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WM: Nagelsmann und Kimmich widersprechen sich nach Ecuador-Niederlage

Im abschließenden WM-Gruppenspiel geht Deutschland als Verlierer vom Feld. Danach fällt auf: Trainer und Spieler driften in ihrer Analyse auseinander. Aus New York/New Jersey berichtet William Laing Von sportlicher Relevanz war das letzte Spiel der WM-Vorrunde für die deutsche Nationalmannschaft nicht mehr. Schon vor dem Duell mit Ecuador stand die DFB-Elf nach zwei Erfolgen in den ersten beiden Partien als Sieger ihrer Gruppe fest, durfte sich damit frühzeitig über den Einzug in die K.-o.-Runde freuen. Doch durch die 1:2-Niederlage gegen die Südamerikaner am Donnerstag in New Jersey geht die DFB-Elf nun mit einem schmerzhaften Dämpfer in die entscheidende Phase der Weltmeisterschaft . "Wir müssen, wenn wir so früh führen, mit viel mehr Überzeugung das Ding zu Ende spielen", sagte Bundestrainer Julian Nagelsmann nach der Partie bei MagentaTV. Genau das war seiner Mannschaft nicht gelungen. Nach dem Blitztor von Leroy Sané nach gerade einmal zwei Minuten verlor die deutsche Auswahl den Zugriff auf die Partie. Ecuador wiederum biss sich ins Spiel, setzte der deutschen Elf eine Körperlichkeit entgegen, mit der diese nur schwer umzugehen wusste. Der Lohn: die Tore von Nilson Angulo (9. Minute) und Gonzalo Plata (77.) und ein letztlich verdienter Sieg für "La Tri". Die Gründe für diesen dürften in den kommenden Tagen nun eingehender Analysegegenstand beim DFB sein, um vor dem Sechzehntelfinale am Montag in Boston schnell die richtigen Schlüsse ziehen zu können. Spannend ist dabei aber vor allem eines: In der ersten Evaluierung der Partie herrschte zwischen Bundestrainer und Mannschaft Uneinigkeit hinsichtlich einer der möglichen Ursachen für die Niederlage. Die Frage des Willens: Nagelsmann fährt Moderator an Schon im Vorfeld war gerätselt worden, wie die deutsche Elf die Partie gegen die noch um das Weiterkommen kämpfenden Ecuadorianer angehen würde. Nicht wenige hatten erwartet, dass Nagelsmann in seiner Startformation rotieren würde. Doch der Bundestrainer entschied sich anders. "Wir werden die Wechsel vornehmen, die wir müssen", sagte Nagelsmann noch am Mittwoch auf der Abschlusspressekonferenz. Dementsprechend brachte er im Vergleich zu den vorangegangenen Spielen lediglich Antonio Rüdiger für den verletzten Nico Schlotterbeck sowie David Raum für den angeschlagenen Nathaniel Brown . Das Motto: weiter einspielen und sich vorbereiten auf die K.-o.-Phase. Was er passend dazu unmissverständlich klarstellte: Das letzte Gruppenspiel sei eines, das man gewinnen wolle. Wie groß dieser Wille innerhalb der Mannschaft tatsächlich war, wurde nach der Partie aber heiß diskutiert. So wollte unter anderem MagentaTV-Moderator Johannes B. Kerner von Nagelsmann wissen, ob der bereits feststehende deutsche Gruppensieg und der damit verbundene fixe Einzug in die nächste Runde möglicherweise "das letzte Prozent Engagement" bei der deutschen Elf herausgenommen hätten. Eine Frage, auf die der Bundestrainer eine unwirsche Reaktion zeigte. "Nein, bitte hört auf mit dem Quatsch, ehrlich", sagte Nagelsmann sichtlich genervt. "Wollten die Jungs nicht Vollgas geben?" Kerner entgegnete beschwichtigend: "Natürlich wollten sie spielen, aber die anderen wollten es ein bisschen mehr." Doch mit dieser Einordnung war Nagelsmann nicht einverstanden. "Nee, die wollten es nicht mehr", widersprach der 38-jährige Trainer Kerner. "Die haben halt ein bisschen mehr Risiko genommen in ihren Aktionen." Er könne jetzt keinem Spieler sagen, dass dieser "zu wenig Gas gegeben" habe, betonte Nagelsmann – und ahnte in diesem Moment wohl nicht, dass die DFB-Stars selbst gerade das an ihrer eigenen Leistung monierten. Kimmich und Undav im Widerspruch zu Nagelsmann Kapitän Joshua Kimmich zumindest tätigte nach Schlusspfiff in den Katakomben der Arena eine gänzlich gegensätzliche Aussage zu der seines Cheftrainers. "Was mich am meisten ärgert, ist, dass man das Gefühl hatte, dass der Gegner mehr gewinnen wollte als wir", sagte der Rechtsverteidiger. "Und das darf uns unabhängig von der Konstellation nicht passieren, dass der Gegner griffiger ist und mehr auf Sieg spielt als wir das tun." Stürmer Deniz Undav wählte ähnliche Worte – und stand mit diesen dementsprechend ebenfalls im Widerspruch zur Analyse von Nagelsmann. "Ich hatte das Gefühl, dass sie es mehr wollten als wir", erklärte der dieses Mal glücklose Top-Torschütze der deutschen Mannschaft bei MagentaTV. "Die waren griffiger, bei denen ging’s noch um alles." Daraus müsse das Team lernen, künftig alles reinzuwerfen, so Undav weiter. Dann wiederholte er sein Eingangsstatement: "Ich glaube, man hat heute auf dem Platz gesehen, dass sie es mehr wollten." Unterschiedliche Schwerpunkte in der Ursachenforschung Was die Analyse des Geschehenen angeht, sprechen Nagelsmann und seine Spieler letzten Endes also nicht dieselbe Sprache. Kimmich und Undav erkennen eine Art Mentalitätsproblem, das es wohl auch besonders mit Blick auf den Titeltraum bei der WM dringend zu beheben gilt. Der Bundestrainer wiederum verneint dieses vehement. Er sieht die Baustellen offenbar an anderer Stelle. Bei MagentaTV sprach Nagelsmann unter anderem von "Harakiri in der Positionierung" nach Sanés Führungstreffer, in der ARD von ein "bisschen zu viel Freestyle". Seine Fehleranalyse bezieht sich damit in erster Linie auf taktische Aspekte, bei denen er Verbesserungspotenzial sieht. In der Ursachenforschung für die Niederlage setzen Trainer und Mannschaft damit unterschiedliche Schwerpunkte. Diese nun zusammenzuführen, dürfte für Nagelsmann und seine Spieler der erste wichtige Schritt für eine zielführende, kritische Analyse sein. Gelingt dieser jedoch nicht, könnte die Niederlage noch länger nachwirken, als es allen Beteiligten lieb sein dürfte. Womöglich droht Deutschland dann im schlimmsten Fall schon im Sechzehntelfinale ein böses Erwachen.

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