In Niedersachsen: Clankriminalität: Fallzahlen sinken zum dritten Mal in Folge
Weniger Straftaten und deutlich mehr gesichertes Vermögen: 2025 sinkt die Zahl der Fälle, die sogenannten kriminellen Clans zugerechnet werden. Trotz sinkender Zahlen steht eines aber wohl fest.
Der Anteil der sogenannten Clankriminalität an der gesamten Kriminalität in Niedersachsen ist nur gering - dafür fallen kriminelle Clans und ihre Straftaten aber oft deutlich auf. Es gebe „immer wieder größere Tumultlagen“, sagte Innenministerin Daniela Behrens. Clankriminalität sei ein sichtbares Problem in Niedersachsen, sagte Justizministerin Kathrin Wahlmann. Behrens betonte, es sei daher eine gute Nachricht, dass die der Clankriminalität zugeordneten Fallzahlen sinken - und zwar zum dritten Mal in Folge.
Anteil der Clankriminalität bei 0,53 Prozent
Polizei und Justiz ordneten 2025 insgesamt 2.691 Straftaten diesem Segment zu, wie Behrens und Wahlmann (beide SPD) bei der Vorstellung des neuen Lagebilds zur Clankriminalität mitteilten. Das waren 454 Fälle weniger als ein Jahr zuvor, damals wurden 3.154 Fälle gezählt. 2023 waren es noch 3.610 Fälle, 2022 sogar 3.986 Straftaten. Der Anteil der Clankriminalität an der Gesamtkriminalität lag im vergangenen Jahr bei 0,53 Prozent.
Zugleich wurde bei der Sicherung von Vermögenswerten ein „neuer Höchststand“ registriert, wie Behrens sagte. Vorläufig gesichert wurden rund 5,35 Millionen Euro - der höchste Wert der vergangenen fünf Jahre. Ein Jahr zuvor waren es knapp fünf Millionen Euro. „Trotzdem bleibt Clankriminalität ein sichtbares Problem in Niedersachsen“, sagte Wahlmann. „Die Clans versuchen, mit Drogenhandel, Raub und Erpressung Geld zu verdienen.“
Begriff der Clankriminalität ist umstritten
Allerdings ist der Begriff Clankriminalität umstritten, weil er nach Ansicht von Kritikern Menschen mit Migrationshintergrund allein aufgrund ihrer Familienzugehörigkeit und Herkunft stigmatisiert und diskriminiert. Es werde gefragt, ob nicht Menschen wegen ihrer Herkunft verfolgt würden, ob Clankriminalität nicht das Gleiche wie Organisierte Kriminalität sei, sagte Wahlmann - und antwortete: „Nein, das ist sie nicht.“
Beides könne sich in Teilen decken, müsse aber nicht. Clankriminalität beruhe auf ethnischer Herkunft und familiären Verflechtungen. Verfolgt würden aber nur Menschen, die im Verdacht stünden, eine Straftat begangen zu haben. Kriminelle Großfamilien stellten sich bewusst außerhalb der Gesetze, sie hätten parallele Regeln und eine parallele Justiz, erklärte die Ministerin: „Das können und werden wir niemals dulden.“
Erhebliches Dunkelfeld
Landespolizeipräsident Axel Brockmann sagte, es sei von einem „nicht unerheblichen“ Dunkelfeld auszugehen. Die wieder rückläufige Fallzahl sei gleichwohl positiv, auch eine positive Langzeitentwicklung zeichne sich ab. Die Zahl der Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit sei zwar um mehr als 8 Prozent gesunken, stelle aber mit 934 Fällen die mit Abstand größte Gruppe dar. Insgesamt wurden 2.411 Tatverdächtige registriert - 80 Prozent von ihnen waren Männer, gut 56 Prozent hatten eine deutsche Staatsangehörigkeit. Immerhin zehn Verdächtige seien Kinder im Alter bis zehn Jahren gewesen.
Brockmann betonte, Clankriminalität bleibe ein Schwerpunkt der Strafverfolgung. Die Täter, die den kriminellen Großfamilien zugerechnet werden, hätten eine „hohe Waffen- und Gewaltaffinität“. Behrens sagte: „Wir erleben immer wieder die Missachtung rechtsstaatlicher Regeln.“
Lagebild Clankriminalität nur in wenigen anderen Bundesländern
Nach Angaben der Innenministerin erheben die meisten Bundesländer kein Lagebild zur Clankriminalität: „Das finde ich misslich.“ Die Länder, in denen dies anders sei, ließen sich an einer Hand abzählen - Nordrhein-Westfalen, Berlin und Bremen seien darunter. Wahlmann betonte, in Niedersachsen habe man klar erkannt, dass es eine Herausforderung gebe: „Das erwarte ich auch von allen anderen Bundesländern.“