"Miss Daisy und ihr Chauffeur": Schwarz-Weiß-Konflikt ohne Schwarz-Weiß-Malerei
Auch über 35 Jahre nachdem Morgan Freeman mit "Miss Daisy und ihr Chauffeur" seinen Durchbruch feierte, hat die Tragikomödie über Rassismus, Verständnis und Toleranz ihre Aktualität nicht verloren. ARTE wiederholt den oscarprämierten Film.
Vier Oscars, drei Golden Globes, zwei Silberne Bären – "Miss Daisy und ihr Chauffeur" wurde 1989 mit Preisen überschüttet. Die Verfilmung des gleichnamigen Theaterstückes faszinierte Publikum und Kritiker gleichermaßen. Und das Thema "Minderheiten" ist damals wie heute aktuell. ARTE wiederholt den modernen Klassiker nun zur besten Sendezeit.
Die starrköpfige Miss Daisy (Jessica Tandy), deutsch-jüdischer Abstammung, fährt ihren Wagen zu Schrott. Sohn Boolie (Dan Aykroyd) entschließt sich, für seine Mutter einen Chauffeur zu engagieren. Doch die alte Dame reagiert wenig erfreut, denn Hoke Colburn (Morgan Freeman) hat in ihren Augen einen entscheidenden Fehler: Er ist Schwarzer. Und so schikaniert sie ihn, wo sie nur kann.
Viele Jahre vergehen, und Boolie hat seine liebe Mühe, immer wieder zwischen der herrschsüchtigen Daisy und ihrem gutmütigen Chauffeur zu schlichten. Als der Hass gegen Minderheiten im Land neue Nahrung erhält, sehen sich der Fahrer und die alte Dame plötzlich auf der gleichen Seite. Erst spät lernt Daisy, die Weisheit und das Lebensgefühl Hokes zu würdigen. Kann es doch noch so etwas wie Freundschaft geben?
Ein Plädoyer für Toleranz und Verständnis
Die Wandlung der Daisy Werthan bedeutete für die damals 80-jährige gefeierte Theater-Schauspielerin Jessica Tandy eine große Herausforderung. Ihr meisterlicher Auftritt wurde mit dem Oscar belohnt. "Es erscheint mir wirklich wie ein Wunder", meinte damals die Darstellerin, die ihre Karriere bereits im Jahr 1932 in "The Indiscretion of Eve" begann und danach unter anderem in Hitchcocks "Die Vögel" spielte.
Mit süffisanten Untertönen gespickt, gehört Bruce Beresfords Portrait zu den großen Filmen der 80er-Jahre. Aus mehreren Blickwinkeln beleuchtet er die Unterdrückung von Minderheiten als zeitenüberdauerndes Übel, ohne in oberflächliche Schwarz-Weiß-Malerei zu verfallen. Und er zeigt, dass "Toleranz" und "Einander verstehen" keine Fremdwörter sein müssen.
Miss Daisy und ihr Chauffeur – Mo. 15.06. – ARTE: 20.15 Uhr