Weil Investor Hasan Ismaik ein Darlehen aufgekündigt hat, droht dem klammen Traditionsverein der Absturz in die Viertklassigkeit. Der Mehrheitsgesellschafter stellt Forderungen. Beim TSV 1860 München wächst die Sorge um die Zukunft des Klubs. Investor Hasan Ismaik hat sich nun selbst zur angespannten finanziellen Lage geäußert – und erhöht den Druck auf die Vereinsführung. Wie die "Süddeutsche Zeitung" zuerst berichtet hatte, bestätigte Ismaik bei Instagram die Kündigung bestehender Darlehensverträge. Gleichzeitig erklärte der Geschäftsmann aus Abu Dhabi, ein neues Finanzierungsmodell mit besseren Konditionen angeboten zu haben. WM: Oberliga-Torwart Koblenz für Haiti bei Weltmeisterschaft dabei Champions League: TV-Experte tritt von Job beim Finale zurück Nach Informationen der "Bild" fehlen den Münchnern derzeit 2,7 Millionen Euro, um die Lizenz für die 3. Liga zu sichern. Bis zum 3. Juni muss der Zahlungsnachweis beim Deutschen Fußball-Bund eingereicht werden. Andernfalls droht dem Traditionsverein der Absturz in die Regionalliga. Ismaik: Fast 80 Millionen Euro investiert? Ismaik kritisierte erneut die Entwicklung beim Klub. "Seit fünfzehn Jahren habe ich den Verein mit nahezu achtzig Millionen Euro unterstützt, weil ich an die Möglichkeit geglaubt habe, die Löwen auf starken und stabilen Grundlagen neu aufzubauen", schrieb der Investor. Weiter erklärte er: "Mein Ziel war es nie, lediglich beteiligt zu sein, sondern dazu beizutragen, den Verein dorthin zurückzuführen, wo er hingehört." Gleichzeitig räumte Ismaik ein: "Die Wahrheit ist jedoch, dass die Ergebnisse nicht das waren, was wir uns alle erhofft hatten." Die "Löwen" hatten die vergangene Saison in der 3. Liga lediglich auf Rang acht beendet und frühzeitig keine Chance mehr auf den Aufstieg gehabt. Das Präsidium des TSV 1860 zeigte sich trotz der angespannten Lage nach außen ruhig. Der Verein teilte mit: "Wir gehen aktuell davon aus, dass der Liquiditätsnachweis gegenüber dem DFB rechtzeitig erbracht wird. Die entsprechenden Gespräche hierzu dauern an." Zudem erklärte das Präsidium, man ergreife "alle erforderlichen und angemessenen Maßnahmen, um die Rechtsposition des Muttervereins und seiner Mitglieder zu wahren und den Spielbetrieb der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA zu sichern." Ismaik will alles auf den Prüfstand stellen – mal wieder Ismaik begründete die Kündigung der Darlehensverträge damit, dass aus seiner Sicht "wichtige Verpflichtungen unter den Darlehensverträgen nicht eingehalten wurden". Deshalb müsse die aktuelle Situation überprüft werden. "Die derzeitige Situation kann so nicht weitergehen, und die aktuelle Situation muss ernsthaft und mutig auf den Prüfstand gestellt werden", schrieb er. Der Investor fordert nach eigenen Angaben weitreichende Veränderungen. Der Klub brauche "mehr als eine neue Finanzierung. Er braucht eine echte Restrukturierung, ein klares Finanzkontrollsystem und Compliance sowie ein Management, das nach modernen institutionellen Standards arbeitet, wie es auch bei erfolgreichen Vereinen und Unternehmen der Fall ist." Ismaiks Unternehmen HAM International Limited teilte außerdem mit, ein "neues Finanzierungsmodell mit besseren Konditionen als zuvor vorgelegt" zu haben. Dieses sei "zinslos und mit zusätzlicher finanzieller Unterstützung, die darauf abzielt, den Verein zu schützen und seinen Verbleib in der Dritten Liga sicherzustellen." 1860: Gehaltszahlungen vorerst ausgesetzt Besonders brisant ist laut Bericht eine weitere Forderung des Investors. Demnach soll der Verein auf ein mögliches Vorkaufsrecht verzichten, falls Ismaik seine Anteile künftig verkaufen möchte. Geschäftsführer Manfred Paula widersprach der Darstellung des Investors. Laut "Süddeutscher Zeitung" wies er "die erklärte Kündigung als unwirksam zurück". Gleichzeitig sagte Paula: "Wir können aufgrund Ihrer Kündigung und der aufgestellten Forderung nicht mehr von einer Durchfinanzierung ausgehen (...) und wechseln vorsorglich in die Notgeschäftsführung." Das habe unmittelbare Folgen: "Dies bedeutet, dass wir bis auf Weiteres keine Zahlungen leisten können, auch keine Gehaltszahlungen." Die aktuelle Situation erinnert an das Jahr 2017. Damals verweigerte Ismaik nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga weitere finanzielle Unterstützung. Der TSV 1860 musste anschließend in der Regionalliga Bayern antreten.