Untergang der Sea Story: Elf Menschen starben auf Touristenschiff: Waren schwere Baumängel der Grund?
2024 kenterte die „Sea Story“ im Roten Meer. Laut Berechnungen der Technischen Universität Hamburg-Harburg war eine Fehlkonstruktion die Ursache, wie der stern exklusiv berichtet.
Das Touristenschiff „Sea Story“, das Ende 2024 mit einem tödlichen Unfall auf dem Roten Meer weltweit Schlagzeilen machte, hatte offenbar schwere Baumängel. Das berichtet der stern in seinem Investigativ-Podcast „Der Untergang der Sea Story“ unter Berufung auf Experten. Außerdem soll eine Einheit der ägyptischen Marine laut Zeugen die Rettung Überlebender behindert haben.
Die „Sea Story“ kenterte im November 2024 mit 45 Menschen an Bord, elf starben. Professor Stefan Krüger von der Technischen Universität Hamburg-Harburg, ein weltweit anerkannter Experte für Schiffssicherheit und gerichtsfeste Unfallrekonstruktionen, kommt zu dem Ergebnis, dass das Schiff „nicht ausreichend seetauglich“ war. Er hat den Fall exklusiv für stern und RTL untersucht.
Erstens, so Krüger, habe das Schiff „die allgemein anerkannten Mindeststabilitäts-Regeln“ nicht hinreichend erfüllt. Seinen Berechnungen zufolge habe sein Höhenschwerpunkt um gut einen halben Meter zu hoch gelegen. Solch eine Abweichung komme für Crew wie Passagiere einem „Unterschied zwischen tot oder leb’ ich“ gleich. Zweitens sei auch die Form des Rumpfes „sehr ungünstig“ für die Stabilität des Schiffs gewesen.
Ägyptische Marine soll Rettung behindert haben
Zudem erheben Zeugen schwere Vorwürfe gegen das ägyptische Militär. Eine Fregatte der Marine fuhr laut ihren Aussagen etwa einen Tag lang neben dem umhertreibenden Wrack – offenbar ohne unmittelbar zu versuchen, Überlebende oder Tote zu bergen, sagt Christophe Lemmens, selbst Überlebender, dem stern. Der belgische Urlauber war mit seiner Lebensgefährtin 34 Stunden lang im Wrack gefangen. Ein Marinesoldat, so Lemmens weiter, habe ihm später bestätigt: Die Fregatte sei mehr als 24 Stunden lang neben dem Schiffsrumpf der „Sea Story“ hergefahren.
Eine deutsche Augenzeugin schildert es ähnlich. Das Militär habe „offenbar alles abgeschirmt“, sagte Yvonne Bauersfeld. Kein Boot habe sich dem Wrack nähern dürfen. Die Taucherin aus Gießen war als Gast auf einem anderen Touristenboot, das sich in der Region des Unfallorts befand. Das Militär habe der Crew aber „strengstens verboten“, zum Wrack zu fahren. Erst einen Tag später habe das Militär der Besatzung auf ihrem Schiff doch noch die Erlaubnis gegeben. Als wertvolle Zeit verstrichen war.
Der Betreiber des gekenterten Schiffs sowie die zuständigen ägyptischen Behörden und das Militär äußerten sich nicht zu den Vorwürfen. Sie ließen umfangreiche Fragen des stern unbeantwortet.