DFB-Pokal: Trotz 0:9 gegen Mainz 05: Krieschow feiert Krieschow
Die Hoffnungen auf eine Überraschung und einen damit verbundenen Mallorca-Trip waren schnell verweht. Doch Krieschow feierte trotz Mainzer Schützenfest den Höhepunkt der Vereinsgeschichte.
Auch neun Gegentore konnten der Feierstimmung auf dem ausverkauften Sportplatz im beschaulichen Krieschow nichts anhaben. Die ansässige Mannschaft des VfB wurde von 3.000 der 4.000 Zuschauer hochgejubelt, als hätte der Oberligist gerade den Aufstieg in die viertklassige Regionalliga geschafft.
„Die Jungs sind froh, sie sollen in Erinnerung halten, dieses Erlebnis gehabt zu haben“, sagte Krieschows Trainer Robert Koch nach der 0:9-Niederlage in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals gegen den Bundesligavertreter FSV Mainz 05, „wir wollen den Tag genießen und das werden wir auch weiterhin tun“, kündigte der ehemalige Profi von Dynamo Dresden und dem 1. FC Nürnberg noch einen langen Abend an.
„i-Tüpfelchen knapp verpasst“
Dabei waren die kleinen Hoffnungen auf eine Überraschung, die Krieschows Vorstand mit einem Mallorca-Trip belohnt hätte, spätestens nach dem Hattrick von Phillip Tietz (16., 26., 32.) schnell ad acta gelegt. In der Halbzeitpause schwor Trainer Koch seine Mannschaft auf einen Ehrentreffer ein.
„Das wäre das i-Tüpfelchen gewesen, da wäre noch ein bisschen was explodiert auf den Rängen“, sagte Koch. Doch der eingewechselte Aaron Stephan schob kurz vor Schluss den Ball am Mainzer Tor vorbei.
Zuschauer feiern während der gesamten Begegnung
Die Laune der Zuschauer hatte dabei aber nicht abgenommen, obwohl zu diesem Zeitpunkt zweimal Nadiem Amiri (39. und 48.), Sheraldo Becker (43.) sowie erneut Tietz (57.), Ransford-Yeboah Königsdörffer (74.) und William Bøving (88.) das Ergebnis weiter hochgeschraubt hatten.
Denn das Spiel bildete zwar den Höhepunkt, doch die Vorarbeiten für das Großereignis im mit rund 560 Einwohnern kleinsten Vertreter im DFB-Pokal jemals liefen seit Wochen. Die Kapazität des Sportplatzes wurde in ehrenamtlicher Arbeit von 2.000 auf 4.000 Zuschauer erhöht, die Anforderungen des DFB und der Medien mussten erfüllt werden, ebenso die der ebenso feiernden 1.000 Gäste aus Mainz, für die an den Ständen extra Weinschorle angeboten wurde.
Mainz-Trainer Fischer vom „Fest“ begeistert
Hinzu kam eine ansteckende Fröhlich- und Freundlichkeit der Ehrenamtlichen rund um den Sportplatz. „Ich fand es ein Fest heute. Diese Atmosphäre gehört zum Pokal, das fand ich toll“, sagte der Mainzer Trainer Urs Fischer voller Begeisterung, „die haben das toll aufgebaut, großer Respekt.“
Die Mainzer Spieler hätten dem Trainer auch von den großartigen Lautsprecherboxen vorgeschwärmt, die auf dem Gelände verteilt standen. „Ich würde sie nachher mal durchzählen“, schmunzelte der ehemalige Trainer von Union Berlin.
Hoffnung auf baldige Wiederkehr ins Fernsehen
Doch die Boxen mussten auch lange nach Schlusspfiff ihren Dienst bei den Feiernden - unter ihnen auch Sportminister Gordon Hoffmann (CDU) - verrichten. Der Höhepunkt des Vereins hat den Verantwortlichen Appetit auf eine weitere Teilnahme gemacht.
Zudem ist die Hoffnung groß, dass Krieschow bald wieder in der ARD zu sehen sein wird: Amiris verwandelter Freistoß aus knapp 30 Metern genau unter die Latte hat gute Chancen, in die Auswahl „Tor des Monats“ zu gelangen. Krieschows Stadionsprecher Chris Nikusch „würde es wählen“. Er wäre nicht der einzige der Ortschaft.