf Smartphone-Apps gesetzt werden.
Trotz der Diebstähle stiegen die Parkeinnahmen stark an
Nach Angaben der Aufarbeitungskommission sind die Parkeinnahmen der Stadt im vergangenen Jahrzehnt trotz der Diebstähle stark gestiegen - von etwa 800.000 Euro auf rund 2,5 Millionen Euro. Denn die Bewirtschaftung des Parkraums sei ausgeweitet worden. Doch die Steuerungs- und Kontrollstrukturen seien parallel "nicht im gleichen Maße weiterentwickelt" worden.
Die Prüfer bemängelten eine zu geringe Nutzung technischer Auswertungsmöglichkeiten und eine lückenhafte Dokumentation. Eine der Folge sei, dass nun Automaten und Schließtechnik ausgetauscht werden müssten und bei Abrechnungen ein "Mehr-Augen-Prinzip" eingeführt werden müsse.