"Wann ist ein Mann ein Mann?", fragte einst Herbert Grönemeyer. Auch die Grünen suchen nach Antworten – und kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Gerade bei jungen Männern kommen die Grünen nicht sonderlich gut an. Das will die Partei ändern – ist sich aber offenbar uneins über das Wie. Auf einen Vorstoß mehrerer Grüner, darunter seiner Co-Parteichefin Franziska Brantner, reagierte Grünen-Chef Felix Banaszak nun zurückhaltend. Er freue sich über jeden Impuls in der Debatte um Männlichkeit, auch wenn er nicht jeden Ansatz teile, sagte Banaszak, der zum linken Flügel der Partei zählt, t-online. Hintergrund ist ein Manifest einiger Grüner zum Thema Männlichkeit, über das das Nachrichtenmagazin "Spiegel" berichtet hatte. Darin geht es um die Auseinandersetzung mit Rollenbildern. Die Autorinnen und Autoren versuchen, Wege zu finden, gezielt jüngere Männer anzusprechen. Demnach haben 13 Grüne den Text unterzeichnet, neben Brantner aus dem Realo-Flügel auch die Parteilinke Ricarda Lang . Banaszak zählt hingegen nicht zu den Unterzeichnern. Der "Spiegel" berichtete auch über zwei Bundestagsabgeordnete, die über das Thema Fitness neue Wähler ansprechen und das Bild der Grünen ändern wollen. Grünen-Chef Banaszak: Will keine Bestätigung von Klischees Banaszak betonte, dass für ihn "eine Erweiterung von Männerbildern" zentral sei, allerdings nicht die "Bestätigung von Klischees". Er fügte hinzu: "Fürsorge und Verantwortung sind kein Widerspruch zu Fitness, aber Fitness alleine macht noch keinen neuen Mann." Viele Männer seien auf der Suche nach einem Rollenbild, das nicht länger auf Gewalt und Dominanz beruhe, sondern für Gleichberechtigung und Respekt stehe. "Auch grüne Männer sind da in einer Suchbewegung", so Banaszak. Der Grüne fragte: "Warum sind denn so viele junge Männer auf Orientierungssuche anfällig für rechtsautoritäre Männlichkeitsbilder?" Und: "Welche positiven Gegenbilder können progressive Kräfte – und damit auch die Grünen – schaffen?" Ostkongress der Grünen: Darum fahren die Grünen jetzt Camper Porträt des Grünen-Chefs: B anaszak rauft sich die Haare, seufzt, nimmt das Urteil an Vor allem Rechten gelingt es seit einiger Zeit, Männer für sich zu gewinnen, die sich als Opfer des Feminismus betrachten. Frauenfeindliche Influencer gewinnen bei diesen oft jüngeren Männern an Zuspruch, sie setzen auf sexistische Äußerungen, propagieren traditionelle Rollenbilder und betonen das Bild eines "starken Mannes", die Frauen müssten sich fügen. Es handelt sich dabei um die sogenannte Manosphere, also ein Netzwerk von Online-Communities. Linkere Parteien wie die Grünen betonen hingegen die Bedeutung des Feminismus und machen sich für Frauenrechte stark. Der "Spiegel" schreibt, dass die Grünen mit diesem Vorgehen über Jahre angeblich ein sogenanntes Softie-Image kultiviert hätten. "Wir Grünen müssen aus unseren Hygienezonen raus", sagte der grüne Bundestagsabgeordnete Julian Joswig dem Magazin etwa und ließ sich beim Krafttraining im Fitnessstudio begleiten. Sein Parteikollege Anton Hofreiter zeigte, wie gut er boxen kann. Während die AfD bei der Bundestagswahl 2025 vor allem auch bei jungen Männern punkten konnte, werden die Grünen häufiger von Frauen gewählt. Die Geschlechterlücke, die sich im Osten genauso zeige wie im Westen, sei bei allen Bundestagswahlen seit 2002 feststellbar, so die Bundeszentrale für politische Bildung. "In ihr spiegelt sich auch die feministische Ausrichtung der Partei, die den Kampf für die Gleichberechtigung von Anfang an auf ihre Fahnen geschrieben hatte." Grüne wollen "raus aus der Bubble" Banaszak versucht bereits seit einiger Zeit, gezielt auf jüngere Männer zuzugehen und diese anzusprechen. So gab er etwa dem "Playboy" ein Interview oder war Gast im Talk-Format des Livestreamers Staiy, der ein vorwiegend männliches Publikum anspricht. Im Gespräch mit t-online sagte er nun: "Ich bin gerne und stolzer Vorsitzender einer feministischen Partei." Feminismus sei nicht Männerhass, sondern der Kampf gegen patriarchale Verhältnisse. "Unter denen leiden in erster Linie Frauen – aber eben auch Männer, die sich den herrschenden Geschlechterrollen nicht unterwerfen wollen oder können", so Banaszak. Auch Co-Parteichefin Brantner äußerte sich am Montag zu dem Männlichkeits-Manifest. Sie sagte, dass es sich dabei um einen "Beitrag zu einer Debatte" handele. Das Thema treibe viele um, und es brauche eine Öffnung in der Partei, auch von Rollenbildern, sagte sie bei der wöchentlichen Pressekonferenz der Parteispitze in Berlin . Brantner betonte, es sei am Ende das Wichtigste, dass Männer sich anständig verhielten, auch gegenüber Frauen – dass sie "eben keine Arschlöcher" seien. Brantner betonte weiter, es sei der Anspruch der Partei, weder das "Gym, die Muckibude noch die Deutschlandflagge den Rechten" zu überlassen. Die Grünen, die nach dem Aus der Ampel-Regierung in der Opposition gelandet sind, versuchen ihr Image als nischige Verbotspartei loszuwerden und Vorurteilen offensiv entgegenzutreten. Die Parteichefs betonen regelmäßig, dass sie "raus aus der Bubble" wollten, um neue Wählerschichten zu erreichen. Man wolle den Menschen zeigen, dass Grüne auch Auto fahren, Urlaub machen oder mal eine Wurst essen, wie Banaszak vor anderthalb Wochen beim Ostkonkongress seiner Partei in Sassnitz auf der Ostseeinsel Rügen sagte. Debatte über Deutschlandflagge Dass es für die Grünen nicht immer leicht ist, alle Flügel unter einen Hut zu bringen, haben auch Äußerungen des Co-Vorsitzenden der Grünen Jugend, Luis Bobga, gezeigt. Bobga hatte vergangene Woche nach dem deutschen WM-Aus mit Posts im Netz für Aufregung gesorgt. Zum einen äußerte er sich zu Gewalt gegen Frauen und schrieb: "Wie viele Männer haben heute Nacht um halb 2 wohl rotzevoll die Wut auf Paraguay an ihren Frauen rausgelassen?" Zum anderen schrieb er: "So, und jetzt hängt eure scheiß Deutschlandflaggen wieder ab." Der 23 Jahre alte Bobga hatte sich zum Start der WM noch differenzierter zum Flaggen-Thema geäußert. In einem Video auf Instagram sagte er, dass er Fußball liebe. Er kritisierte jedoch gleichzeitig die USA als Austragungsort und dass die Weltmeisterschaft ein Turnier für die "Reichsten der Reichen" sei. Bobga sagte auch, dass er von einem Journalisten gefragt worden sei, ob alle Menschen, die Schwarz-Rot-Gold tragen würden, politisch am rechten Rand stünden. Das sei "natürlich völliger Quatsch", so Bobga. Als Gesellschaft müsse man es aushalten, dass Menschen aus Stolz auf eine offene demokratische Gesellschaft während der WM diese Farben tragen wollten, so der Co-Chef der Parteijugend weiter. Gleichzeitig gebe es Menschen, denen betrunkene Männergruppen mit Deutschlandfahnen Angst machten. Diese Menschen würden das mit gewaltvollen Erfahrungen verbinden, erklärte der Co-Chef der traditionell links ausgerichteten Jugendorganisation mit Blick auf Rassismus und Sexismus. Angesprochen auf die Äußerung Bobgas zu den "scheiß Deutschlandflaggen", ging Brantner nicht konkret auf diese ein und äußerte sich allgemeiner: "Ich sage ja auch immer: Wir sollen die Deutschlandflagge nicht den Rechten überlassen." Sie warf der AfD vor, die Farben Schwarz, Rot und Gold zu missbrauchen und verwies auf ihre historische Bedeutung. Die Farben stünden für Demokratie, so die Grünen-Chefin. Das, was die AfD vorhabe, habe allerdings nichts mit Demokratie zu tun. Wenn die AfD die "Deutschlandfähnchen" schwenke, täusche sie die Menschen.