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Trump in Gefahr: Warum ließ das Weiße Haus Reporter im Köder-Flugzeug?

Was wie eine kuriose Anekdote über Donald Trumps alte Air Force One begann, war eine geheime Täuschungsaktion, um den US-Präsidenten zu schützen. Die Aktion ist brisant: Wurden Menschen bewusst für den Köder missbraucht? Bastian Brauns berichtet aus Washington Von Beginn an wirkte etwas faul an dieser plötzlichen Umplanung. Donald Trump verließ Ankara nach dem Nato-Gipfel im Juli nicht mehr mit dem neuen, von Katar geschenkten Regierungsflugzeug, sondern mit seiner alten Air Force One. "Old time’s sake", schrieb Trump, "aus alter Verbundenheit". Diese aufkommende Nostalgie passte so gar nicht zu den von Trump über Jahre vorgetragenen Beschwerden über die alte Boeing-Maschine, die bereits 1990 in den Dienst gestellt wurde. Dazu behauptete der Präsident noch, man habe die neue Air Force One den in Europa stationierten Soldaten zeigen wollen. Darum habe er noch einmal das alte Flugzeug für den Rückflug in die USA genommen. Doch wie die größten US-Medien "Washington Post", "New York Times" und das "Wall Street Journal" mit immer weiteren Details nun ans Licht bringen, war all das in Wahrheit eine großangelegte Täuschungsaktion. Sie sollte Trump vor einem mutmaßlichen Raketenangriff Irans schützen. Denn der Präsident flog weder in der neuen, noch in der alten Air Force One, sondern in einem dritten, geheimen Flugzeug. Der ungewöhnliche Vorgang wirft ernste Fragen auf: Wie groß war die Gefahr wirklich und warum ließ das Weiße Haus die mitgereisten Reporter, Mitarbeiter und sogar Kabinettsmitglieder in einem Flugzeug sitzen, das letztlich als Köder diente? Plötzliche Gefahrenlage ohne eigene Informationen Was in jener Nacht des 8. Juli geschah, liest sich in den Recherchen der amerikanischen Journalisten wie das Drehbuch zu einem packenden Politthriller. Laut den jüngsten Recherchen des "Wall Street Journal" hatten amerikanische und israelische Geheimdienste Hinweise auf einen möglichen Anschlag iranischer Stellvertreter erhalten. Konkret ging es demnach um die Möglichkeit, dass ein Soldat mit einer tragbaren Flugabwehrrakete, einem sogenannten "Manpad", Trumps Flugzeug beim Start aus Ankara beschießen könnte. Die Vorstellung: Ein Angreifer könnte sich trotz der massiven Sicherheitsvorkehrungen rund um den Nato-Gipfel etwa 800 Meter vom Flughafen entfernt positionieren und auf das abhebende Flugzeug feuern. Dann aber begann offenbar die Verwirrung. Denn selbst innerhalb der US-Regierung war die Gefahrenlage wohl keineswegs so eindeutig. Die israelischen Informationen dazu, dass iranische Alliierte über eine Tötung Trumps gesprochen haben sollen, waren zunächst vage. Einige US-Vertreter hielten das zumindest nicht für vollkommen glaubwürdig. Es gab sogar Vermutungen, Israel könnte mit diesem Bedrohungsszenario Trump zu einer weiteren Eskalation des Iran-Krieges bewegen wollen. Erst später hätten die US-Dienste dann eigene Informationen über den möglichen Raketenangriff auf die Präsidentenmaschine gehabt. Aber auch die waren wohl nicht eindeutig. Zumindest gab es keine konkreten Hinweise darauf, dass die mutmaßlichen Angreifer überhaupt über den notwendigen Raketenwerfer in Ankara verfügten. Türkische Vertreter sollen später beteuert haben, keinerlei Beweise für eine konkrete Gefahr gefunden zu haben. Die "Null-Risiko"-Entscheidung des Secret Service Trotzdem entschied der Secret Service in diesem Moment, mit einer „Null-Risiko-Strategie“ nicht den Hauch einer Gefahr zulassen zu wollen. Immerhin war Donald Trump bereits mehrfach das Ziel von versuchten Attentaten, auch durch das iranische Regime . Sogar wenn Trump Golf spielen geht, steht inzwischen immer ein Raketenabwehrsystem neben dem US-Präsidenten. Und so begann in Ankara die öffentliche Scharade, um die mutmaßlichen Angreifer zu verwirren. Was zumindest die mitgereisten Journalisten zu diesem Zeitpunkt nicht wussten: Auch sie waren Teil dieses Plans, den Präsidenten außer Gefahr zu bringen. Während sie selbst offenbar im Visier bleiben sollten, war Trump längst verschwunden. Zwar stieg der US-Präsident am Flughafen von Ankara zunächst tatsächlich in die alte Air Force One. Kameras filmten ihn beim Einsteigen. Die Journalisten gingen an Bord. Dann wurden sie kurz darauf jedoch angewiesen, die Fensterblenden zu schließen. Für Reporter, wie die "New York Times"-Reporterin Maggie Haberman, die Präsidenten auf Reisen begleiten, war das die erste Auffälligkeit: Solche Maßnahmen werden sonst in Kriegsgebieten getroffen, wenn kein Licht aus dem Flugzeug dringen darf. Die vollendete Täuschung Während die Reporter also nichts sahen, begann der eigentliche Trick: Trump und einige seiner engsten Mitarbeiter wie Walt