Paraguay gilt für die deutsche Mannschaft als Pflichtaufgabe. Der Nationaltrainer des deutschen Gegners sieht das dagegen anders. David Schafbuch berichtet aus Foxborough, Massachusetts Gustavo Alfaro hatte viel Redebedarf – mal wieder. Kaum ein Trainer bei der Fußball-Weltmeisterschaft redet länger auf Pressekonferenzen als der Nationaltrainer Paraguays. Eigentlich wollen die Journalisten die letzten Informationen zu dem Spiel gegen die deutsche Nationalmannschaft erhalten. Wie es etwa dem angeschlagenen Abwehrchef Omar Alderete geht, hätte wohl der eine oder andere in dem Saal gerne von Paraguays Nationaltrainer gewusst. Doch dazu äußert sich der Argentinier nicht. Stattdessen philosophiert Alfaro davon, wie die WM seine Mannschaft zu besseren Menschen macht, wie sie an dem Turnier wachsen wird, unabhängig von den Ergebnissen. Seine letzte Antwort ist ein mehr als 13-minütiger Monolog. Darin spricht der Nationaltrainer unter anderem davon, dass er kürzlich den ehemaligen Bayern-Profi Roque Santa Cruz zum Kaffee getroffen hat. WM 2026: Alle Informationen im Newsblog Gegen Paraguay: Nagelsmann denkt über Wechsel nach Mittendrin kommt Alfaro dann doch noch auf den Gegner Deutschland zu sprechen. Der wird laut dem Trainer am Montag im Stadion von Foxborough in der Nähe von Boston (22.30 Uhr live bei MagentaTV und ZDF) eine "riesige Herausforderung" sein. Und: "Es ist nicht unmöglich, zu gewinnen." Am Ende werde nicht das Team gewinnen, das besser Tore schießen kann. Gewinnen werde die Mannschaft, die besser verteidigen kann. Und wenn seine Mannschaft in Rückstand gerate, werde sie nicht aufgeben: "Wir stehen auf, wenn wir fallen." Rein sportlich sollte Deutschland der klare Favorit in diesem Spiel sein. Doch die Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann dürfte am Montag vor dem Gegner gewarnt sein: Denn mit Paraguay trifft das DFB-Team erneut auf einen robusten Rivalen, dessen Stärken in der Defensive liegen – ähnlich wie Ecuador. Die Gruppenphase überstand die Mannschaft aus Südamerika noch, nachdem sie zum Auftakt klar gegen die USA verloren (4:1) hatte. Anschließend siegte man knapp gegen die Türkei (1:0) und holte ein Unentschieden (0:0) gegen Australien. Das reichte gerade so, um sich über die Wertung der besten Gruppendritten der Vorrunde zu qualifizieren: Acht Mannschaften erreichten so die K.-o.-Phase, Paraguay landete in der Wertung auf Rang sieben. Andersherum könnte man auch sagen: Auf dem Papier ist Paraguay eines der schwächsten Teams, das die Gruppenphase überstanden hat. Das knappe Weiterkommen hatte auch in dem Land Kritik ausgelöst. Trainer Alfaro ließ diese allerdings nicht gelten: Paraguay sei wohl das einzige Land auf der Welt, das sich nicht über den Einzug in die K.-o.-Runde freue, klagte der Trainer bei der Pressekonferenz in Foxborough. Man müsse die Stärke der anderen Mannschaften anerkennen. Er habe zudem schon vor dem Turnier davon gesprochen, dass er nicht garantieren könne, dass seine Mannschaft die Gruppenphase überstehen werde, hob Alfaro hervor. Premiere bei Platzverweis Während der WM-Qualifikation kassierte die Mannschaft lediglich zehn Gegentore. Besser war auch da nur Deutschland-Bezwinger Ecuador. Die Niederlage gegen die USA fiel zwar zum WM-Auftakt vergleichsweise hoch aus. Seitdem blieb die Mannschaft aus Südamerika aber ohne Gegentor. Gegen die Türkei spielte Paraguay auch zu null, obwohl sie eine gesamte Halbzeit in Unterzahl waren. Mittelfeldspieler Miguel Almirón hatte einen türkischen Gegenspieler verbal attackiert und sich dabei die Hand vor den Mund gehalten. Vor dem Turnier hatte die Fifa die neue Regel eingeführt, ein solches Verhalten mit einem Platzverweis zu bestrafen. Im Spiel gegen Deutschland ist Almirón wieder spielberechtigt. Verzichten muss die Mannschaft dagegen auf den gelbgesperrten Diego Gómez. Fraglich ist der Einsatz von Abwehrchef Omar Alderete, der ehemalige Profi von Hertha BSC hatte gegen Australien eine Zerrung im linken Knie erlitten. Laut der Zeitung "Última Hora" aus Paraguay wird sich sein Einsatz erst im Laufe des Montags nach einer MRT-Untersuchung entscheiden. "Das wird nicht möglich sein" Dass es ein schwieriges Spiel werden könne, sah auch Bundestrainer Julian Nagelsmann so. Paraguay sei ein "unangenehmer Gegner, der uns einiges abverlangen wird", sagte der 38-Jährige am Sonntag. Die Mannschaft habe noch zum Auftakt mit viel Selbstbewusstsein und Aggressivität gegen die USA begonnen. Diese sei ihr allerdings im Laufe des Spiels abhandengekommen. Nagelsmann hob zudem die Physis hervor. Der Bundestrainer hatte schon nach der Niederlage gegen Ecuador eingeräumt, dass seine Mannschaft in puncto Kraft einige Defizite habe. "Bis Montag werden wir uns nicht auftrainieren können im Oberkörperbereich. Das wird nicht möglich sein", hatte der Bundestrainer nach der 1:2-Niederlage gegen Ecuador bilanziert. Diese Schwäche ist auch dem Gegner nicht verborgen geblieben. "Paraguay muss versuchen, Deutschland in ein intensives Hin und Her zu verwickeln. Je körperlicher das Spiel wird, desto besser für uns", sagte etwa der langjährige Bundesligaprofi Santa Cruz der "Süddeutschen Zeitung".