Nauda stiegen auf der anderen Seite des Flugzeugs in einen Catering-Container. Per Hydraulik wurde der Wagen auf Höhe der Flugzeugtür angehoben. Dann senkte sich die Plattform wieder ab. Ein Catering-Truck fuhr davon – für wenige Sekunden außer Sicht der Kameras, die vor dem Flugzeug positioniert waren, vorbei an den Triebwerken der kleineren Maschine. Trump war weg. Trump wurde in eine kleinere C-32A gebracht, eine militärische Boeing 757, die sonst unter anderem für hochrangige Regierungsmitglieder eingesetzt wird. Der Präsident nutzte sie bereits wegen eines technischen Defekts im Januar, als er zum Weltwirtschaftsforum nach Davos flog. In Ankara stieg dann Verteidigungsminister Pete Hegseth wohl separat über eine Außentreppe ein. Für den Flug wurde dann nicht das übliche Präsidenten-Rufzeichen "Air Force One" verwendet. Stattdessen flog die Maschine als "Reach 18", ohne den Standort öffentlich zu übermitteln. Die alte Air Force One flog derweil als Präsidenten-Attrappe mit Journalisten und Mitarbeitern. Die neue Air Force One und die kleine Militärmaschine mit Trump an Bord ebenfalls. In Großbritannien fand dann eine weitere große Umsteigeaktion statt. Nachdem Trump mit seinem Ersatzflugzeug auf dem Luftwaffenstützpunkt Mildenhall gelandet war, bestieg er wieder heimlich die ältere Air Force One und verließ daraufhin das Flugzeug offiziell. Dann bestieg er wiederum die neue Air Force One, die ebenfalls bereits auf dem Luftwaffenstützpunkt wartete, und trat von dort den Rückflug zurück in die USA an. Unwissentlich in mutmaßlicher Lebensgefahr Je mehr dieser Details bekannt werden, desto problematischer erscheint die Geschichte. Denn abseits der vielen hämischen Kommentare in den sozialen Netzwerken über den Angsthasen Trump und Memes über den neuen "Container-in-Chief", wird offensichtlich: Die Menschen an Bord der Air Force One wussten offenbar nicht, dass sie in dem Flugzeug saßen, das der Präsident gezielt verlassen hatte. Sie wussten nicht, dass der Secret Service die Bedrohung so ernst nahm, dass sie Trump mit großem Aufwand heimlich aussteigen ließen. Die Reporter wussten es nicht. Bei den Mitarbeitern und Kabinettsmitgliedern ist die Informationslage weniger eindeutig. Später wurde bekannt, dass Außenminister Marco Rubio, Finanzminister Scott Bessent und Trumps innenpolitischer Berater Stephen Miller an Bord der Täuschungs-Maschine waren. Demnach wusste Rubio wohl von der Bedrohung. Wer sonst eingeweiht war, ist bislang unklar. Auch Trumps Pressesprecherin Karoline Leavitt, die ihren Posten Ende August überraschend räumen wird, verblieb in der Air Force One. Sofort entstanden Spekulationen, der Vorgang sei der wahre Grund ihres Rückzugs. Belege dafür gibt es nicht. Zwar ist die alte Air Force One das sicherere Flugzeug. Denn anders als die auf Trumps Drängen viel zu schnell in den Dienst gestellte neue Air Force One verfügt sie über bessere Schutzsysteme als die von Katar geschenkte Maschine, so etwa über eine Raketenabwehr. Und trotzdem stellen sich Beobachter in Washington die Frage: Durften die Menschen an Bord diesem Risiko einfach so unwissentlich ausgesetzt werden? Trumps Äußerungen lassen tief blicken John Kirby, der frühere Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats unter Joe Biden , bezeichnet den Vorgang schlicht als "skrupellos". Man hätte den Pressevertretern sehr wohl die vertrauliche Information über das Täuschungsmanöver mitteilen können und sie erst später darüber berichten lassen. Die Journalisten und Mitarbeiter hätten die Möglichkeit bekommen müssen, auf andere Weise zurückzureisen, so Kirby. So nachvollziehbar der unbedingte Schutz des US-Präsidenten vor einem Angreifer ist, so sehr scheint die Aktion das Vertrauen zwischen Pressevertretern und der Regierung weiter zu beschädigen. Denn in den USA entsteht nicht zum ersten Mal der Eindruck, dass der Präsident insbesondere Journalisten im Zweifel als Kollateralschäden in Kauf nimmt. Eine Szene dazu ist vielen Medienvertretern noch im Gedächtnis. Kurz vor den Präsidentschaftswahlen im November 2024 stand Trump im Bundesstaat Pennsylvania auf einer Wahlkampfbühne und sprach über mögliche weitere Anschlagsversuche auf ihn. "Und um mich zu erwischen, müsste jemand schon zuerst durch die Fake-News hindurchschießen", sagte Trump hinter Panzerglas ins Mikrofon, gerichtet an die Pressetribüne vor ihm. Dann schob er hinterher: "Das würde mir nicht so viel ausmachen." Angesprochen auf das Täuschungsmanöver von Ankara sagte Trump vor Reportern: "Ich glaube, das Flugzeug, mit dem ich geflogen bin, war einem höheren Risiko ausgesetzt." Seine Begründung: Weil es das Flugzeug war, das die möglichen Angreifer wahrscheinlich eher wählen würden.

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